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Ein Tannenwald vor einem gelben Hintergrund
2 min

Tiny Forest: Kleiner Wald mit großer Wirkung?

Worum geht’s?

Was ist deiner Meinung nach ein Tiny Forest?
  • Ein Wald, der aus kleinen Bäumen besteht
  • Ein Wald, der auf einer kleinen Fläche angelegt ist
  • Ein Wald nur für Kinder

Ist das wirklich eine gute Idee?

  • Ein großer Vorteil des Tiny Forests ist ... dass er nicht viel Platz braucht (ohne Witz) → In der Regel zwischen 100 und 300 m2 (ein halbes Tennisfeld). Man muss nicht gleich einen ganzen Stadtteil abreißen, um einen Tiny Forest anzulegen. Die Idee besteht gerade darin, leere Flächen zu nutzen, z. B. schmale Grünstreifen am Straßenrand, den hinteren Teil eines Schulhofs, Teile von Parkplätzen ... So sollen Orte grüner gemacht werden, an denen man keinen Park oder Garten anlegen kann.

  • Das Erfolgsgeheimnis des Tiny Forest ist seine dichte Bepflanzung. Die Bäume werden so eng aneinander gepflanzt, dass zwischen den Trieben ein Wettbewerb um das Sonnenlicht entsteht. Auf diese Weise ist ein Tiny Forest schon in weniger als 3 Jahren komplett autonom. Bei einem “klassischen” Wald dauert das Dutzende oder gar Hunderte von Jahren.

  • "Miyawakis Ziel bei der Entwicklung seiner Methode war es, verschmutzte Böden zu reinigen und die Biodiversität zurückzubringen", erklärt Sophie Leguil, Ökologin und Gründerin des Projekts More Than Weeds.

Tiny Forests bieten ein ideales Zuhause für Insekten, Vögel und Kleintiere. Im Rahmen eines Freiwilligenprojektes von Wageningen Environmental Research (WENR) wurden in den Niederlanden zwischen 2017 und 2020 11 Tiny Forests untersucht → Jeder enthielt zwischen 71 und 240 verschiedene Tierarten und zwischen 23 und 134 verschiedene Pflanzenarten.

  • Weitere Vorteile: Tiny Forests schlucken Lärm und regulieren die Temperatur. Im Sommer spenden sie Schatten und Feuchtigkeit. Die Wurzeln der Pflanzen halten den Boden an Ort und Stelle und nehmen überschüssiges Wasser auf (praktisch, um Erosion zu vermeiden und Überschwemmungen zu verhindern). Außerdem absorbieren sie Co2.

  • Ein Tiny Forest kann keinen echten Wald ersetzen, der sich über mehrere Hektar erstreckt. Aber eine ungenutzte Fläche in einen Tiny Forest zu verwandeln, ist immer noch 10.000 x besser, als sie einfach zu betonieren.

  • Auch wenn das Konzept genial klingt, ist es noch nicht ganz ausgereift. Welche konkreten Auswirkungen haben Tiny Forests? Kann ein in Japan entstandenes Konzept wirklich einfach so auf andere Länder übertragen werden (wo es z. B. weniger Regen oder die Sonne seltener scheint)?

Es gibt noch sehr wenige wissenschaftliche Studien zu diesem Thema. Die Arbeit des Freiwilligen-Teams der Wageningen Environmental Research haben wir bereits erwähnt. Eine weitere Studie aus Sardinien aus dem Jahr 2010 zeigt ein genaueres Ergebnis.

Wie viel hat der untersuchte Tiny Forest nach zwölf Jahren verloren?
  • 6 bis 8% seiner Bäume
  • 16 bis 48% seiner Bäume
  • 61 bis 84% seiner Bäume

Trotzdem hat das Experiment besser abgeschnitten, als andere herkömmliche Methoden zur Wiederaufforstung. Ein Tiny Forest ist also schon eine gute Sache, auch in mediterranem Klima.

  • Obwohl es noch nicht genug verlässliche Daten zu diesem Thema gibt (vor allem in Europa), wollen viele Menschen einen Tiny Forest haben. Aber zu welchem Zweck?
"Das Konzept wird heute ein bisschen für kommerzielle Interessen missbraucht. Einen Tiny Forest zu pflanzen ist für einige Unternehmen und Gemeinden eine praktische Methode, um ein Häkchen in ihrer ‘grünen’ Strategie zu setzen." Sophie Leguil

Die Ökologin erklärt, es ginge nicht darum, dass keine Tiny Forests mehr gepflanzt werden sollen. Aber der Sinn dahinter müsse verstanden werden: Biodiversität, Co2-Absorption, Sensibilisierung der Öffentlichkeit…

Zum Thema Greenwashing*: Man kann leicht behaupten, dass man etwa 30 Bäume gepflanzt hat ... doch am Ende war es dann vielleicht nur eine Fläche, so groß wie ein Parkplatz (und viele der Bäume sind schon nach kurzer Zeit gestorben).


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🧐 Und jetzt?

  • Du verfügst über eine freie Fläche und die Idee vom Tiny Forest fasziniert dich? Probier es aus!
  • Du hast keine Fläche? Du kannst trotzdem einen Beitrag leisten, indem du dich als Freiwillige:r an Projekten wie Urban Forests oder IVN beteiligst und urbane Brachflächen grüner machst.
  • Du hast keine Fläche und möchtest nicht alleine loslegen? Warum schlägst du die Idee nicht deiner Schule/ deiner Fakultät/ deiner Firma vor? Das wäre doch mal ein spannenderes (und originelleres) Teambuilding, als das x-te Escape-Spiel oder das x-te Getränk in der Bar um die Ecke.

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🔍 Was bedeutet...

Heimisch: Eine Tier- oder Pflanzenart ist in einem Lebensraum heimisch, wenn sie dort auf natürliche Weise ohne Eingreifen des Menschen vorkommt

Greenwashing: Ein Produkt oder eine Dienstleistung wird als besonders umweltbewusst und nachhaltig dargestellt, obwohl das in Wahrheit gar nicht der Fall ist

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👀 Quellen

World Economic Forum
Landscape and Ecological Engineering
National Geographic
IVN
The Guardian
Reporterre

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