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Ein Mensch lauscht aufmerksam
3 min

3 Stimmen: Sie leiden am meisten unter dem Klimawandel... Also hört ihnen zu!

Wir haben es oft gesagt und wiederholt: Der Klimawandel betrifft alle Menschen (ja, sogar dich). Aber er betrifft nicht alle im gleichen Maße. Bestimmte Länder oder Bevölkerungsschichten sind stärker betroffen. Sie werden als MAPA (Most Affected People and Areas*) bezeichnet .

Diese Menschen werden nicht wirklich gehört oder ins Zentrum politischer Debatten gestellt. Zum Beispiel waren bei der letzten Weltklimakonferenz weniger Abgeordnete für sie vor Ort als für die Industrie mit fossilen Brennstoffen, das hat die NGO Global Witness herausgefunden.

Warum ist es wichtig sie anzuhören? Wir haben die Frage einigen Menschen direkt gestellt:
Mitzi Jonelle Tan (Philippinen)
Patience Nabukalu (Uganda)
Jakapita Kandanga von Fridays for Future MAPA (Namibia)

Das sind ihre Argumente:

Wir können begreifen, wie dringend die Situation ist.

Der Klimawandel wird nicht einfach nur “die nächsten Generationen” betreffen. Er wird nicht “bald” eintreffen oder im Jahr 2050. Er schadet Menschen jetzt schon.

Patience:

“Seit meiner Kindheit erfahre ich jeden Tag die Konsequenzen des Klimawandels [...] Sobald es regnet habe ich Angst. Letzte Woche hat meine Mutter wegen einer Überschwemmung quasi alles verloren. Und jedes Mal verpasse ich den Unterricht, weil ich dabei helfen muss, das Wasser loszuwerden und zu putzen.” - Patience Nabukalu


Mitzi:

“Ich bin mit Albträumen aufgewachsen, in denen ich ertrinke.
Mein Land [die Philippinen] ist eins der am wenigsten vor dem Klimawandel geschützten Länder der Welt [...]. Ich bin mit Überschwemmungen aufgewachsen, die die Bevölkerung immer wieder getroffen haben. Ich sah, wie Menschen, die unterhalb des 3. Stock wohnten, sich jedes Mal auf das Dach retteten.” - Mitzi Jonelle Tan


Die, die am meisten betroffenen sind, haben auch ein größeres Verantwortungsbewusstsein zu handeln. Daher drängen sie zu schnellstmöglichen Veränderungen.

Jakapita:

“Wir haben keine 5 oder 10 Jahre mehr. Wir müssen die Situation jetzt verbessern.” - Jakapita Kandanga

Es ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Mitzi, Jakapita und Patience heben alle drei das gleiche Problem hervor: Sie leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels, obwohl sie wenig zum Klimawandel beitragen.

Patience:

“Afrika hat geringere CO2-Emissionen, verglichen mit dem Rest der Welt, aber erleidet einen großen Teil der Auswirkungen des Klimawandels. Wir sind Opfer einer Sache, die wir nicht geschaffen haben.”
- Patience Nabukalu

Würdest du über Luftverschmutzung reden, ohne Menschen mit Lungenerkrankungen einzubeziehen? Nein? Das hier ist sehr ähnlich.

Wir können Lösungen finden, die für alle gerecht sind.

Die logische Schlussfolgerung lautet → Wenn die Menschen ignoriert werden, die am meisten betroffen sind, dann können nur Lösungen gefunden werden, die nicht an ihre reale Lebenssituation angepasst sind.

Mitzi:

“Das ist wichtig, sonst werden nur koloniale Lösungen gefunden, die auf Profit basieren und schutzlose Menschen verdrängen und sie noch schutzloser machen”.
- Mitzi Jonelle Tan

Jakapita:

“Du kannst schlecht Diskussionen über den Klimawandel organisieren und die am meisten betroffenen davon ausschließen” - Jakapita Kandanga


Sonst entgeht einem auch ihre Erfahrungen und ihre Motivation. Denn die Menschen, die am meisten betroffen sind, sind auch die ehrgeizigsten im Kampf gegen den Klimawandel → 86 % der am wenigsten entwickelten Länder* und der kleinen Inselentwicklungsländer* haben zugesagt, ihre Treibhausgasemissionen noch weiter zu senken. Das ist ziemlich vorbildlich, vor allem weil sie alle zusammen nur für 7% der weltweiten Emissionen verantwortlich sind.

Vielleicht bist du auch Teil der schutzbedürftigsten Menschen.

Mitzi:

“Auch innerhalb meines Landes werden die am meisten marginalisierten Menschen nicht gehört [...] Rassismus, Sexismus, Feindlichkeit gegenüber Menschen mit Behinderung, Klassenungleichheiten… Das alles hängt mit dem System zusammen, das für den Klimawandel verantwortlich ist.” - Mitzi Jonelle Tan

Die, die am meisten unter der Krise leiden, wohnen nicht immer am anderen Ende der Welt. Du kannst in einem reicheren Land leben und dennoch Teil der MAPA sein. In den USA hat eine Studie des Amts für Umweltschutz zum Beispiel gezeigt, dass Menschen in prekären Verhältnissen und ethnische Minderheiten unter schlimmeren Auswirkungen des Klimawandels leiden.

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🧐 Und jetzt?

Alle drei haben den selben Rat: Informiere dich, höre zu, lies und sprich mit anderen darüber!


Patience:

“Alle Stimmen sind wichtig, ganz egal wo du lebst!” - Patience Nabukalu


Mitzi:

“Durch soziale Netzwerke kannst du mit vielen verschiedenen Aktivist:innen in Kontakt sein, also nutze das. Die am meisten marginalisierten Stimmen werden nicht wirklich gehört werden, wenn wir das System nicht ändern. Also lasst uns handeln und es verändern!”
- Mitzi Jonelle Tan


Jakapita:

“Man muss kein:e Aktivist:in sein, um zum Kampf beizutragen. Petitionen unterschrieben, Aktionen teilen, all das kann unseren Stimmen Gewicht verleihen.”
- Jakapita Kandanga


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🔍 Was bedeutet…?

Most Affected People and Areas: “Am meisten betroffene Menschen und Gebiete”. Das sind die sozialen Gruppen und Gebiete, die am stärksten unter den Konsequenzen des Klimawandels leiden.

Am wenigsten entwickelte Länder: Von den Vereinten Nationen definierte Kategorie von Ländern, die nach sozioökonomischen Kriterien am wenigsten entwickelt sind.

Kleine Inselentwicklungsländer: Von den Vereinten Nationen definierte Kategorie von Ländern, die sozial, wirtschaftlich und ökologisch besonders gefährdet sind.

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👀 Quellen

Global Witness
Fridays for Future
UNDP

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro