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Ein Staubsauger saugt CO2 ein
5 min

Wird Geoengineering uns im Kampf gegen den Klimawandel retten?

Um die Erderwärmung zu bekämpfen, planen Wissenschaftler:innen:
  • Die Rotationsachse der Erde zu verändern
  • Schwefel in der Atmosphäre zu verteilen*
  • Co2 mit einem riesigen "Staubsauger" aufzusaugen


Was ist Geoengineering?

"Geoengineering – auch Klimaengineering genannt – wird als eine umfassende Zusammenstellung von Methoden und Technologien definiert, die darauf abzielen, das Klimasystem bewusst zu verändern, um Folgen des Klimawandels abzumildern."

Zitat: Deutsches Klimakonsortium

Wann ist Geoengineering entstanden?
  • Während des Ersten Weltkriegs
  • Während des Ost-West-Konflikts
  • Während des Vietnamkriegs

Heute hat das Geoengineering keine militärischen Ambitionen mehr und sein einziges Ziel ist es, den Klimawandel zu "korrigieren", indem es:

  • auf seine Ursachen eingeht (Co2-Emissionen)
  • auf seine Folgen eingeht (Anstieg der Durchschnittstemperatur)

Der Begriff “korrigieren” ist ziemlich umstritten. Selbst das IPCC (DIE Spezialisten für den Klimawandel) hat aufgehört, das Wort in seinen Berichten zu verwenden.

Konkret gibt es zwei Teams:

Diejenigen, die versuchen, das Co2 einzufangen

Entweder direkt an der Emissionsquelle (Fabriken, die Öl oder Strom produzieren und viel Co2 erzeugen) oder indem sie versuchen, den bereits in der Atmosphäre vorhandenen Kohlenstoff zu entfernen.

Das kann durch natürliche Verfahren geschehen (= Wälder und Ozeane, die auf natürliche Weise Co2 binden) ODER mithilfe von Technologie (= große Maschinen saugen den Kohlenstoff aus der Atmosphäre und injizieren ihn in den Boden).

Wo befindet sich die weltweit größte Anlage zur CO2-Abscheidung?
  • Island
  • China
  • Argentinien

Diejenigen, die versuchen, die Sonnenstrahlen zu blockieren

Die Temperatur auf der Erde künstlich senken → Das ist Solar Geoengineering. Die Idee dahinter ist, eine Art "Spiegel" zu schaffen, der einen Teil der Sonnenstrahlung direkt in den Weltraum reflektiert.

Das kann durch eine Vielzahl von Techniken möglich gemacht werden, z. B. chemische Partikel in die Luft injizieren, um einen reflektierenden Schleier zu erzeugen, die Ozeane fruchtbar machen oder Oberflächen (Gebäude, Straßen) weiß anstreichen.


Ist das wirklich eine gute Idee?

Ja, wir haben keine andere Wahl!

Und genau das erklärt uns der IPCC in seinem letzten Bericht: Wenn wir das 1,5 °C-Ziel erreichen wollen, müssen wir uns weiter bemühen und gleichzeitig auf diese neuen Technologien zurückgreifen. Für einige umweltbelastende Sektoren (Metallbau, Kunststoffindustrie usw.), die für den Menschen unverzichtbar sind, wird das sogar zwingend notwendig sein!

Ja, das könnte eine direkte positive Auswirkung haben

Natürlich hängt es von der genauen Vorgehensweise ab, aber einiges wäre sehr leicht umsetzbar und positiv für das Klima. Beispielsweise wären "nur" 6.700 Flüge pro Tag nötig, die Schwefel in die Atmosphäre streuen, um die globale Erwärmung um -1°C zu reduzieren. (Zum Vergleich: 2021 gab es etwa 60.000 Flüge/Tag).

Nein, es ist sehr schwer, die Risiken vorherzusehen

Greifen wir das Beispiel von oben wieder auf: Schwefel in die Atmosphäre zu injizieren, kann die Temperatur schnell senken, doch das hat auch andere Folgen. Beispielsweise kann die Farbe des Himmels verändert werden.

