Startseite
Fabriken auf Trockenland
5 min

Führt der Klimawandel zu mehr Krebserkrankungen?

Hängen Krebserkrankungen und Umwelteinflüsse miteinander zusammen?
  • Ja...
  • Weiß nicht
  • Nein
Allgemein gehören zu den möglichen Ursachen von Krebs...
  • Tabak und Alkohol
  • UV-Strahlen
  • Feinstaubpartikel*

Nr. 1: Die Luftverschmutzung

Die Verschmutzung der Luft trägt zum Klimawandel bei und ist deshalb eine Gefahr für unseren Planeten. Sie soll außerdem jährlich für etwa 300.000 vorzeitige Todesfälle in Europa verantwortlich sein. Eine ganz entscheidende Rolle spielt der sogenannte Feinstaub. Also winzig kleine Partikel, die von Autos, Kraftwerken, Kaminen oder Heizungen verursacht werden.

Wie viele verfrühte Todesfälle gab es jährlich durch Feinstaub?
  • Etwa 20.000
  • Etwa 45.000
  • Etwa 80.000

Nr. 2: Umwelthormone

Was ist denn das?? → Stoffe, die sich auf das Hormonsystem auswirken (auch "Endokrine Disruptoren" genannt).

"Hormone sind kleine Moleküle, die im Blut zirkulieren und es den Organen ermöglichen, miteinander zu kommunizieren und sich aufeinander einzustellen", Alice Desbiolles.

Man findet sie fast überall: in Gegenständen aus Kunststoff, Silikon oder Teflon, in Lebensmittelbehältern, Reinigungsmitteln, Kosmetika, Hygieneprodukten, Farben, Möbeln ... Und man findet sie ganz oft in den Industrieprodukten der Agrochemie* (aka Pestizide und andere Düngemittel, die der Artenvielfalt, dem Klima und dem Boden schaden).

Wie viele Pestizide sind als krebserregend eingestuft?
  • Keine
  • Etwa 60
  • Etwa 300

In hohen Dosen können Pestizide tatsächlich Krebs (und btw auch Parkinson) verursachen → Landwirt:innen sind also als erste betroffen, weil sie diesen Stoffen bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind.

Zu den als gefährlich eingestuften Stoffen gehören unter anderem:

  • Chlordecon (ein Insektizid, das lange Zeit auf den Antillen eingesetzt wurde) verursacht "wahrscheinlich" Prostatakrebs.
  • Glyphosat (auch unter dem Namen Roundup bekannt) steht unter dem starken Verdacht, Landwirt:innen Schäden zugefügt zu haben. Die Auswirkungen auf die Allgemeinbevölkerung sind aber laut Alice Desbiolles leider nicht offiziell erwiesen.
  • DDT ist ein Insektizid, das nach dem Zweiten Weltkrieg exzessiv verwendet wurde, bevor seine Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt bekannt wurden.

In Bezug auf die Ernährung gibt es dagegen noch zu wenig Beweise. Man kann also nicht sicher sagen, dass zum Beispiel nicht-biologische Lebensmittel krebsfördernd sein können.

Nr. 3: Die Wasserverschmutzung

Auch Wasser kann eine Menge an gesundheitsschädlichem Zeug enthalten. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Arsen (ein natürliches chemisches Element, das vom Gestein ins Wasser kommt) Krebs verursachen kann, vor allem in der Blase oder der Lunge.

Wie viele Jahre kann Arsen noch Krebserkrankungen auslösen?
  • Etwa 5 Jahre
  • Etwa 10 Jahre
  • Etwa 40 Jahre

In China spricht man auch von "Krebsdörfern", um Gemeinden zu beschreiben, die an verschmutzten Flussarmen liegen und in denen viele krebserkrankte Menschen leben → Offiziell gibt es davon über 400.

Und was, wenn all diese Dinge zusammenkommen?

Was ist ein Exposom?
  • Ein Gen, das Krebs bekämpft
  • Eine neue Form der Medizin
  • Ein Cocktail aus Umwelteinflüssen
“Das Exposom kann sehr von Vorteil sein”, erklärt Alice Desbiolles.

→ Es gibt bereits einige Möglichkeiten, potenziellen Gefahren vorzubeugen und unsere Umgebung risikogerecht zu gestalten = spielen auf einem Schulhof ohne Schatten und Bepflanzung erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Melanom (= UV-bedingter Hautkrebs) zu entwickeln. Aber ein begrünter und schattiger Schulhof verbessert die Luftqualität und verringert die UV-Belastung!

So kann durch die Berücksichtigung des Exposoms eine risikoreiche Umgebung in eine gesündere Umgebung umgewandelt werden.

····················

🧐 Und jetzt?

In Bezug auf die Gesellschaft:

  • Für weniger Luftverschmutzung: mehr Begrünung, langsamer fahren, neue "Umweltzonen", Verbot von Fahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß
  • Stadtplanung: mehr Grünflächen für mehr Schatten, Anreize zum zu Fuß Gehen, Radfahren und für öffentliche Verkehrsmittel.
  • Weniger Plastikverschmutzung und bessere Aufbereitung von Trinkwasser

Auf individueller Ebene:

  • Die Wohnung häufig lüften und Duftspender, Kerzen und Räucherstäbchen vermeiden (um die Luftverschmutzung in Innenräumen zu verringern)
  • Reinigungsmittel und Kosmetika reduzieren (lieber natürliche Produkte, wie weißen Essig, Backpulver, schwarze Seife benutzen)
  • Ernährung: So viel wie möglich “selber machen” und verarbeitete Produkte (= Fertiggerichte, Limonaden...) und Fisch (der viele Schadstoffe enthalten kann) vermeiden

Und, alles klar? Noch nicht zu sehr deprimiert?
  • Doch, das ist ganz schön heftig...
  • Ja, geht schon…

····················

🔎 Was bedeutet…

Feinstaubpartikel: Partikel (die z.B. von Motoren stammen) und so winzig klein sind, dass sie in der Luft bleiben und die Atemwege belasten

Industrieprodukte der Agrochemie: chemische Produkte, die in der Landwirtschaft verwendet werden

Chlordecon: chlorhaltiges Insektizid, giftig für den Menschen und schädlich für den Boden

Glyphosat: chemische Verbindung, die hauptsächlich als Unkrautbekämpfungsmittel verwendet wird


····················

👀 Quellen

Pr. Alice Desbiolles
Europäische Umweltagentur
Environmental Health Perspectives
Deutschlandfunk
Deutsches Krebsforschungszentrum
Heinrich-Böll-Stiftung
Umweltbundesamt
Centre International de Recherche sur le Cancer
ESKP
Spiegel
UFZ
Ärzteblatt

Du willst keinen neuen Artikel mehr verpassen? 🔥

author image
Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles
author image
Nicolas Quénard
The Lizard King