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Was gibt’s da zu lachen? Umweltkrise und Comedy

Im Mai 2022 fand in Berlin erstmals das Comedy for Future Festival statt. Aaaber Moment mal: “for Future”? Wie bei Fridays for Future? Man kann sich doch nicht einfach über so etwas Folgenschweres wie den Klimawandel lustig machen, oder!? Wir (und viele lustige Comedians) sehen das ein bisschen anders.

Kann man über die Umweltkrise auch lachen?
  • Ja!
  • Nein!
  • Hmm…

Wir haben 4 Menschen diese Frage gestellt, die Comedy Content im Zusammenhang mit der Klimakrise liefern (ja, sowas gibt es wirklich). Hier sind ihre Antworten!

Marion von NouvelleEmpreinte

Als ich den Instagramaccount Nouvelle Empreinte erstellt habe, wollte ich weg von dem Etikett “Öko = langweilig". Ich wollte eine andere Zielgruppe ansprechen. Leute, die sich eigentlich nicht direkt für die Umwelt interessieren, die meine Themen aber cool finden könnten.

Humor ist ein tolles Mittel, um die Leute für gewisse Themen zu sensibilisieren. Vor allem bei jüngeren Menschen klappt das gut. Aber nicht nur, denn es gibt auch Menschen um die 50, die von meinem Content begeistert sind. Die Situation wird entdramatisiert und das hilft, die Informationen besser zu verbreiten. Allgemein passt das super zu den beliebten Social Media Formaten, wie z. B. kurzen Videos. So rutscht man im Algorithmus nach oben und wichtige Themen werden hervorgehoben.

Der Versuch, Menschen damit zum Lachen zu bringen, hat es mir unbewusst ermöglicht, mehr Abstand zu dem Thema zu gewinnen. So bin ich selbst weniger ängstlich.


Es fällt mir nicht allzu schwer, meine Themen auf lustige Weise zu verpacken, auch wenn es sich oft um einen etwas sarkastischen Humor handelt. Vor allem im Sommer gab es eine schlechte Nachricht nach der anderen. Ich selbst fand, dass meine Inhalte ein bisschen sehr düster wurden. Aber nie hat jemand zu mir gesagt: "Das ist eigentlich nicht lustig, hör auf damit". Die Leute sind eher so "Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll".

Ich stelle mir gar nicht so viele Fragen während der Vorbereitung meiner Themen. Wenn es eine Grenze gibt, spüre ich das, auch ohne mir vorher klare Regeln aufzustellen. Wenn es um Menschenleben geht, ist das für mich zum Beispiel so ein Punkt. Aber ich vertraue mir da selbst und entscheide von Fall zu Fall nach meinem eigenen feeling.

Nicolas Meyrieux

Ich habe eigentlich mit Stand-up-Comedy angefangen und wollte einfach nur lustig sein. Als ich 2011 dann den Film Oceans gesehen habe, dachte ich mir: "Okay, der Mensch schaufelt sich sein eigenes Grab und niemand spricht darüber. Ich habe die Möglichkeit, Leute zu erreichen, also werde ich darüber reden.”

Das war am Anfang gar nicht so einfach. Als ich zum Beispiel einmal im Paname Art Café in Paris auf der Bühne stand, sagten meine Kumpels zu mir: "Das ist doch gar nicht lustig, warum redest du darüber?"

Natürlich ist es einfacher, Witze über Tinder zu machen als über den Klimawandel.


Trotzdem haben die Videos auf meinem Kanal La Barbe Zehntausende von Klicks erzielt, obwohl ich nur über angstbesetzte Themen gesprochen habe. Ich verstand nicht, warum das so gut funktionierte, aber die Leute sagten mir tatsächlich: "Wir schauen dich nur, weil du lustig bist". Der Humor war die Eingangstür!

Auf die Leute hat das auf jeden Fall eine befreiende Wirkung. Aber für mich war es eher umgekehrt: Es hat mich wirklich deprimiert, denn um meine Themen vorzubereiten, las ich natürlich die ganzen Berichte und bekam diese ganzen traurigen Infos immer wieder direkt vors Gesicht. Und dann musste ich die harte Realität mit Witzen versüßen, damit die Leute sich dafür interessieren, ohne sich mit den Berichten auseinandergesetzt zu haben. Für mich war das eine Art Opfer, das ich bringen musste.

Tahnee

Bei mir kam das nicht gleich zu Anfang. Ich wollte vor allem erst mal über Themen wie LGBT, Feminismus und Rassismus sprechen. Aber mit der Zeit wurde ich selber immer mehr für das Thema Umwelt sensibilisiert und dachte mir, ich spreche ja bei meinen Auftritten über große aktuelle Themen in der Gesellschaft. Da schien es mir nur natürlich, auch über den Klimawandel zu sprechen, da das Thema aktuell ist und alle betrifft.

Wenn ich über den Klimawandel spreche, habe ich den Eindruck, dass die Leute sich sofort anspannen.


Entweder weil sie denken: "Ah, schon wieder jemand, der uns etwas über den Klimawandel erzählt. Dabei wollten wir uns doch nur ein bisschen amüsieren.” Oder weil sie eh schon sehr betroffen von dem Thema sind und dann noch mehr in Sorge geraten.

Es ist ein wirklich hartes Thema. Die Comedians, die es ansprechen, bleiben bei einem sehr schwarzen Humor, so wie Anne Cahen. Oder sie halten das ganze eher locker und optimistisch, so nach dem Motto “Kommt schon, es ist schwer, aber wir kriegen das hin". Auf jeden Fall ist es ein Thema, das immer häufiger in Sketchen und auf Stand-up-Bühnen auftaucht und viele Leute wollen darüber reden!

Albin von MalheursActuels

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit dem Thema Umwelt, auch mit dem, was in den sozialen Netzwerken kursiert. Mir ist aufgefallen, dass alles immer sehr ernst aufgezogen ist. Man ist davon ein wenig übersättigt. Die Idee hinter Malheurs Actuels war es, in die Parodie und Satire zu gehen, um auf andere Weise zu sensibilisieren.

Wir müssen über ernste Dinge lachen. Man kann über Diskriminierung und über Krankheiten lachen, warum also nicht über das Klima? Es geht darum, Emotionen zu wecken. Wir erhalten Kommentare von Menschen, die sagen, dass es besser ist, darüber zu lachen und dass unsere Inhalte ihnen helfen. Unsere Posts werden geteilt und erreichen Menschen, die noch nicht so informiert oder überzeugt sind. Von anderen Formen der Inhaltsvermittlung hätten sie sich vielleicht nicht berühren lassen. Man kann immer etwas verändern!

Wir verwenden verschiedene Formen von Humor. Ich mag es, Grenzen auszutesten, zum Beispiel Formate wie Black Mirror oder auch poetische Sachen. Es gibt sogar Momente, in denen wir der Realität so entfliehen können

Wir haben einen Vorrat an Artikeln und Kurzgeschichten, der nie leer wird. Man muss nur beobachten, um zu sehen, dass die Welt immer absurder und parodistischer wird.


Ab und zu kommen Leute zu uns und sagen, dass man nicht über alles lachen kann. Das ist das Spiel der sozialen Netzwerke. Manche nehmen alles wörtlich, was wir schreiben und das ist sehr lustig. Auf unseren Post zum Verbot von Raclette Geräten haben wir zum Beispiel sehr heftige Reaktionen bekommen!

Das könnte dich auch interessieren: Wie gehe ich mit Klimaangst um?

Unterhaltsame und lustige Beiträge rund um Klima und Umwelt gibt es haufenweise. Auf Youtube findest du z. B. die Auftritte vieler Comedians (wie Abdelkarim, Helene Bockhorst, Eckart von Hirschhausen, Maxi Gstettenbauer, Johann König und viele mehr), die auch beim Comedy for Future Festival dabei waren. Beliebt sind auch Satiresendungen im Fernsehen, die regelmäßig Beiträge zu Klimathemen haben, z. B. Extra 3, heute-show, ZDF Neo Magazin Royal.

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Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles
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