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Warum ist die Weltmeisterschaft in Katar so kontrovers?

Der Kontext: Die Fußballweltmeisterschaft, eines der berühmtesten Sportereignisse der Welt, wird alle vier Jahre vom Internationalen Fußballverband (FIFA) in einem anderen Land veranstaltet.

Nach der WM 2018 in Russland (die Frankreich gewann) wurde Katar als Gastgeber der WM 2022 ausgewählt, die vom 20. November bis zum 18. Dezember in der Hauptstadt Doha stattfindet. Doch die Bedingungen, unter denen die Weltmeisterschaft organisiert und veranstaltet wird, haben viele Menschen aufhorchen lassen.

Thema Umwelt

Wie viele andere Gastgeberländer in der Vergangenheit hat Katar eigens für die Veranstaltung eine nagelneue Infrastruktur errichtet. Darunter 7 Stadien, für deren Bau als allerstes Mal Menschen gestorben sind. Und natürlich wurden nebst dessen Ressourcen benötigt und die Stadien werden klimatisiert sein werden. So viel schon mal dazu, wie umweltunfreundlich und menschenverachtend das Ganze gestartet hat.
Weil wir hier bei NowU den Fokus auf die Umwelt und den Planeten gelegt haben, nun mehr dazu (wobei für einen Boykott auch schon längst die toten Gastarbeiter:innen gereicht hätten).


Die Weltmeisterschaft sollte ursprünglich im Juni und Juli stattfinden, wo die lokalen Sommertemperaturen bis zu 50°C erreichen können. Schließlich wurde sie auf November und Dezember verschoben, wo es weniger heiß ist, das Thermometer aber trotzdem noch auf 29°C steigen kann.

Da Klimaanlagen viel Strom verbrauchen und ziemlich klimaschädlich sind, ist Katars Entscheidung, die Stadien (die unter freiem Himmel stehen werden!) zu kühlen, fragwürdig... Trotz der Bekanntgabe, dass die gebauten Klimasysteme mit Solarstrom betrieben werden.

Ein weiteres Problem ist, dass das Land während der WM 160 zusätzliche Flüge pro Tag(!) geplant hat, um die Zuschauer:innen, die sich für eine Unterkunft in den Nachbarländern entschieden haben, zu befördern.

Insgesamt beträgt der CO2-Fußabdruck der WM 2022 voraussichtlich:
  • 3 Tonnen CO2
  • 360.000 Tonnen CO2
  • 3,6 Millionen Tonnen CO2

Der Carbon Market Watch zufolge ist dieser CO2-Fußabdruck jedoch zu niedrig angesetzt, da beispielsweise die Umweltverschmutzung durch die Klimaanlagen in den Stadien nicht in die Berechnung einbezogen wurde.

Angesichts dieser Kontroverse haben sich die FIFA und Katar verpflichtet, den CO2-Ausstoß zu kompensieren, indem sie beispielsweise in grüne Projekte investieren oder mehrere tausend Bäume pflanzen. Die Idee ist okay, wobei der CO2-Ausgleich in der Praxis nicht so gut funktioniert.

Thema Menschenrechte

Die WM 2022 wird (wie oben erwähnt) auch wegen der Menschenrechtsverletzungen kritisiert, die für die Veranstaltung begangen wurden. Die britische Tageszeitung "The Guardian" schätzte, dass 6.500 Arbeiter:innen aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka beim Bau der Infrastruktur in Katar ihr Leben verloren haben sollen!

Die NGO Amnesty International forderte den Internationalen Fußballverband auf, einen Teil seiner Einnahmen für die Entschädigung der Arbeitenden auf diesen Großbaustellen zu verwenden.

Boykott: Wer ist dafür, wer dagegen?

Als Konsequenz auf diese Problematik haben Personen des öffentlichen Lebens und Organisationen öffentlich dazu aufgerufen, die Fußball-WM 2022 zu boykottieren → indem man sich keine Spiele anschaut und den Wettbewerb ignoriert, um die Ablehnung öffentlich zu zeigen.

Beispielsweise machen das der Schauspieler Vincent Lindon, der Fußballspieler Eric Cantona oder auch die Redaktion von Le Quotidien de la Réunion, die ankündigte, dass sie "alles boykottieren wird, was mit dem Sportereignis in Verbindung steht, aber Informationen weiterleiten wird, die mit den ökologischen und menschlichen Problemen in Zusammenhang stehen, die durch den Wettbewerb getragen werden".

Auch Frankreichs Premierministerin Elisabeth Borne gab zu, dass die Freiluftklimatisierung der Stadien in Katar "kein gutes Signal" sei, da sich Europa auf eine Energiekrise vorbereitet.

Was könnte ein Boykott bewirken?

  • Eine Botschaft an die Veranstalter:innen senden.

  • Dafür sorgen, dass das Thema in der öffentlichen Debatte bleibt (also die Kritikpunkte).

  • Er könnte dazu führen, dass die verschiedenen Interessengruppen, die diese Veranstaltung vergeben und organisieren, Geld verlieren (weniger gekaufte Eintrittskarten, weniger Zuschauer:innen = weniger Werbeeinnahmen...).

👉 Druck ausüben, damit in Zukunft klima- und menschenfreundlicher gebaut/veranstaltet wird.

Agnès Pannier-Runacher, französische Ministerin für die Energiewende, ist ihrerseits der Ansicht, dass ein Boykott der Fußballweltmeisterschaft "[leider] [nichts] an den Treibhausgasemissionen dieser Veranstaltung [ändert]". Die Kritiker:innen des Boykotts berufen sich auch auf die Bedeutung des Ereignisses für Profisportler:innen, die sich jahrelang darauf vorbereiten.

Was denkst du denn? Boykottieren oder nicht?
  • Boykottieren!
  • Nicht boykottieren!
  • Ich bin zwiegespalten…
Die Olympischen Spiele im Klimawandel: Winterspiele ohne Winter

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👀 Quellen

AFP
Le Monde
France Info
CNN
The Guardian

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro