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Frauen, die von kaputter Erde erdrückt werden
5 min

Warum Frauen stärker vom Klimawandel betroffen sind

  • “Der vom Menschen geschaffene Klimawandel bedroht alle gleichmäßig” - diesen Satz würden wahrscheinlich viele unterschreiben. Klar, wenn Starkregen Sturzfluten auslöst und Menschen bedroht sind, ist das Geschlecht erstmal egal.
  • Aber langfristig sind die sozialen Folgen des Klimawandels nicht gleichmäßig verteilt. Für Frauen sind sie deutlich schlimmer.
  • Wir schauen uns drei Beispiele an: Aus dem Tschad, aus Uganda und aus Bangladesch.

Es sind die Frauen, die sich kümmern

Klimaaktivistin Hindou aus dem Tschad spricht aus eigener Erfahrung:

“Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen indigene Frauen doppelt so stark wie andere”
- Hindou Oumarou Ibrahim
  • Rund um den Tschadsee werden Viehherden von Ort zu Ort gebracht, damit sie sich vom kargen Weideland ernähren können.
  • Durch den Klimawandel werden die Trockenphasen aber immer länger und es gibt für Tiere weniger Futter.
  • Dadurch geben zum Beispiel Kühe weniger Milch ab. Viele Tiere verhungern auch.

Für Viehbesitzer:innen bedeutet das, dass sie Einkommen verlieren und sich einschränken müssen. Hindou Oumarou Ibrahim sagt, vor allem die Frauen opfern sich in dieser Situation auf: “Sie kümmern sich um die Kinder, die Älteren und die Herde”.

Auch die Behandlung von Krankheiten ist vom Klimawandel betroffen

Krankheiten werden in den indigenen Gruppen des Tschads traditionell mit Hausmitteln behandelt. Doch die Bestandteile dieser Heilmittel sind wegen der Dürren manchmal nur schwer und weit weg entfernt zu bekommen.

“Man muss sehr weit laufen, um an sie ranzukommen. Und manche sind auch für immer verschwunden. Es sind nicht die Männer, die sich darum kümmern, es sind die Frauen.”
- Hindou Oumarou Ibrahim

Essen, Trinkwasser, Feuerholz - alles in der Verantwortung von Frauen

Ähnliches berichtet Vanessa Nakate, Klimaaktivistin aus Uganda, sie sagt:

“Der Klimawandel verschärft die bereits bestehenden Ungleichheiten.” - Vanessa Nakate

Frauen sind in manchen Teilen der ugandischen Gesellschaft verantwortlich dafür, dass das Essen auf den Teller kommt. Sie sorgen für Trinkwasser und Feuerholz für ihre Familien. Sie sind am stärksten davon betroffen, wenn ihre Farmen durch den Klimawandel zerstört werden. Der Klimawandel bedroht aber noch andere Bereiche ihres Leben.

“Mädchen riskieren die Schule abbrechen zu müssen. Manche werden zur Ehe im frühen Alter gezwungen - alles eine Folge des zerstörerischen Klimawandels”
- Vanessa Nakate

Klimawandel = Gewalt gegen Frauen

Die Internationale Umweltschutzorganisation IUCN hat in einer Studie aus dem Jahr 2020 noch mehr herausgefunden. Darin gibt es viele Beispiele, die zeigen, wie Mädchen und Frauen direkt vom Klimawandel betroffen sind.

Die Studie wurde über zwei Jahre angelegt und ist die bisher größte Sammlung von Beispielen, die zeigen, wie der Klimawandel die Situation von Frauen und Mädchen verschlimmert.

Schutzräume in Bangladesch für Frauen nicht geeignet

Auch in Bangladesch sind Frauen oft stärker vom Klimawandel betroffen als Männer. Zum Beispiel bei Überschwemmungen. Gotelind Alber vom Netzwerk “Women for Climate Justice" erzählt von den Schutzunterkünften, die es in dem südostasiatischen Land bei Überschwemmungen gibt. Sie sind dann oft überfüllt. Für Frauen dort ist es aber nicht angenehm, dicht-an-dicht mit Männern in einem Raum zu sein. Oder sogar die Toiletten gemeinsam zu benutzen. Die Folge: Frauen bleiben oft in ihren Hütten, die von der Flut einfach weggeschwemmt werden.

Frauen sind vom Klimawandel mehr betroffen - lasst uns das ändern!

Das Problem: Immer dann, wenn es darum geht, den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten, sind Frauen nicht gleichmäßig an der Diskussion beteiligt. Das hat sich ganz besonders auf der letzten großen Klimakonferenz, der COP26 in Glasgow gezeigt. Mehr als die Hälfte der Redezeit dort wurde von Männern eingenommen.

Die Beispiele aus diesem Artikel zeigen: In Sachen Klimawandel und Frauen herrscht Ungerechtigkeit. Viele Klimaaktivist:innen fordern daher:

“Wir müssen die Frage der Geschlechtergleichheit radikal stellen, wenn wir den Klimawandel bekämpfen wollen” - Hindou Oumarou Ibrahim

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😎 Du willst noch mehr wissen?

Dann schau dir unser Interview mit Marisa Hutchinson vom Netzwerk "Feminist Climate Justice" an - sie sagt: "Ohne Feminismus kein Klimaschutz"

Wir haben auch mit Geraldine Gachuz gesprochen, sie ist Leiterin für Genderfragen im Mexikanischen Außenministerium

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👀 Quellen

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Silicon Republic
inews
IUCN (International Union for Conservation of Nature)
Deutsche Welle
Race to Zero
Global Citizen
BBC
Intra-ACP Global Climate Change Alliance
Time
TED

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Nils Neubert
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