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Bild von Gebäuden in der Stadt
3 min

Flutkatastrophen vermeiden: Wie funktionieren Schwammstädte?

Hast du schon eine Flutkatastrophe erlebt?
  • Ja
  • Nein

Wenn ja, dann bist du vielleicht eine:r der 2 Milliarden Menschen, die zwischen 1998 und 2017 von einer solchen Katastrophe betroffen waren.

Das ist nicht überraschend, denn:

Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten

Die meisten Stadtgebiete sind in der Nähe von Wasser gebaut worden.

Warum? Weil es viele Vorteile hatte (für die Kultur, für Handelswege, für die Versorgung der Stadt...).

Doch durch die Flächenversiegelung* und den Klimawandel ist das Wasser eine Gefahrenquelle geworden.

Normalerweise ist es ja so: Regen fällt auf die Stadt → Das Wasser fließt über den undurchlässigen Beton → Es sammelt sich in den Regenwasser-Sammelanlagen → Es wird zu einem Lagerort oder in eine nahe gelegene Wasserstelle geleitet (z. B. in einen Kanal oder ins Meer).

Aber: Wenn dieses Gewässer vollgelaufen ist, ergießt sich der Überschuss an Wasser in die umliegenden Gebiete und richtet große Schäden an.

Die meisten Städte, sind nicht auf extreme Klimakatastrophen wie Starkregen oder Überschwemmungen vorbereitet. Sie müssen also neu durchdacht werden.

Worum geht’s?

Es geht um das Konzept der “Schwammstadt”.

Was denkst du: Was ist eine Schwammstadt?
  • Eine Stadt mit Gebäuden aus Schwamm
  • Eine Stadt, die viel Wasser aufsaugen kann
  • Eine Stadt, die sich selbst säubert

Das Konzept der “Schwammstadt” haben die Niederlande und China zu Beginn der 2010er Jahre entwickelt.

China hat 2015 ein Programm gestartet, dass die Städte vor Überschwemmungen schützen soll 80% der städtischen Gebiete sollen in der Lage sein, 70% des Wassers aufzunehmen und wiederzuverwenden, das bis 2030 durch Regen anfällt.

In einer Schwammstadt wird darum auf mehrere Methoden gesetzt:

  • Feuchtgebiete* anlegen oder erneuern.
  • Grünflächen, wie Parks oder Regengärten anlegen.
  • Hausdächer begrünen.
  • Durchlässige Bodenbeläge für den Straßenbau nutzen (z. B. speziellen Beton).
  • Plätze so bauen, dass man sie bei Hochwasser als Auffangbecken nutzen kann (z. B. Spielplätze).
  • Regenwasserpumpen installieren.
  • Die natürliche Form der Flüsse nicht zu sehr verändern, sodass sie sich selbst regulieren können.

1 begrüntes Dach
2 Grünfläche
3 Feuchtgebiet
4 Sammelbecken

Durch diese Mechanismen sickert das Wasser in den Boden ein. Dann wird es gesammelt:

  • Im Grundwasser*
  • In Tunneln
  • In Wassertanks

Wenn Trockenheit herrscht, wird das Wasser dann in das nächstgelegene Gewässer geleitet. Alternativ wird es zur Versorgung der Stadt benutzt (für Toilettenspülungen zum Beispiel 🧻).

Ist das wirklich eine gute Idee?

  • Die Schwammstadt saugt das Wasser auf, anstatt es zu verdrängen, und nutzt dafür ökologische Methoden. Sie ist also viel umweltfreundlicher, da keine Flächenversiegelung* stattfindet und die natürliche Vegetation außerdem gefördert wird.

  • Die Vegetation kann effektiv dabei helfen, Überschwemmungen zu verhindern, aber nicht nur das! Sie schützt die natürliche biologische Vielfalt und sorgt für Erfrischung in der Stadt, besonders bei Hitzewellen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.

  • Nur ein paar kleine Parks zu bauen, reicht leider nicht aus. Damit die Schwammstadt funktioniert, müssen so viele Elemente wie möglich kombiniert werden. Ansonsten sind sie nicht vor Flutkatastrophen geschützt.

  • Schwammstädte können die Auswirkungen von bestimmten Katastrophen begrenzen, aber Wunder können sie auch nicht vollbringen. Die chinesische Stadt Zhengzhou ist Teil des Schwammstadt- Programms und wurde im Juli 2021 dennoch von schweren Überschwemmungen getroffen.
“Die Maßnahmen zur ‘Schwammstadt’ sind dazu konzipiert, 180 bis 200 Millimeter Regenwasser über 24 Stunden zu absorbieren.”
Faith Chan, Professor an der Universität Nottingham Ningbo

Doch sehr starke Regenfälle, wie die im Juli in Zhengzhou, können weit über 200 mm gehen!

Weltrekord: Wo hat es innerhalb von 24h am meisten geregnet?
  • Foc-Foc (La Réunion)
  • Mawsynram (Indien)
  • Debundscha (Kamerun)
  • Eine bestehende Stadt in eine Schwammstadt umzubauen ist teuer → Man bräuchte ca. 13 Millionen Euro, um die notwendigen Veränderungen für einen Quadratkilometer durchzuführen. Aber verglichen mit den Schäden, die durch zukünftige Katastrophen entstehen könnten, und die sich durch den Klimawandel vervielfachen werden, lohnt es sich vielleicht doch.

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🧐 Und jetzt?

  • Wenn du einen Garten hast, kannst du auch selbst Methoden der Schwammstadt anwenden, um Überflutungen zu verhindern. Zum Beispiel solltest du die Fläche nicht versiegeln, sondern den Boden natürlich belassen oder möglichst durchlässiges Material verwenden, damit das Wasser versickern kann.

  • Du kannst auch einen Regengarten anlegen. Der sieht schön aus, und vor allem absorbiert er schnell große Mengen Wasser.

  • Wenn du in in einem Gebiet wohnst, in dem es häufig Überschwemmungen gibt, kannst du versuchen mit deiner Hausverwaltung, der Bezirksregierung oder dem:der Bürgermeister:in zu sprechen und Schwammstadt-Methoden vorzuschlagen. Wenn es für sie bedeutet, dass sie weniger reparieren oder entschädigen müssen, ist es schließlich eine Win-win-Situation!

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🔍 Was bedeutet...

Flächenversiegelung: Veränderungen am natürlichen Boden, sodass er kein oder weniger Wasser aufnehmen kann.

Grundwasser: Unterirdischer Wasservorrat, meist nicht tief unter dem Boden.

Feuchtgebiet: Ein besonderes Ökosystem in einem von Natur aus mit Süß- oder Salzwasser geflutetem Gebiet (z. B. Moor, Feuchtwiese).


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👀 Quellen

Chinesischer Regierungsrat
C40
Fortune
OMS
ONU
Reuters
The Guardian

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro