Jubelnde Menge

Musik und Nachhaltigkeit: Wie das Musikbusiness klimafreundlicher wird

5 min

Tanzen und mitsingen - bei bunten Lichtern, lauter Musik und vielen Emotionen. Wir lieben es, auf Konzerten und Festivals abzufeiern.

Bist du ein Konzert- oder Festivalmensch?
  • Bin sofort dabei – wohin mit mir?
  • Kein Bock - Zu viele Menschen
  • Solange es kein Schlager ist

Festivals & Konzerte sind DIE Gelegenheit für Musiker:innen und Fans, sich zu connecten. Je nachdem, wie sie organisiert sind und wie groß die Show ist, belasten sie allerdings die Umwelt: Mit dem Energieverbrauch des Auftritts, weil viele Leute (auch die Bands) oft mit Autos oder Flugzeugen kommen oder durch den Müll danach...

Nachhaltiger Touren á la Massive Attack

Es geht aber auch anders: Die Trip-Hop Band Massive Attack setzt sich schon seit Jahren für nachhaltigeres Touren ein. Sie sind selber möglichst mit dem Zug unterwegs und dokumentieren, wie viele Emissionen sie mit ihren Shows ausstoßen.

Anfang September 2021 haben sie zusammen mit Klimaforschenden sogar einen wissenschaftlichen Bericht veröffentlicht. Die „Roadmap To Super Low Carbon Live Music“ schlägt vor, wie die Live-Branche ihren Teil zur Erfüllung der Klimaziele beitragen könnte.

Es wird empfohlen: Per ÖPNV reisen, leichter zu transportierende Set-Ups nutzen, lokale Anbieter bevorzugen und den Einsatz von Ökostrom fördern.

Das Ganze ist als Plan bis 2035 angelegt…

Massive Attack plädieren dafür, dass Künstler:innen, Manager:innen, Promoter:innen, Designer:innen, Labels und Veranstalter:innen zusammenarbeiten, um Emissionen in der Livebranche zu senken.

Zwischen Öko, Greenwashing und Trend?

Die US-amerikanische Sängerin Billie Eilish tut sich für ihre Touren mit REVERB, einer gemeinnützigen Nachhaltigkeitsorganisation, zusammen. So gibt es bei ihren Konzerten u.a.

  • einen Stand, wo sich Fans über Klimaschutz und -gerechtigkeit informieren können
  • Unterstützung von Umweltorganisationen, die von Frauen geleitet werden

Allerdings hat Billie Eilish in einem Interview auch gesagt, dass sie wisse, wie schädlich das Fliegen sei, aber sie habe nun mal einen Job, wo sie nicht nicht fliegen könnte...

Ihre Musikkollegen von Coldplay werden weiterhin im Privatjet touren. Bei ihrer Welttournee 2022 sollen aber erneuerbare Energien und Fans das Konzert am Laufen halten….

Was haben Coldplay vor?
  • Fans sollen mit Fahrradfahren Strom erzeugen
  • Eine Tanzfläche soll elektrische Energie erzeugen

Für jedes verkaufte Ticket wird bei Coldplay außerdem ein Baum gepflanzt. Bei Billie Eilish und Coldplay sind außerdem keine Plastikflaschen auf den Konzerten erlaubt. Stattdessen gibt es gratis Trinkwasser an Wasser-Auffüllstationen.

Auch die Labels wollen grüner werden

Den Klimaschutz rücken jetzt auch große Labels in den Fokus - z.B. Universal, Sony und Warner. Sie haben im Dezember 2021 den Music Climate Pact unterschrieben. Das Ziel: Bis 2050 soll die Branche klimaneutral sein, und bis 2030 soll schon die Hälfte der Emissionen gesenkt sein. Dafür wollen sie:

  • Artists dabei unterstützen, über den Klimawandel zu sprechen
  • Offen mit Fans über den Einfluss der Musikindustrie auf das Klima reden
  • Mit Streaming-Unternehmen zusammenarbeiten und Projekte zur Emissionsreduzierung gemeinsam vorantreiben

Apropos: Streaming und Platten sind oft nicht so grün, wie wir denken

Zunächst die gute Nachricht: Musikstreaming verursacht weniger Müll als zum Beispiel CDs. Aber die Zahl der Emissionen durch Musikstreaming steigt.

Zum Vergleich: Die Niederlande (Niederländische Flagge Emoji) produzierten 2020 wöchentlich im Durchschnitt rund 3,7 Millionen Tonnen CO2 (im Jahr rund 176 Millionen Tonnen). Die Musikstreaming-Zahlen aus den USA klingen im Gegensatz dazu erstmal nicht viel, aber gestreamt wird Musik ja auf der ganzen Welt….

Beim Streaming arbeiten Server und Prozessoren, die Energie benötigen und Emissionen produzieren.

Auch wenn Schallplatten edel sind – sie sind durch das Material Polyvinylchlorid sehr robust und dementsprechend biologisch schwierig abzubauen. Die Hauptbestandteile in CDs, Polycarbonate, sind weniger umweltschädlich, verursachen aber auch Müll, weil sie auch nicht so gut abbaubar sind.

Was kannst du tun?

Du kannst dein Streaming Verhalten bewusst eingrenzen oder dir Tracks einmalig herunterladen oder besser – digital kaufen und auf deinen Abspielgeräten zum Anhören speichern. So unterstützt du auch die Musiker:innen mehr. Genau wie bei jedem anderen Konsum, kannst du dich auch informieren, unter welchen Bedingungen eine Platte hergestellt wurde, wie klimafreundlich der Weg zu uns Verbraucher:innen ist und wer davon profitiert.

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🤓 Du willst noch mehr wissen?

In dieser Doku von arte Tracks sprechen Künstler:innen und Aktivist:innen über Musik & Klimaschutz.

Das enorm-Magazin hat hier nochmal ausführlicher aufgeschlüsselt, wie schädlich Streaming & Co für die Umwelt sind und welche Alternativen es gibt.

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👀 Quellen

Wir sind red
haz
Tyndall
REVERB
Lanxess Arena
CBC
Utopia
Statista
New Yorker

Von 🌺 Joyce Lok-Teng Lee