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Eine Familie, vor einem Weihnachtsbaum
5 min

Wie spreche ich die Klimakrise beim Familientreffen an?

Hand hoch, wenn du schon mal über das Klima gestritten hast!
  • Me!
  • Not me!

“Es geht bei dir immer nur darum”, “Das ist schon ein bisschen radikal”, “Du bist doch eh noch zu jung”... Echt nicht immer einfach, über das Klima zu diskutieren, ohne dass dein:e Gesprächspartner:in danach genervt, beschämt oder einfach stinksauer ist.

Deshalb hier ein kleiner Guide!

Mich stört an Vegetarier:innen, dass sie immer Moralapostel spielen. Dann probier doch mal eine vegetarische Lasagne, die erzählt dir nichts über Moral, sondenr ist einfach nur lecker!

Dem Gegenüber keine Schuldgefühle machen!

Ein entspanntes Gespräch über das Klima kann schnell zu einer Diskussion mit Schuldzuweisungen werden.

Denn oft geben wir Menschen, die sich unserer Meinung nach nicht genug anstrengen, schnell das Gefühl, schuld an der Klimakrise zu sein. Laut der Sozialpsychologin Lolita Rubens geraten Menschen, die auf ihre Schwächen hingewiesen werden, schnell in die Defensive → Keine gute Voraussetzung für eine Diskussion!

Anstatt: “Ach toll Opa, du isst immer noch so viel Fleisch?! Hast du dabei eigentlich auch mal an den Planeten und meine Zukunft gedacht?”

Besser: “Ich weiß, es ist oft nicht so einfach, auf Fleisch zu verzichten. Ich versuche aber trotzdem weniger davon zu essen und eigentlich ist es auch gar nicht so schwierig.”

Ergebnis: Du sprichst eher über dich als über deine:n Gesprächspartner:in und nimmst ihr:ihm die Schuld/Verantwortung, indem du über generelle Fakten sprichst → es liegt an uns allen, etwas zu verändern!

Mir sind andere Dinge wichtiger, als das Klima. Das verstehe ich, es ist auch nicht immer leicht. Aber ich hätte ein paar einfache Tipps für dich, wenn du magst?

Sich in die andere Person hineinversetzen

Nicht für jede:n sind Umweltprobleme die oberste Priorität. Für viele Menschen gibt es wichtigere Sorgen und Aufgaben, wie z.B. Rechnungen zu bezahlen.

Anstatt: “Du hast dir einen SUV* gekauft? Weißt du eigentlich, wie umweltschädlich die sind?”

Besser: “Ja stimmt, schon nicht so einfach, sich neben der Uni und dem Nebenjob auch noch zu informieren und sich andere Meinungen anzuhören. Ich habe letztens NOWU entdeckt, wenn du willst, kann ich dir mal ein, zwei Artikel schicken, die sind echt cool und interessant!”

Ergebnis: Du zeigst Einfühlungsvermögen und schlägst neue Lösungen vor! Lolita Rubens findet es sinnvoller, andere nicht sofort überzeugen zu wollen. Besser sei es, erst einmal eine Idee mitzugeben, damit die Leute sich selbst informieren können. (und du kannst NOWU ins Gespräch bringen, hehe #selfpromo.)

Bringt doch eh nichts, auf die Umwelt zu achten. Damit wirst du die Welt auch nicht retten. Die kleinen Veränderungen im Alltag können genauso wichtig sein, wie die großen Bewegungen.

Die generellen Vorteile betonen

Wenn du jemanden davon überzeugen willst, sein oder ihr Verhalten zu ändern, musst du aufzeigen, was er oder sie damit bewirken kann. Die Sozialpsychologie sagt: Zu wissen, dass das, was man tut, zu einer Veränderung beiträgt, unterstützt die eigene Motivation enorm!

Anstatt: “Nee Mama, dein Zigarettenstummel auf dem Boden ist wirklich nicht cool, denkst du du bist alleine auf der Erde, oder was?”

Besser: “Wusstest du, dass 500 Liter weniger Wasser verschmutzt werden würde, wenn du deine Zigarettenstummel nicht mehr auf den Boden wirfst? Du könntest zum Beispiel einen tragbaren Aschenbecher benutzen.”

Ergebnis: Du zeigst neues Wissen, Lösungen und Gründe auf, um zu motivieren → Tausendmal besser als eine Standpauke!

Auf die Umwelt zu achten, heißt auf vieles zu verzichten. Willst du dein Leben nicht genießen? Das tu ich doch. Meine Sommerbräune habe ich übrigens vom vielen Radfahren.

Die individuellen Vorteile hervorheben

Wenn man mit der Familie über das Klima spricht, artet das manchmal schnell in einer Sensibilisierungskampagne aus. Laut dem Sozialpsychologen Mickaël Dupré ist es nicht sehr effektiv, nur Informationen weiterzugeben (die meistens eh schon bekannt waren) → Besser ist es, aufzuzeigen, was man an Zeit, Geld und Lebensqualität dazu gewinnen kann, wenn man seine Gewohnheiten ändert!

Anstatt: “Ehrlich gesagt, Onkel, dein SUV* ist echt nicht so toll für die Umwelt, vor allem weil du in der Stadt wohnst.”

Besser: “Seit ich mehr Fahrrad fahre, bin ich viel fitter, entdecke die Stadt neu und spare Geld. Ich kann jetzt sogar länger schlafen, weil ich nicht im Stau stehen muss.”

Ergebnis: Vielleicht hast du immer noch Lust, seine Autoreifen zu zerstechen, aber jetzt überlegt er vielleicht, seine Fahrradreifen wieder aufzupumpen, damit er auf dem Weg zur Arbeit sein Daily-Workout machen kann!

Laaaangweilig diese Öko-Themen, also ehrlich. Immernoch langweilig, wenn sogar deine Lieblingsband darüber spricht?

Über Dinge reden, die dein Gegenüber toll findet

Studien haben gezeigt: je naturverbundener jemand generell ist, desto größer ist seine Bereitschaft, sich umweltfreundlicher zu verhalten. Du kannst also naturbezogene Dinge ansprechen, die deinem Gegenüber wichtig sind (einen Wald, das Meer, Pflanzen)! So kannst du ein Thema ansprechen, das euch am Herzen liegt.

Anstatt: “Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie du dich nicht für die Umwelt einsetzen kannst, obwohl es doch für viele Menschen und Tiere um Leben und Tod geht.”

Besser: “Hast du den Film "Animal" von Cyril Dion schon gesehen? Der würde dir sicher gefallen. Du liebst doch die Berge, und eine Szene spielt direkt im Jura-Gebirge, wo wir als Kinder immer Urlaub gemacht haben. Der Film ist mega cool gemacht und lässt einen über den Klimawandel nachdenken!”

Ergebnis: Du findest Anknüpfungspunkte bei deiner Cousine, die Film- und Wanderfan ist, und nutzt dabei die Gelegenheit, das Thema Umweltschutz und Artenvielfalt anzusprechen → Das funktioniert quasi wie ein “trojanisches Pferd” - laut Lolita Rubens können wir damit verhindern, dass negative Gefühle zum Thema Umweltschutz geweckt werden.

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🔍 Was bedeutet...

SUV: Steht für Sport Utility Vehicle. Ein großes und geräumiges Auto, oft mit Allradantrieb (ähnelt einem Geländewagen) = überdurchschnittlich umweltschädlich.

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👀 Quellen

Lolita Rubens
Psychologies
The Conversation
France Info
Mickael Dupré
Cleanwalk

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Esther Meunier
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