Tiefseebergbau als Killer der Meere – der Anfang vom Ende?

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Die Tiefsee ist eines der letzten vom Menschen fast unberührten Gebiete der Erde und steckt voller Schätze: Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer, Zink und Nickel befinden sich ganz tief unter der Wasseroberfläche – das macht den Meeresboden insbesondere für die Industrie interessant. Am spannendsten sind dabei „Manganknollen“, die viele dieser Rohstoffe enthalten. Diese Knollen gehören zu einem einzigartigen Lebensraum und trotzdem steht immer wieder im Raum, ob man diese Rohstoffe nicht durch so genannten „Tiefseebergbau“ aus den Meeren holen und an Land nutzen soll. Sie stecken zum Beispiel in:

  • E-Autos
  • Windkraftanlagen
  • Handys

Bisher gibt es noch keinen kommerziellen Tiefseebergbau. Zahlreiche NGOs setzen sich dafür ein, dass das auch so bleibt. Die Auswirkungen, die Tiefseebergbau auf die Ozeane haben kann, sind nämlich noch weitgehend unerforscht. Bei steigenden Metallpreisen steigt allerdings auch das allgemeine Interesse an solchen Methoden.

Wie viele Meter unter der Wasseroberfläche wachsen Manganknollen?
  • 1000-1500 Meter
  • 2.000-6000 Meter
  • 8000 Meter

Was bisher geschah…

In den letzten Jahren wurden mehr als 10.000 Bohrungen im Meeresboden der Nordsee durchgeführt, allein um Öl und Gas zu fördern – das zeigen aktuelle Studien des Meeresforschungsinstituts GEOMAR. "Ich stehe Tiefsee-Bergbau auch deshalb sehr kritisch gegenüber, weil wir selbst nach 30 Jahren immer noch die Spuren der Greifer auf dem Meeresgrund sehen, die Unterwasser probeweise metallhaltige Manganknollen und seltene Erden abgebaut haben", erklärt Tiefsee-Forscherin Katja Matthes, Direktorin des GEOMAR-Forschungsinstituts. Für sie sei das Vorhaben, auf dem Meeresboden Rohstoffe abzubaggern, ein massiver Eingriff in die Unterwasserwelt, dessen Folgen noch nicht bekannt oder genug erforscht sind: „Dadurch werden Seegraswiesen und -pflanzen, Korallenriffe und Fischschwärme erfasst und getötet.“

Was kann passieren?

  • Aufgewirbelte Partikel, die das Wasser trüben könnten
  • Organismen in den Meeresböden werden gestört
  • Regeneration der Schichten dauert Jahrzehnte bis Jahrhunderte
  • Artensterben (laut Umweltbundesamt sehr wahrscheinlich)
  • Direkte Auswirkungen auf Küstenregionen

Das Ausmaß von Tiefseebergbau kann aber bisher nur geschätzt und nicht genau kalkuliert werden, weil die Technologie noch nicht ausreichend erforscht ist. Was man jedoch sicher weiß:: Ein Sterben der Ozeane wirkt sich langfristig auch auf das Leben an Land aus - das zeigen zahlreiche GEOMAR-Studien. Die Tiefsee sei von Natur aus ein eher ruhiger und dunkler Ort, der massiv durch den Eingriff von Bergbau gestört würde.

„Die Lösung, um unabhängig von Russlands Rohstoffen zu werden, kann nicht der Tiefseebergbau sein. Wir können keinen Tiefseebergbau betreiben, solange wir erhebliche Wissenslücken über das äußerst sensible Ökosystem haben und negative Umweltauswirkungen gar nicht abschätzen können.“ (Bundesumweltministerin Steffi Lemke)

Die deutsche Bundesumweltministerin positioniert sich gegen Tiefseebergbau und betont daher auf der UN-Ozeankonferenz, dass sich auf dem Umweltministertreffen der G7-Staaten ebenfalls skeptisch zur Abbaumaßnahme positioniert wurde: „Ich bin sicher, dass ein Einstieg in den kommerziellen Tiefseebergbau auf lange Sicht nicht in Betracht kommt.“

Gegenwind aus der Jugend

Auch vor den Türen der UN-Ozeankonferenz in Lissabon (Juni 2022) hat sich eine Demo junger Menschen zusammengeschlossen, die laut „Stop Deep Sea Mining“ gerufen haben und mit Schildern protestierten. Isabella, Organisatorin der Initiative „Rave Revolution“ sagt gegenüber NOWU: „We are demonstrating to force the UN to sign the petition and to stop Deep Sea Mining now!” Weltweit ist man sich in der Politik über Tiefseebergbau uneinig, aber viele hören auf die Warnungen der Wissenschaft. Bei Tiefseebergbau sollen anders als beim Bergbau an Land keine Schächte gebaut, sondern der Meeresboden der Ozeane soll umgepflügt werden. Die Walzen der Maschinen, die die einzelnen Schichten dabei zerstören, ernten dann ähnlich wie Staubsauger die freigelegten Rohstoffe und bringen sie an die Meeresoberfläche. Eine der größten Herausforderungen beim Tiefseebergbau ist die Technik, da es so weit unten in den Ozeanen sehr dunkel und kalt ist sowie ein enormer Druck herrscht.

Wie wahrscheinlich ist Tiefseebergbau?

Wer theoretisch den Boden auf potentielle Rohstoffe untersuchen darf, entscheidet die internationale Meeresbodenbehörde (IMB) der Vereinten Nationen mit sogenannten „Mining Codes“. Abbauvorhaben sind aber noch nicht genehmigt. Seit 2001 wurden 30 solcher Untersuchungs-Lizenzen mit einer Laufzeit von je 15 Jahren für den Indischen Ozean, den Pazifik und den Atlantik erteilt – Deutschland gehören zwei davon. Unternehmen wie Google oder BMW haben sich wegen der starken Ungewissheit bereits öffentlich dazu bekannt, auf Rohstoffe aus der Tiefsee zu verzichten, falls es zum aktiven Abbau kommen sollte. Um die potentiellen Folgen von Tiefseebergbau besser zu verstehen, erforscht das Projekt „Sonne“ vom Bundesforschungsministerium und zwölf weiteren europäischen Ländern in umfangreichen Studien den Meeresboden der Tiefsee. Vorerst wird Tiefseebergbau zumindest rechtlich noch nicht zugelassen sein: Das zuständige UN-Gremium, die International Seabed Authority (ISA), sagt, dass wenn es bis Ende Juni 2023 keine verabschiedeten Regeln gibt, könnten erste kommerzielle Unternehmen die Tiefseeprojekte auch ohne Regularien starten.

Wusstest du, dass Lärmbelästigung im Meer ein Problem für die Biodiversität ist? In diesem NOWU-Artikel erfährst du, warum.

Was jede:r über die Ozeane wissen sollte

👀 Quellen

United Nations
BUND
Utopia
ForumUmwelt und Entwicklung
Umweltbundesamt
Ozean-Dialog

Autorin: Philine Elster