Startseite
Eine Weltkugel mit einem Pflaster, Herzchen und minus 3 Grad Zeichen
6 min

Wie gehen wir mit den Schäden um, die der Klimawandel verursacht hat?

Eines der ganz großen Themen auf der UN-Weltklimakonferenz COP 27: wie umgehen mit den Schäden, die der Klimawandel verurschacht? Denn in der Regel sind diejenigen, die die Folgen des Klimawandels am heftigsten trifft nicht diejenigen, die das Problem auch verursacht haben.

Auf der COP 27 in Ägypten wird jetzt nach einer Lösung für das Problem gerungen. Die Länder könnten sich auf einen Klimafonds einigen, der ärmere Staaten für die Folgen von Dürre und Überschwemmungen entschädigt. Dabei sollen aber auch große Treibhausverursacher mitmachen, die so eine Geldbeteiligung bisher abgelehnt haben, Cina und Saud-Arabien etwa.

Der Hintergrund ist, dass es immer häufiger zu starken Überschwemmungen kommt (wie in Pakistan diesen Sommer), Dürren, die Ernteschäden verursachen (wie in Ostafrika), steigenden Wasserständen, die ganze Nationen zu verschlucken drohen (wie die Inseln Tuvalu oder Tsonga)...

Der Klimawandel verursacht schon jetzt gravierende Schäden und wird das auch weiterhin tun…

Loss and Damage: Vom Klimawandel verursachte Schäden

Einige dieser Schäden werden sich nicht vermeiden lassen, man wird gewissermaßen mit ihnen leben und/oder sie beheben müssen. Man spricht dann von "Loss and Damage" ("Verluste und Schäden").

Im Wesentlichen sind das die Folgen des Klimawandels, die man trotz folgender Strategien nicht aufhalten konnte:

  • Minderungsstrategien: die Reduzierung von Treibhausgasen, um die globale Erwärmung zu verringern

  • Anpassungsstrategien: die Vorhersage potenzieller Schäden und die Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung dieser Schäden (bevor sie eintreten)

Wie gestalten sich diese Verluste und Schäden konkret?

Extreme, plötzliche und wiederkehrende Ereignisse

Laut Fanny Petitbon (Spezialistin bei der NGO Care France):

“In letzter Zeit denkt man zwangsläufig an die Überschwemmungen in Pakistan: Der Preis sind Menschenleben, Verlust von Infrastruktur, Häusern... Genauso gut kann sowas aber zum Beispiel durch einen Wirbelsturm passieren."


Durch den Klimawandel werden solche extremen Wetterereignisse voraussichtlich häufiger und intensiver auftreten.

Die langsamen Auswirkungen des Klimawandels

Fanny weist aber darauf hin, dass nicht nur Naturkatastrophen zu berücksichtigen sind.

"Es gibt auch Phänomene, die sich schleichender entwickeln und über die man weniger spricht: So hat Somalia aktuell mit wiederholten Dürren zu kämpfen. Die Menschen verdienen kein Geld mehr und können sich nicht mehr ernähren, sodass sie gezwungen sind, umzusiedeln.”


Zu den anderen langsamen Phänomenen, die Schäden verursachen, gehört auch der Anstieg des Meeresspiegels. Menschen sind gezwungen, umzusiedeln, weil ihr Land versalzt* und unkultivierbar wird oder weil es überflutet zu werden droht → All dies bedeutet auch den Verlust von Sprachen, Kulturen und Vermächtnissen dieser Länder (Tuvalu hat aufgrund des steigenden Meeresspiegels z. B. bereits einige seiner Friedhöfe verloren).

Es gibt also nicht nur wirtschaftliche Auswirkungen, sondern auch Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit der betroffenen Bevölkerung.

Warum sind Verluste und Schäden ein Thema der Klimagerechtigkeit?

Die Länder, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, leiden am meisten darunter

Kein Land bleibt mehr von der Frage der Verluste und Schäden verschont, was sich beispielsweise bei den Überschwemmungen in Europa im Jahr 2021 gezeigt hat, aber auch bei den vielen Waldbränden auf der Welt, die aufgrund des Klimawandels immer häufiger und wahrscheinlicher werden.

"Aber die Ungerechtigkeit besteht darin, dass die Länder, die die meisten und schlimmsten dieser Auswirkungen erleiden, diejenigen sind, die nur sehr wenig für die Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, welche den Klimawandel verursacht haben", erklärt Fanny.

Von allen, die seit 1991 von extremen Klimaereignissen betroffen waren
  • lebten 57% in Entwicklungsländern
  • lebten 79% in Entwicklungsländern
  • lebten 97% in Entwicklungsländern

Dabei ist es erwiesen, dass es die reicheren Länder sind, die historisch gesehen für den Großteil der Emissionen verantwortlich sind, die den Klimawandel verursacht haben: Eine der Schätzungen, auf die sich die NGOs berufen, zeigt, dass die Länder des globalen Nordens* 92% der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen ausgestoßen haben.

Sie sind auch diejenigen, die am meisten Mittel haben, um dagegen vorzugehen

Ganz schön ungerecht, aber das ist noch nicht alles: Wie du vielleicht schon mitbekommen hast, sind die Länder, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, nicht die reichsten.

Eine Zahl, um das zu verdeutlichen: Allein 55 dieser Länder haben zwischen 2000 und 2019 aufgrund des Klimawandels wirtschaftliche Verluste von rund 500 Milliarden US-Dollar erlitten... Und sie können sich solche Ausgaben nicht allein leisten!

Doch die reicheren Länder bringen oft das Argument, dass niemand das Geld hätte, um die Verluste und Schäden zu finanzieren, bzw. zu kompensieren. Die Expert:innen von der Loss and Damage Collaboration, die den Bericht erstellt haben, sind allerdings anderer Meinung.

Die Industrie der fossilen Energien* hat genug Profit gemacht, um…
  • diese Kosten ungefähr 20 Mal zu decken
  • diese Kosten ungefähr 60 Mal zu decken
  • diese Kosten ungefähr 100 Mal zu decken.

Wie weit sind die internationalen Verhandlungen?

Das Thema stockt schon seit einiger Zeit

Wann wurde das Thema zum ersten Mal auf den Tisch gebracht?
  • Im Jahr 1991
  • Im Jahr 2001
  • Im Jahr 2011

Im Wesentlichen läuft die Debatte heutzutage wie folgt:

  • Die Länder des globalen Südens* fordern Geld, um Verluste und Schäden zu bewältigen.

  • Die Länder des globalen Nordens entgegnen ihnen, dass sie ihnen bereits genug Geld geben, um ihre Emissionen zu reduzieren und sich an den Klimawandel anzupassen, sowie durch humanitäre Hilfen für Verluste und Schäden.

  • Die Länder des globalen Südens (und immer mehr NGOs, die sie unterstützen) erwidern, dass das nicht das Gleiche ist und dass sie trotzdem zusätzliche Finanzmittel benötigen.

Was die Länder des globalen Nordens auch bremst, ist, dass sie Angst haben, dass, sobald sie anfangen, die Notwendigkeit der Finanzierung von Verlusten und Schäden anzuerkennen, ihre "Schuld" gegenüber den Ländern des Südens anerkannt wird, und dass es sie am Ende sehr, sehr, sehr teuer zu stehen kommt.

Daher haben sich bislang nur drei Länder dazu verpflichtet, einen Teil der Verluste und Schäden zu finanzieren.

Diese sind…
  • Kanada, Slowenien und China
  • Schottland (UK), Wallonien (Belgien) und Dänemark
  • Island, Italien und die Niederlande

Was wird von der COP27 erwartet?

Es gibt derzeit drei Hebel, um international gegen Verluste und Schäden vorzugehen:

  • Der Warschau-Mechanismus: Er soll definieren, was Verluste und Schäden sind, soll Akteure ausfindig machen und in Verbindung bringen, die an diesem Thema arbeiten, und finanzielle und technische Unterstützung bereitstellen (wobei es in Bezug auf den letzten Punkt laut Fanny "in den letzten 9 Jahren fast keine Fortschritte" gab).

  • Das Santiago-Netzwerk: Es sollte gefährdeten Ländern helfen, ihre Bedürfnisse einzuschätzen, beschränkt sich aber im Großen und Ganzen bisher auf eine Website → auf der COP27 soll entschieden werden, wie das konkret funktionieren soll. Die ersten Gespräche im Juni 2022 waren allerdings anscheinend nicht sehr erfolgreich.

  • Der Glasgower Dialog = Ein Plan zur Diskussion über finanzielle Vereinbarungen für drei Jahre (von Juni 2022 bis Juni 2024), den die Länder des globalen Südens schließlich akzeptierten, weil sie nichts Besseres erreicht hatten. Ihr Ziel ist es, den Dialog aufrechtzuerhalten und einen konkreten Finanzierungsmechanismus zu entwickeln.

Es bleibt abzuwarten, ob auf der COP 27 echte Fortschritte erzielt wurden. Aktuell laufen die Verhandlungen da noch (Stand 18.11.2022). Für Fanny könnte endlich Bewegung in die Sache kommen, "weil das Thema heute von vielen Ländern, der Zivilgesellschaft und den Medien vorangetrieben wird, die den Ton verschärft haben”.

Deine Reaktion

Denkst du das wird etwas?
Wie viel Geld kostet eigentlich der Klimawandel?

………………..

🔎 Was bedeutet…

Länder des globalen Südens: Eine in den 1980er Jahren geschaffene Bezeichnung für die ärmsten Länder, die sich überwiegend in der südlichen Hemisphäre befinden.

Länder des globalen Nordens: Umgekehrt: Bezeichnung für die reichsten Länder, die sich überwiegend in der nördlichen Hemisphäre befinden.

Versalzung: Mit dem steigenden Meeresspiegel werden die Böden salzhaltig und weniger fruchtbar.

Fossile Energien: Energie aus der Verbrennung von fossiliertem organischem Material, das im Untergrund der Erde enthalten ist (Kohle, Erdgas, Erdöl usw.).

Wenn du mehr über die COP27 wissen willst:

………………..

👀 Quellen

Interview mit Fanny Petitbon, Expertin bei der NGO Care France
RESES
Loss and Damage Collaboration
Anil Markandya & Mikel González-Eguino
RFI

author image
Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles