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Warum Naturkosmetik benutzen?

"Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.” (Charles Darwin, Naturforscher, 1809 - 1882)
Wie viele Substanzen können in DE in Kosmetikprodukten vorkommen?
  • Mehr als 10.000
  • Mehr als 20.000
  • Mehr als 30.000

Again! Du stehst vor den Regalen mit der riesigen Auswahl an Deos, Duschgels, Cremes, Lotions, Peelings, Puder, Mascara & Co. Alle versprechen dir, alles Mögliche zu können und dich noch schöner zu machen, als du ohnehin schon bist. Manche davon sind Bio. Aber dein Geldbeutel hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Was nun? Wir erklären dir, warum es eine gute Sache ist, zu Naturkosmetik zu greifen und dabei trotzdem zu sparen.

Besser für die Gesundheit

Die Kosmetikindustrie ist in Europa ein enormer Produktionssektor: 2018 betrug der Umsatz rund 45 Milliarden Euro. In konventionellen Kosmetikprodukten werden allerdings Inhaltsstoffe eingesetzt, die schädlich für unsere Gesundheit, die Umwelt oder Tiere sind. Zertifizierte Naturkosmetik hingegen hat strengere Standards als die EU-Kosmetik-Verordnung und muss die Vorgaben zertifizierter Naturkosmetik-Siegel befolgen.

Dafür gilt:

  • Keine Inhaltsstoffe auf Erdölbasis, Silikone und Polyethylenglykole (=PEG → werden als Emulgatoren oder Schaumbildner eingesetzt)

  • Kein mineralöl basiertes Mikroplastik

  • Viele Konservierungsstoffe sind verboten

  • Nur mineralische Lichtschutzfilter sind erlaubt

  • Natürliche Rohstoffe wie pflanzliche Öle dürfen durch festgelegte chemische Reaktionen verändert werden

  • Nur sehr wenige chemisch hergestellte Stoffe wie einige Pigmente und naturidentische Konservierungsstoffe sind erlaubt

  • Zumindest ein Teil der Inhaltsstoffe muss aus biologischem Anbau stammen
Kaufst du Naturkosmetikprodukte?
  • Nein
  • Ja
  • Nie drüber nachgedacht

Besser für die Umwelt

Das Problem mit dem Plastik: Bei konventioneller Kosmetik werden schwer abbaubare Kunststoffe in flüssiger, halbfester und fester Form eingesetzt. Die festen Partikel sind kleiner als 5 mm: das Mikroplastik. Es findet sich im Klärschlamm, in Flüssen und Meeren. Allein In Deutschland gelangen pro Jahr 977 Tonnen Mikroplastik und 46.900 Tonnen gelöste Polymere nur aus Kosmetikprodukten, Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln ins Abwasser. Und von dort in Böden, Tiere und Menschen. Mikroplastik ist mehrfach schädlich: es wird aus fossilen Energien hergestellt (schlecht fürs Klima und die CO2-Bilanz bei der Plastikproduktion = der größte industrielle Öl-, Gas- und Stromverbraucher in der EU) und nach neueren Studien kann das Einatmen und Verschlucken von Mikroplastik zu Entzündungsprozessen im Körper führen.

Wie viel Plastik nehmen wir im Schnitt pro Woche zu uns?
  • 1 Gramm
  • 5 Gramm
  • 10 Gramm

Besonders viele Mikroplastikpartikel und Kunststoffe verwenden Hersteller:innen laut der Greenpeace-Studie (2021) in Kosmetik, die nicht sofort abgespült wird, sondern auf der Haut bleibt (Creme, Lotion), und in dekorativer Kosmetik wie Make-up, Mascara oder Lippenstift.

Besser für die Tiere

Bei zertifizierter Naturkosmetik gelten strengere Verbote für Tierversuche als in der EU-Kosmetikverordnung. Der BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V.) regelt Tierschutz und die Verwendung von tierischen Rohstoffen: Weder bei der Herstellung noch Entwicklung dürfen Tierversuche durchgeführt werden. Der Einsatz von Stoffen, die von Tieren produziert werden (z.B. Milch, Honig), ist erlaubt, Rohstoffe aus toten Wirbeltieren (z.B. Emuöl, Nerzöl, Murmeltierfett, tierische Fette, Collagen und Frischzellen) aber nicht. Rohstoffe, die nach dem 31.12.1997 durch einen Tierversuch getestet wurden, dürfen ebenfalls nicht verwendet werden.

Besser für andere Menschen?

Das ist die Frage! Viele Kosmetik-Rohstoffe wie Palmöl, Kokosöl, Jojobaöl, Kakaobutter oder Sheabutter kommen aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Die faire Zusammenarbeit mit den Erzeuger:innen kann Probleme wie Dumpinglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen lösen. Diese Produkte erkennst du am Fairtrade-Logo, das auf Kosmetik + Pflege nur in Kombination mit dem Hinweis "Mit Fairtrade-Zutaten" stehen darf. Alle Inhaltsstoffe, die es auch als Fairtrade-Rohstoffe gibt, müssen dann auch aus fairem Handel stammen und somit soziale, ökologische und ökonomische Kriterien erfüllen. In Produkten, die auf der Haut bleiben, müssen mindestens 5 Prozent der Inhaltsstoffe aus fairem Handel stammen, bei abwaschbaren Produkten wie Duschgel sind es wegen des höheren Wasseranteils nur 2 Prozent. Das dürfte mehr sein, finden wir!

Naturkosmetik ≠ Bio

Check: Naturkosmetik bedeutet nicht zwangsläufig "aus biologischem Anbau"! Biologische Bestandteile sind als solche in der Inhaltsstoffliste gekennzeichnet oder der Bio-Anteil wird in Prozent angegeben. Das Natrue-Siegel unterscheidet zwischen "Naturkosmetik" und "Biokosmetik" - bei Bio müssen 95 Prozent der Naturstoffe bzw. naturnahen Stoffe aus biologischer Landwirtschaft oder Wildsammlung stammen. Eine Produktdatenbank gibts online.

Was ist mit Greenwashing?

Vorsicht vor Greenwashing: “Naturkosmetik” oder “Bio-Kosmetik” sind keine gesetzlich geschützten Begriffe. Die Kosmetikindustrie ist erfinderisch. Beliebte Tricks sind:

  • Eigene Siegel erfinden
  • Gering dosierte natürliche Inhaltsstoffe hervorheben: “Mit Olivenöl”, “Mit Aloe Vera”
  • Hervorheben, was NICHT drin ist: “Ohne Parabene”
  • Bei Verpackungsaufdruck wie “95 Prozent Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs” wird der Wasseranteil mitgerechnet

→ Trotzdem können in diesen Produkten überwiegend chemisch-synthetische Stoffe wie Kunststoff oder Silikonöl enthalten sein. Solche "naturnahen" Kosmetikprodukte erfüllen in der Regel nicht die Anforderungen der Naturkosmetik-Siegel.

Orientieren kannst du dich an zertifizierten Naturkosmetik-Siegeln:

“Kaninchen unter schützender Hand” vom Deutschen Tierschutzbund
Vegan-Label der Vegan Society
Nature-Siegel
BDIH-Siegel
Demeter-Siegel

🧐 Und jetzt?

Es gibt ein paar Dinge, die du tun kannst, um mit Kosmetikprodukten die Gesundheit, die Umwelt und die Tiere zu schonen und somit was fürs Klima zu tun! Hier die NOWU-Checkliste für dich:

  • Feste Seife oder Shampoo nutzen → reduziert Verpackungsmüll und gibt es von der Hausmarke deiner Drogerie bestimmt schon in bezahlbar.Verpackungen gibt es auch recycelbare Verpackung - hier erfährst du, welcher Müll in welche Tonne kommt.
  • DIY: Peeling lässt sich aus Zucker und Pflanzenöl (ja, auch Speiseöl) easy selbst herstellen und spart dir sogar das Eincremen danach. Du kannst auch dein Lieblingsduftöl dazugeben.
  • Mit der ToxFox-App vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) kannst du prüfen, ob Kosmetik Mikroplastik oder Kunststoffe enthält.
  • Allergiker:innen können Cremes und Lotions durch ein reines hautpflegendes Pflanzenöl wie Jojobaöl oder Mandelöl ersetzen. Daran denken: auch natürliche Stoffe können Allergien auslösen!
  • Reduzieren: Hautprobleme sind oft "angepflegt". Waschaktive, schäumende Substanzen beispielsweise entfetten die Haut. Das dadurch entstehende Gefühl von trockener gespannter Haut bekämpfen wir anschließend mit Creme oder Lotion. Und Haare werden durch häufiges Waschen genauso beansprucht wie ein Wollpullover.

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👀 Quellen

Verbraucherzentrale
Greenpeace
BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland)
sciencedirect
ecco-verde
kontrollierte-naturkosmetik
natrue
peta
utopia
NDR