Er wäre dann nicht mehr blau, sondern:
  • Weiß
  • Orange
  • Lila

Zusätzliches Problem - die Erde würde sehr schnell wieder erwärmen, sobald wir mit dem Injizieren aufhören. Sofia Kabbej, Forscherin im Bereich Klima am IRIS (The French Institute for international and strategic affairs) erklärt:

“Wenn wir die Verbreitung dieser [Schwefel-]Partikel stoppen, besteht die Gefahr, dass die Temperatur so abrupt ansteigt, dass sich weder die Ökosysteme noch die Menschen daran anpassen können.”

Das gilt auch für die Einlagerung von Co2 im Boden: Nicht jeder ist sich über die möglichen Risiken dieser Technologie im Klaren.

Oliver Geden, Experte für Co2-Abscheidung und Mitautor des letzten IPCC-Berichts, meint: "Das ist kein Problem, denn es verstärkt in gewisser Weise das, was die Natur ohnehin tun würde. Erdgas sammelt sich manchmal von selbst im Boden an."

Sofia Kabbej gibt zu bedenken: "Noch nie wurde so viel Kohlenstoff im Boden gespeichert, daher wissen wir nicht, welche langfristigen Folgen das haben wird.”

Nein, es ist (zu) teuer

Die Lösungsansätze des Geoengineerings sind nicht rentabel genug. Das Ergebnis: Sie werden nicht genutzt, denn "es ist viel billiger, weiterhin fossile Energieträger herzustellen und Strafe zu zahlen", erklärt Sofia Kabbej.

Nein, es ist zu spät

Der IPCC gibt den Regierungen der Welt drei Jahre Zeit, um die Umkehrung der Co2-Emissionskurve zu erreichen. Was, wenn das Geoengineering bereits zu spät kommt? Im letzten Bericht wird erklärt, dass die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff nicht so ganz ausgereift ist → Es wird noch einiges an Forschung und Investitionen brauchen, bevor wir sie wirklich nutzen können.

Nein, es führt zu einem "Rebound-Effekt"

Besser bekannt als “ach das passt schon, wir absorbieren ja jetzt Co2, dann können wir easy weiter so viel ausstoßen, wie bisher”

"Wir müssen klare Grenzen für den Einsatz [von Co2-Speichertechnologien] setzen, weil wir sonst Gefahr laufen, in den "Business as usual" Modus zu kommen und denken, diese Maschinen werden immer da sein, um uns zu retten."
Oliver Geden


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😎 Du willst noch mehr wissen?

Was das Gesetz zu all dem sagt: Nicht viel (und genau das ist das Problem) → Ob auf französischer, europäischer oder globaler Ebene, die Regulierung des Geoengineerings schreitet nicht im gleichen Tempo voran wie die neuen Technologien. SCOPEX (ein von Bill Gates finanzierte Projekt) wäre sogar fast in Nordschweden getestet worden, ohne die dort lebenden Menschen zu fragen. Weil es schlichtweg kein Gesetz gab, dass sie davon abgehalten hätte. "Wir brauchen ein offizielles System, ein rechtlich verbindliches System, um zu wissen, welche Auswirkungen diese Technologie haben wird", sagt Oliver Geden.

Was die Menschen darüber denken: Das ist etwas schwer zu sagen, da es keine wirklichen Studien zu diesem Thema gibt. Aber mehrere Umfragen zeigen, dass die Meinungen je nach Land unterschiedlich sind:

  • Beispielsweise unterstützt die Mehrheit der Menschen in englischsprachigen Ländern (USA, Kanada, Großbritannien) die Forschung im Bereich Geoengineering.

  • Im Gegensatz dazu ist man in Frankreich eher gegen den Einsatz bestimmter Techniken, wie die Einlagerung von Co2 im Boden.
Und du, was denkst du über Geoengineering?
  • Find ich cool!
  • Bin nicht so der Fan
  • Weiß nicht so recht

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🔍 Was bedeutet

Atmosphäre: Die Gasschicht, die die Erde umgibt, sie ist der Teil des Himmels, der dem Boden am nächsten ist und in dem Wolken, Regen und Schnee erscheinen.

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👀 Quellen

Deusches Klima Konsortium
Umweltbundesamt
Arte
Max-Planck-Institut für Meteorologie
Heinrich Böll Stiftung

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Nicolas Quénard
The Lizard King
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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro