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Welche Auswirkungen hat dein T-Shirt auf die Umwelt?

Weißt du eigentlich immer, wo dein T-Shirt produziert wurde?
  • Ja
  • Ehm...

Die Auswirkungen des Materials

Step 1 bei der Klamottenherstellung: Die Wahl des Materials. Schon diese ist laut Oxfam, einem internationalem Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, von Bedeutung. Also das Ausgangsprodukt, das dann verarbeitet, zugeschnitten, genäht oder eingefärbt wird. Dieses kann entweder neu (für dein Kleidungsstück) produziert oder aus einem alten Produkt recycelt werden.

Wir unterscheiden zwischen 3 verschiedenen Materialien:

👉Naturfasern

Wie zum Beispiel Baumwolle, Leinen oder Hanf. Aber Vorsicht: Nur weil diese Materialien “natürlich” sind, heißt das nicht, dass auch ihre Herstellung ökologisch ist☝️

Schauen wir uns zum Beispiel die Baumwolle an, die allein schon ein Viertel der weltweit produzierten Textilfasern ausmacht. Die Pflanze an sich benötigt nicht viel Wasser, tatsächlich wird aber der Großteil auf Plantagen angebaut, die unter Wasser stehen. Warum? Die Baumwollpflanzen können so schneller wachsen und die Erträge maximiert werden. Dieses ganze Wasser muss ja irgendwoher kommen → Die Landwirt:innen leiten wertvolles Trinkwasser um, damit ihre Felder bewässert werden.

Welches Gewässer ist bereits durch den Baumwollanbau ausgetrocknet?
  • Aralsee
  • Mittelmeer
  • Atlantischer Ozean

Das Wasser wird also nicht nur für den Anbau ausgebeutet, es wird durch den Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden zusätzlich noch verschmutzt. Diese Stoffe gelangen in die Umwelt und vergiften Flora und Fauna. Für die Tier- und Pflanzenwelt also eine doppelte Belastung: Weniger Wasser und verseuchte Böden 🙃

👉Synthetische Fasern

Dazu gehört zum Beispiel Polyester und Viskose. Der Großteil (70%) der heute produzierten Kunstfasern wird aus Erdöl hergestellt. Erdöl gehört zu den fossilen Brennstoffen, die sehr umweltschädlich für unsere Erde sind (mehr dazu hier).

👉Materialien aus Tierprodukten

Das sind zum Beispiel Wolle, Leder oder Seide. Wie auch bei den Naturfasern bedeutet ihr “natürliches” Vorkommen nicht, dass sie bzw. ihre Herstellung keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt haben. Die Tiere werden oft extra für unsere Kleidung gezüchtet (Schafe für Wolle, Kühe oder Lämmer für Leder, Seidenraupen für Seide…), wobei die artgerechte Haltung (Surprise) nicht im Vordergrund steht.

Die Auswirkungen der Produktion

Auf die Umwelt

OK, die Baumwolle für dein T-Shirt wurde bereits produziert. Jetzt gibt es aber noch einiges zu tun, um daraus ein Kleidungsstück zu machen. Diese Schritte zwischen dem Rohmaterial und dem Endprodukt sind das, was als Verarbeitung bezeichnet wird.

Während dieses Prozesses wird das Material mit verschiedenen Chemikalien behandelt. Zum Beispiel mit Fett oder Wachs, um es robuster zu machen, mit Bleichmitteln, um es heller zu machen, mit Farbstoffen, um es bunt zu machen, oder mit Chrom, um das Leder zu gerben.

Durch diese Techniken gelangen giftige Substanzen (Chlor, Metalle, Säuren…) in die Umwelt. Diese Chemikalien werden dann von Tieren und uns Menschen aufgenommen und vergiften sie nach und nach 🤢

Auf die Menschen

Wirf doch mal einen Blick auf das Etikett deines T-Shirts: Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde es in Vietnam, Bangladesch oder China hergestellt (kurz: dort, wo die Produktion am billigsten ist). Und das zu einem hohen Preis: Die Arbeitsbedingungen sind oft sehr schlecht und sogar lebensgefährlich.

Die Fabrikarbeiter:innen sind in ständigem Kontakt mit den giftigen Stoffen und bekommen nur einen sehr niedrigen Lohn. Auch Arbeitsrecht und Sozialschutz existieren nur selten oder werden sogar komplett weggelassen. Und das kann fatale Folgen haben…

Welches schlimme Ereignis geschah am 24. April 2013?
  • In China brannte ein Lagerhaus
  • In Vietnam wurden Arbeiter:innen vergiftet
  • In Bangladesch stürzte eine Textilfabrik ein

Die Auswirkungen des Transports

Um die in z.B. in Kasachstan oder Westafrika angebaute Baumwolle zur Verarbeitung nach Bangladesch und anschließend in den Laden in deiner Stadt zu bringen → ist dein T-Shirt (oder deine Jeans, dein Kleid, deine Badehose) quasi schon seeehr weit gereist.

Karte, die den Weg der Herstellung einer Jeans um die Welt darstellt.
So weit fliegt eine Jeans im Durchschnitt:
  • 5 000 Kilometer
  • 65 000 Kilometer
  • 650 000 Kilometer

Was bedeutet das global gesehen?

Die Folgen, die wir hier aufgelistet haben x 130 Milliarden Kleidungsstücke, die jedes Jahr verkauft werden = eine riesige Umweltkatastrophe.

Kurz zusammengefasst:

  • Die Modeindustrie ist für 2-10% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.
  • Umweltverschmutzung → Das Färben von Textilien ist die zweitgrößte Ursache für Wasserverschmutzung auf der Welt.
  • Müllerzeugung → Pro Sekunde wird die Menge an Klamotten, die in einen Müllwagen passen würde, verbrannt⏰

Und das ist nur ein Teil der negativen Folgen unserer Klamottenindustrie.

Der andere Teil wird verursacht durch…
  • Reinigung
  • Recycling
  • Verkauf

····················

🧐 Und jetzt?

Mal auf “Pause” drücken

In einer Welt, in der Fast-Fashion unseren Klamottenmarkt beherrscht, sollten wir alle uns mal zwei Minuten Zeit nehmen und uns überlegen, was wir wirklich brauchen ( und “Bock haben” zählt da nicht). Hier findest du Tipps für ein nachhaltigeres Konsumverhalten.

Verantwortungsbewusster produzieren

Auch die Industrie und die Politik haben einen großen Teil der Verantwortung. Sie könnten sich zum Beispiel dazu verpflichten, Kleidung in Zukunft so zu produzieren, dass der Planet und die Menschen respektiert werden.

Bessere Produktionsbedingungen sind auch das Ziel von “Slow Fashion”, ein Trend, der sich immer weiter etabliert: Umweltschonende Materialien kaufen (einen Leitfaden zum Thema findest du hier), auf Limited Editions setzen statt ständig zu viel zu produzieren, die Produktionsstätten nach Europa verlagern…

Warum ist der Schlussverkauf schlecht für die Umwelt?

👀 Quellen

Oxfam
Éthique sur l’étiquette
ADEME
Le Figaro
UNEP
Commission Européenne
UNFCCC
World Economic Forum

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro