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Warum die Popkultur ihre Sicht auf die Klimakrise ändern sollte

Warum? Na weil die derzeitige Perspektive auf das Thema nicht gerade Lust macht, zu handeln.

Die Darstellung der Ökologie in der Popkultur ist deprimierend

Eine angstbesetzte Zukunft

Riesige Mengen Müll in "Wall-E" oder dem Spiel "Stray", verschmutzte oder vergiftete Luft in "Soylent Green” (spielt 2022) oder dem Anime “Nausicaä”a... Filme, Spiele oder Geschichten, die von der Umweltkrise handeln, zeichnen oft eine apokalyptische Zukunft, in der die Menschen verschwunden sind oder kurz davor stehen, auszusterben.

Das wurde in einer Studie der französischen Umwelt- und Energieagentur bestätigt: Die 40 Teilnehmer:innen sollten sich Filme und Serien anschauen, in denen es um die Umwelt geht, z.B. die Endzeit-Miniserie “The Collapse”. Das Ergebnis: Die Teilnehmer:innen verbanden diese ganz überwiegend mit negativen Emotionen.

Denise Baden ist Professorin für nachhaltige Wirtschaft an der Universität Southampton - sie sagt, dass Umweltfiguren [in popkulturellen Werken] tendenziell als irritierend, exzentrisch oder seltsam beschrieben werden.

Kurzum: Die Art und Weise, wie die Zukunft und die Klimakrise in der Popkultur dargestellt werden, ist oft bedrückend. Es kann sogar zu Öko-Angst führen (mehr dazu erfährst du hier), denn wer mit vielen negativen Darstellungen bombardiert wird, hat wahrscheinlich irgendwann das Gefühl, dass es so kommen muss, und kann sich keine alternative positive Zukunft mehr vorstellen.

Warum sollte man sich positiv(ere) Vorstellungen der Zukunft machen?

Diese negativen Vorstellungen sollten "mit Alternativen ausgeglichen werden, die eine mögliche und wünschenswerte Zukunft aufzeigen", betont Magali Payen, Gründerin von On est prêt und Imagine 2050 - zwei Organisationen, die sich genau dafür einsetzen: Zukunfts-Visionen zu kreieren, die nicht nur düster sind.

Warum sollte man das tun? Um mehr Hoffnung in die Welt zu setzen (die, ebenso wie Angst oder Wut, ein starker Handlungsmotor sein kann) und auch, um andere zu inspirieren, ihr Verhalten zu ändern. Dass das klappen kann, zeigt die Studie der französischen Klima- und Energieagentur: 65% der Befragten gaben an, dass Fiktion das Bewusstsein schärft und zum Handeln anregt.

Eine Serie, in der das klappt, ist die dänische Serie Borgen. Das sagt Côme Girschig - er ist Klima-Aktivist und Experte für Ökologie und Popkultur: "Ich glaube an die Macht und Bedeutung von Geschichten, die subtil und nicht moralisierend sind. Eine schöne Liebesgeschichte oder einen Thriller in einer Welt zu erzählen, die den ökologischen Wandel vollzogen hat, ist 1000 Mal sanfter und einnehmender als jede militante Botschaft."

Hast du die Serie "Borgen" gesehen?
  • Birgitte Nyborg forever
  • Nope

Wie können optimistischere Filme und Serien entstehen?

Côme Girschig sagt: Wichtig ist, Drehbuchautor:innen und Content-Creator:innen für das Thema zu sensibilisieren. Er hat darum gemeinsam mit der Journalistin Paloma Moritz eine Konferenz ins Leben gerufen, die sich an Drehbuchautor:innen, aber auch an Journalist:innen, Studierende der Politikwissenschaft und alle anderen richtet, die im Bereich der Popkultur arbeiten. Das Ziel: Perspektiven für neue Geschichten schaffen.

"Heute sind die Sphären der Medien, der Politik und der Kultur sehr auf den Technosolutionismus* ausgerichtet, weil es aufregend ist, den Weltraum zu erobern usw. Aber wir versuchen zu zeigen, dass es zu viele Annahmen gibt, die in dieser Vorstellungswelt wahrscheinlich nicht eintreten werden." - Côme Girschig


Heißt konkret: Er plädiert für Filme, in denen nicht immer alles high-tech und abgefahren daher kommt, sondern in denen nüchtern und - wie er findet - realistischer auf die Zukunft geschaut wird. Ihm geht es darum, dass in diesen Filmen eine grünere Zukunft gezeigt wird, in der die Menschen weniger und besser konsumieren und agieren.

Aber wie könnte das aussehen? Côme Girschig sagt, es gibt mehrere Stellen, an denen man ansetzen kann:

  • Die Handlungsstränge: Geschichten erfinden, die diese "grün-alltägliche" positive Vorstellungswelt in den Mittelpunkt stellt (z. B. ein "grüner" James Bond, wie würde das aussehen?).

  • Das Setting: "Vielleicht müssen wir nicht unbedingt Städte wie Manhattan zeigen, um Orte der Macht zu suggerieren", erklärt Côme Girschig.

  • Das Alltagsverhalten der Figuren: Filme, in denen die Charaktere klimafreundlich leben und/oder Gewohnheiten haben, die gut für die Umwelt sind, z. B. mit dem Fahrrad fahren oder sich vegetarisch ernähren

  • Geschichten gemeinsam mit Umweltschutz-Expert:innen schreiben: eine Art Öko-Consulting, was ein ziemlich neuer Ansatz ist!

Spezialisierte Produktionsfirmen

Die Entscheidung darüber, welche Filme oder Serien auf den Markt kommen, liegt meistens bei Produktionsfirmen - sie geben das Geld dafür. Um mehr Inhalte zu produzieren, die sich mit einer positiven Zukunft beschäftigen, hat Magali Payen zusammen mit dem Regisseur Cyril Dion und der Schauspielerin Marion Cotillard die Produktionsfirma Newtopia gegründet.

"Das Ziel ist, neue Vorstellungswelten anzubieten, mit zwei Schwerpunkten: Einerseits Talente zu fördern und Autorinnen und Autoren zu begleiten. Andererseits ist es eine Produktionsfirma, die Werke entwickelt, die von diesen neuen Vorstellungswelten inspiriert sind, von der Teenie-Komödie bis zum Krimi." - Côme Girschig


Andere Instrumente zur Förderung der Kreativität

Wie wäre es zum Beispiel mit Schreibwettbewerben oder Schreibwerkstätten, in denen die Teilnehmer:innen etwa eine Geschichte über Menschen aus dem 25. Jahrhundert erfinden sollen, die Spuren von Menschen aus dem 21. Jahrhundert wiederentdecken?

Glaubst du, dass ausgedachte Geschichten etwas bewegen können?
  • Ja!
  • Nicht wirklich
7 Filme zum Thema Umweltschutz

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🔍 Was bedeutet…

Technosolutionismus: Überzeugung, dass Innovationen den Klimawandel lösen werden. Kritiker:innen halten den Ansatz für unzureichend, da auf Technologien gebaut wird, die noch nicht umgesetzt bzw. die es noch nicht gibt - und weil nicht belegt ist, dass diese allein ausreichen werden.

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👀 Quellen

Interview mit Magali Payen
Interview mit Côme Girschig
ADEME
Louie Media

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Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles
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Pauline Vallée
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