Teil einer Straße mit Vollmond am Himmel
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Schluss mit Nachtbeleuchtung - energiesparend, sinnvoll oder riskant?

23 Uhr, irgendwo in Deutschland: Geschlossene Tankstellen, Geschäfte, Möbelhäuser und Bürogebäude - sie sind alle hell erleuchtet. Und das, obwohl es nicht notwendig wäre.

Licht an oder aus - was sagt das Gesetz?

Andere europäische Länder haben dazu bereits grobe Vorschriften, zum Beispiel Italien. Auch für Deutschland wurde nun ein Gesetz beschlossen, das den Stromverbrauch und die Nachtbeleuchtung regeln soll; ab dem 1.9.22 sind die neuen Energiesparmaßnahmen schrittweise in Kraft. Grund für diese Regelungen: Die erhöhten Energiekosten. Aber auch für die Umwelt haben sie einen positiven Effekt.

So viel Strom verbrauchen wir

Im Jahr 2021 hatte die Bundesrepublik einen Stromverbrauch von etwa 504 Terrawattstunden (TWh). Das ist eine Menge und mit dieser abstrakten Zahl schwer vorstellbar. Man könnte auch sagen: In Deutschland stehen insgesamt 21 Millionen Gebäude. Diese machen allein 35% des Energieverbrauchs in Deutschland aus. Damit kann man sich die 100% in Form von dreimal so vielen erleuchteten Gebäuden bildlich gut vorstellen, oder?

Laut dem Umweltbundesamt ist die Industrie Spitzenreiter beim Thema Stromverbrauch. Der Gewerbe-, Handel- und Dienstleistungssektor (GHD) verbraucht 365 TWh. Davon werden rund 13% für Beleuchtung genutzt – auch nachts!

Wir, die Privathaushalte, verbrauchen insgesamt fast doppelt so viel wie der GHD-Sektor - nämlich 667 TWh. Damit stehen die privaten Haushalte auf Platz zwei noch vor dem Verkehrssektor. Straßenlaternen sind energietechnisch also weniger problematisch. Wir Menschen haben einen Impact.

Mehr Kriminalität durch Dunkelheit?

Die Politik möchte mit der neuen Regelung unter anderem auch bei der Straßenbeleuchtung ansetzen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht das kritisch und befürchtet vermehrt kriminelle Vorfälle beziehungsweise Gefahren. Es steht die Frage und Angst im Raum, ob durch die Abschaltung von Straßenbeleuchtung mehr Kriminaldelikte passieren.

Bislang gibt es keine ergiebigen Zahlen dazu, ob Dunkelheit per se Kriminalität fördert. Das Bundeskriminalamt erfasst beispielsweise nicht, ob eine kriminelle Tat nachts oder tagsüber stattfindet. Für Deutschland gibt es also keine eindeutige Antwort auf die Frage.

Aber unsere schwedischen Nachbarn haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Der Schwedische Nationalrat hat in mehreren Studien herausgefunden, dass die Anzahl von Straftaten bei heller Beleuchtung in den Testregionen signifikant zurückging - nämlich um 14% Prozent. Nur in Hinblick auf Gewalttaten gab es keinen ersichtlichen Effekt oder Unterschied. Darüber hinaus ist die Faktenlage dünn.

Lichte Aussichten für Deutschland

Städte, Kommunen und Bundesländer arbeiten jeweils unabhängig voneinander an Methoden, um den Stromverbrauch und die Lichtverschmutzung zu minimieren. So bleibt beispielsweise der Kölner Dom schon seit Anfang August dunkel. Düsseldorf muss erstmal alle Gas-Straßenlaternen mit neuer Lichttechnik versehen. Der Bund hat kürzlich einen überregionalen Plan beschlossen, der Strom einsparen soll.

Intelligente Kompromisslösung denkbar

Eine mögliche Lösung für die Zukunft wäre auch eine intelligente Straßenbeleuchtung. Das heißt: Die Lichter werden nur dann eingeschaltet, wenn eine Person vorbeiläuft oder sich in dem Bereich bewegt. Dazu wären entsprechende Sensoren notwendig. Bei neuen Gebäuden wird das häufig schon eingesetzt. In den historischen Altstädten Deutschlands sind wir hiervon aber noch entfernt. Saarbrücken hat vor Kurzem den Versuch im Rahmen eines Pilotprojekts gewagt: Dort ist in manchen Bereichen eine intelligente Straßenbeleuchtung bereits vorhanden. Klar ist aber: In Deutschland wird es künftig - egal ob mit oder ohne intelligente Beleuchtung - nachts dunkler werden.

Alle Lichter aus: Es ist Earth Night

Am 23. September soll es besonders dunkel werden. Jedes Jahr wird die sogenannte Earth Night beworben - ein Tag beziehungsweise eine Nacht im Spätsommer, die die Lichtverschmutzung und den hohen Stromverbrauch der Industriestaaten zum Thema machen sollen. Dieses Jahr ist es am 23. September wieder so weit. Es werden alle dazu aufgerufen, ab 22 Uhr die Lichter auszuschalten. Mach doch mit und setz ein Zeichen – ganz ohne Licht!

Quellen

Studie Schwedischer Nationalrat
Bayerischer Rundfunk
WDR
Redaktionsnetzwerk Deutschland
ENGIE Pressemiteilung
Hochschulnetzwerk NRW angwandte Forschung
Merkur
Deutschlandfunk
Deutscher Bundestag, 2019 - Sachstand
Stadtportal hamburg.de, Stadt Hamburg
Paten der Nacht gGmbH, Earth Night
Deutsches Umweltbundesamt
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
Bundesnetzagentur SMARD
Deutsche Energie Agentur
AEGEB - AG Energiebilanzen e.V.
Bundesregierung