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Warum Lärm im Meer gefährlich ist

Lärmbelästigung in den Ozeanen: Worum geht's?

Menschliche Aktivitäten unter (aber auch über) Wasser verursachen Lärm, und damit akustische Belastungen in den Ozeanen.

Schall breitet sich unter Wasser viel schneller aus als in der Luft, und dort gibt es auch keine Barrieren, die ihn aufhalten, wie es sie auf dem Land gibt (Gebäude, Bäume etc. = das alles verhindert weit verteilten Lärm). Das Ergebnis: Dort unten versteht man nichts mehr.


Was verursacht all den Lärm?

Auch ohne den Menschen ist ein Ozean nicht gerade still: Wellen, Wind, Stürme, Meerestiere sind ständig in Bewegung und verursachen Schall. Damit kommen die Lebewesen unter Wasser schon sehr lange gut klar. Doch seit die Menschen sich einmischen, gibt es viele neue Lärmquellen, die das Ökosystem stören:

Der Schiffsverkehr

Vor allem die großen Schiffe machen einen ganz schönen Radau mit ihren Schiffsschrauben und Motoren. Aber auch kleinere touristische Boote und Jetskis lärmen.

Es wird immer lauter, weil es immer mehr Schiffe auf den Meeren gibt. Manche Gebiete sind fast schon richtige Autobahnen (im Mittelmeer z. B.).

Echoloten

Jedes Schiff hat ein Echolot (ein Instrument, das Schallwellen sendet und empfängt, um Entfernungen und die Umgebung zu messen). Z. B. bestimmt es:

  • Die Wassertiefe unter dem Schiff
  • Die Standorte von Fischschwärmen (für die Fischerei)
  • Das Ölvorkommen unter dem Meeresboden
  • Die Standorte von U-Booten (bei militärischen Einsätzen)

Echolote sind besonders störend für die Tiere unter Wasser.

Bauarbeiten

Im Meer oder in Meernähe wird viel gearbeitet und gebaut:

  • Konstruktionen zur Ölförderung
  • Küstenarbeiten (Bau von Deichen, Gebäuden…)
  • Hafenarbeiten
  • Bau von Windkraftanlagen im Meer (diese werden z. B. mit einem riesigen Hammer eingeklopft → wer Bauarbeiten in der eigenen Straße erlebt hat, weiß, welche Kopfschmerzen das bringen kann)

Im Wasser verbreitet sich der Schall so gut, dass auch Arbeiten an Land bis in die Tiefen hörbar sind!


Lärmbelastung in den Ozeanen: Ein echtes Problem für die Biodiversität

Auch Fische und andere Meerestiere haben eingebaute Echoloten: Biosonare. So können sie auch in den dunklen Tiefen ihre Umgebung wahrnehmen.

Damit können sie:

  • Sich orientieren und fortbewegen
  • Sozialisieren, im Schwarm bleiben und sich fortpflanzen
  • ihre Beute wahrnehmen und jagen

Wenn also andere Schallwellen dazwischen kommen, die nicht ins Ökosystem passen (die von menschlichen Aktivitäten), wird ihre Wahrnehmung und Kommunikation sehr erschwert!

→ Langfristig bedeutet das: Schlechter ernährte Tiere, die sich nicht gut fortpflanzen können und aussterben.

Wenn der Lärm zu laut ist, können sie sogar verletzt werden:

  • Ihr Biosonar kann temporär beschädigt werden, was ihre Wahrnehmung und Lebensbedingungen beeinflusst.

  • Ihr Biosonar kann langfristig verändert werden. Das kann lebensgefährlich sein!

Schnabelwale sind besonders gefährdet. Die Tiere tauchen oft mehr als 3000 m in die Tiefe und wieder hinauf. Sie werden durch zu lauten Lärm aber gestört: Sie tauchen aufgrund der Geräusche zu schnell wieder nach oben und erleiden dadurch eine Embolie, da zu schnelle Druckveränderungen tödlich sind. Normalerweise kennen sich die Wale bestens in ihren Gewässern aus und schwimmen sicher dorthin, wo sie möchten. Die Lärmbelastung bringt allerdings alles durcheinander.

→ Es ist wissenschaftlich belegt worden, dass militärische Echoloten 2022 die massenhaften Strandungen von Schnabelwalen auf den Kanarischen Inseln verursacht haben. Aber auch heute passiert das noch: z.B. in einer eigentlich geschützten Zone zwischen Italien, Frankreich und Monaco.

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Und jetzt?

Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen.

Auf der Regierungs- und Unternehmensebene z. B.:

  • Es gibt Gesetze, die die Stärke von Echoloten auf Schiffen in Europa regeln

  • Bei Bauarbeiten sollten Methoden eingesetzt werden, die leiser sind: z.B. Windräder mit anderen Mitteln installieren, als sie in den Boden zu hämmern

  • Außerdem kann der Lärm durch Bauarbeiten mit einem “Blasen-Vorhang” gedämpft werden. Ein Schlauch auf dem Meeresboden gibt Luft ab und bildet so eine Wand aus Luftblasen, die den Schall eingrenzen.

  • Auch sollte darauf geachtet werden, Gebiete, die besonders reich an Biodiversität sind, oder die zur Fortpflanzung dienen, vor Lärm zu schützen, und Arbeiten lieber woanders durchzuführen.

  • Den Schiffsrumpf besser isolieren und leisere Maschinen einbauen.

  • Langsamer fahren und den Schiffsverkehr allgemein reduzieren.

Du fragst dich, was du persönlich tun kannst? Ganz viel, wenn du regelmäßig auf See bist:

  • Kein Jetski fahren. Denn das ist wirklich gar nicht gut für die Tiere.

  • Auf Motorbooten keine “volle Kraft voraus” machen. Lieber etwas gemütlicher fahren.

  • Echolot ausschalten, wenn du es nicht brauchst (klar, besser anschalten, als auf Grund zu laufen. Aber wenn es geht, aus damit).

  • Lieber das Fahrzeug ohne Motor nehmen: Mit dem Segelboot oder dem Windsurfbrett erzeugst du weder Lärm noch CO2!

Wenn diese Tipps nicht auf dich zutreffen, kannst du trotzdem etwas für die Meeresbewohner tun. Wer insgesamt weniger kauft und konsumiert spart Verkehrswege, Emissionen und auch Unter-Wasser-Lärm, da viele Waren per Schiff transportiert werden.

Was jede:r über die Ozeane wissen sollte

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Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles