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Kinderspielzeug und Babyflasche
5 min

Sollten wir weniger Kinder kriegen, um die Welt zu retten?

Welcher Star verzichtet aufs Kinderkriegen, um die Welt zu retten?
  • Billie Eilish
  • Miley Cyrus
  • Britney Spears
  • Rihanna

Kinderkriegen und das Klima: Was denkt ihr darüber?

Wir haben ein paar junge Menschen (anonym) nach ihrer Meinung zu dem Thema gefragt. Hier einige ausgewählte Antworten:

Das Team Eco-anxiety (= Öko-Angst)

  • “Ich bin erst 19 Jahre alt und wollte schon immer maximal 2 Kinder, eine Familie gründen, aber jetzt ist es genau andersherum: Warum sollten sie in einer Welt leben, in der man nicht mal rausgehen kann?”

  • “Die Welt, die wir ihnen bieten und das Leben, das sie führen werden, das macht mir Angst.”

  • “Ich bin gerade schwanger aber ich bin sehr besorgt um mein zukünftiges Baby, vor allem in diesem Sommer.”

Das Team zögerlich

  • “Die Brände im Süden, die bedrohten Tiere… Man merkt immer mehr, was wir unserer Gesundheit und unserem Planeten antun. Das alles macht Angst… Ich wollte später eigentlich unbedingt viele Kinder haben, aber jetzt frage ich mich, ob ich überhaupt eins haben werde.”

  • “Die Zweifel sind da, aber keine Kinder zu kriegen hieße, zu akzeptieren, dass keine Zukunft möglich ist.”

Das Team #keinenplatzmehr

  • “Ich möchte adoptieren statt selbst Kinder zu bekommen, denn wir sind bereits sehr viele Menschen auf der Erde.”

  • “Der Hauptgrund, warum ich keine möchte, ist die Klimakrise! Wir sind zu viele und wir verschmutzen zu viel!”

Das Team Hoffnung

  • “Als ich ein Kind bekommen habe, hat sich bei mir ein Schalter umgelegt. Anstatt aufzugeben, gebe ich mein bestes für seine Zukunft.”

  • “Wir haben eine Tochter… Wir haben Angst, aber wir denken auch, dass der Mensch oft sehr stark wird, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht.”
Findest du deine persönliche Meinung in diesen Aussagen wieder?
  • Voll!
  • Naja
  • Gar nicht!


Mitten in der Klimakrise ein Kind bekommen - ist das komplett bescheuert?

Es finden sich vor allem zwei große ökologische Argumente wieder, die begründen sollen, warum man keine Kinder mehr in die Welt setzen sollte:

  • Keine Kinder kriegen, um das Wachstum der Weltbevölkerung einzuschränken? → Das ist eines der Hauptargumente der GINK-Bewegung (= “Green Inclination, No Kid”). Aber Achtung, mit diesem Argument wird die Schuld häufig Menschen in Afrika oder Asien gegeben, die “ihre eigenen Kinder nicht ernähren können”. Dabei sind vor allem die Einkommensunterschiede und die Verschwendung von Lebensmitteln dafür verantwortlich. Dazu erklären wir gleich mehr!

  • Keine Kinder kriegen, da die Welt/ das Klima immer schlimmer wird? → Der Gedanke dabei ist: “Wie kann ich meinen Nachkommen diese schlechten Lebensbedingungen antun?” Diese Sichtweise ist von Sorgen, Ängsten und Schuldgefühlen geprägt, die individuell unterschiedlich sind. Deshalb ist es schwierig, darüber zu debattieren.


Ist es wirklich gut für das Klima, auf Kinder zu verzichten?

Ja…

Denn wenn wir bei unserem aktuellen Lebensstil bleiben, dann sind wir im Verhältnis zu den verfügbaren Ressourcen zu viele Menschen auf der Erde. Diese Angst vor der Überbevölkerung ist nichts neues → Schon im 19. Jahrhundert empfahl der Ökonom Malthus, die Geburtenrate zu begrenzen, um zu verhindern, dass die Ressourcen ausgeschöpft werden.

Diese Debatte kam 2017 erneut auf, als eine schwedische Studie etwas polemisches veröffentlichte: Die Forschenden verglichen verschiedene ökologische Maßnahmen, die jede:r Einzelperson umsetzen kann (vegetarische Ernährung, nicht mehr fliegen…), miteinander und nahm die Kategorie “ein Kind weniger kriegen” auf. Diese landete im Ranking natürlich ganz oben, denn die CO2-Emissionen eines ganzes Lebens “einzusparen” ist aus diesem Blickwinkel klimafreundlicher, als beispielsweise sich selbst vegan zu ernähren.

Aber…

Das “Wir sind zu viele”-Argument lässt einiges außer Acht:

  • Laut einem Bericht des World Ressource Institutes könnte die Erde 2050 sehr wohl 10 Milliarden Menschen ernähren, ohne extrem viel CO2 zu emittieren oder Wälder zu roden. Die Bedingung dafür wäre, die landwirtschaftlichen Produktionsweisen zu verändern und die Ernährungsformen anzupassen.

  • Nicht alle Kinder, die auf die Welt kommen, haben gleich große Auswirkungen auf das Klima. Ein Kind, das in Deutschland groß wird, hat zum Beispiel einen größeren CO2-Fußabdruck als eines, das in Indien aufwächst. Und auch innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede: Ein Baby, das in eine Familie mit niedrigem Einkommen geboren wird, wird durchschnittlich weniger die Umwelt belasten, als ein anderes in einem wohlhabendem Haushalt.

  • Weniger Kinder zu kriegen ist auch nicht DIE wundersame Lösung zur Rettung der Welt, denn damit allein können wir nicht unser Problem der steigenden CO2-Emissionen lösen.

Wenn ab heute niemand in Frankreich mehr Kinder bekäme…
  • würde die Bevölkerung bis 2050 um 6% schrumpfen
  • würde die Bevölkerung bis 2050 um 36% schrumpfen
  • würde die Bevölkerung bis 2050 um 60% schrumpfen
  • Bei der Idee, dass wir weniger Kinder bekommen sollten, wird die Verantwortung den einzelnen Menschen gegeben, die ihre Zukunftspläne und Kinderwünsche verändern/aufgeben müssen. Hier wird jede:r einzelne für die Klimakrise und für ihr Abwenden verantwortlich gemacht, anstatt die kollektive Gesellschaft, Staaten, Unternehmen.

  • Ein Argument, dass ihr uns oft geschrieben habt → Ein Kind zu bekommen, das gibt Hoffnung für die Zukunft und motiviert, die Welt zum Besseren zu ändern <3

Klimaaktivismus: Wie extrem ist die Klimabewegung?

👀 Quellen

Socialter
Enquêtes écosophiques
Overshoot Day
Environmental Research Letters
World Resources Institute
Vox
Elle

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Nicolas Quénard
The Lizard King
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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro