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Ökodörfer als nachhaltiges und klimafreundliches Lebenskonzept

"Der ökologische Teil [ist] schon ein extrem wichtiger, also die Senkung unseres ökologischen Fußabdrucks, aber das würde auch nicht funktionieren ohne das Sozialleben, ohne die Kultur des Miteinanders, die wir hier aufbauen."
Eva Stützel, Mitgründerin des Ökodorfs Sieben Linden

Ökodörfer oder auch Ökosiedlungen sind Lebens- oder Dorfgemeinschaften, in denen alle Bewohner:innen mithelfen und dadurch das Zusammenleben bewusst mitgestalten. Dabei geht es darum, das gemeinschaftliche Leben und Umfeld nachhaltig aufzubauen.

Ökodörfer gibt es überall auf der Welt, mit verschiedenen Schwerpunkten. Die meisten haben zwischen 50 und 500 Bewohner:innen. Alle teilen die Vision, sozial, kulturell, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger zu werden und ein alternatives Lebenskonzept zum gängigen gesellschaftlichen Leben zu kreieren...

Was glaubst du: Woher stammt das Wort Öko?
  • Aus dem Lateinischen
  • Aus dem Griechischen
  • Aus dem Schwedischen Økea

Ökodörfer und alternative Lebensgemeinschaften verbinden modernes und traditionelles Wissen mit nachhaltigen Ansätzen in Landwirtschaft, Energie- und Ressourcenversorgung, Wasser- und Abfallmanagement, Architektur und sozialen Prozessen. Lokale Lösungen für globale Probleme. Unter anderem wird auch das Wirtschaftssystem überdacht. Als Antwort darauf haben einige Gemeinschaften sogar eine eigene Währung eingeführt, die oft auch außerhalb vom Ökodorf verwendet werden kann. Ein Beispiel ist das Brixton Pfund (Brixton Pound: B£): 2009 wurde die größte alternativ verwendete Währung in Londons Stadtteil Brixton eingeführt und hat die Menschen so dazu gebracht, ihr Geld in ortsansässigen Shops statt in globalen Ketten auszugeben: “Buy local!” verringert Importe und trägt dazu bei, den CO2-Fußabdruck zu verringern.

Hast du dir schonmal überlegt, wohin dein Geld fließt?
  • Nö, ich kaufe, was ich möchte.
  • Ja, ich achte darauf, woher Waren kommen.
  • Ist mir latte, kann man auch gar nicht immer nachverfolgen.

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

In der Regel orientieren sich Ökodörfer an den drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie, Soziales und erweitern sie um eine vierte: eine neue Kultur des Miteinanders. Das Umweltbundesamt hat 2017/2018 das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ mit knapp 90.000 Euro gefördert, da es Ökodörfer als Katalysatoren nachhaltiger ländlicher Entwicklung betrachtet.

In Deutschland gibt es derzeit 17 Ökodörfer, die im Global Ecovillage Network organisiert sind. Meistens mit einem Seminarbetrieb, Workshops und Mitmachwochen beim Bauen oder Ernten

Der Nachhaltigkeitsgedanke steht über Allem, die Ausrichtungen sind unterschiedlich, z.B. geht es im Zegg (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung) in Brandenburg um persönliches Wachstum, Liebe und Sexualität. In Schloss Tempelhof in Baden-Württemberg um Solidarität, Vielfalt und Kommunikation, die Gemeinschaftsinitiative Chiemgau ist sozial-ökologisch fokussiert, ebenso wie das Ökodorf Sieben Linden in der Altmark, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert.

Wir haben dort vorbeigeschaut.

“Wir versorgen uns zu 70 % mit Gemüse selber hier, und das Gemüse [...] braucht kein einziges Gramm Benzin zum Transport!”
Eva Stützel, Mitgründerin des Ökodorfs Sieben Linden

Ökologie und Ökonomie

Das Gemüse kommt mit der Schubkarre vom Acker ins Haus. Noch mehr CO2-Reduktion erreichen die 145 Dorfbewohner:innen mit wärmedämmenden Bauten aus Strohballen (sogar zwei Drittel des Bundesdurchschnitts). Außerdem durch Carsharing und E-Bikesharing, 60-70% autarker Stromversorgung durch Photovoltaik und vegetarischer Ernährung in der Gemeinschaftsküche. Komposttoiletten sparen 50 % Wasser gegenüber dem Bundesdurchschnitt. Die Ökonomie stärkt lokale Unternehmen wie eine Bäckerei und als Geldinstitute werden lediglich ethische Banken akzeptiert (Hier erfährst du mehr über Ethikbanken).

Soziales und Kultur

Wichtig ist eine gute Vernetzung mit anderen alternativen Lebensgemeinschaften, Entfaltung des individuellen Potentials und die Wertschätzung von Vielfalt. Eine Kultur des Miteinanders wird aufgebaut und gepflegt, Entscheidungen werden nicht hierarchisch, sondern gemeinsam getroffen.

Was glaubst du: Was braucht es, um selbst ein Ökodorf aufzubauen?
  • Eine Vision
  • Geld
  • Führungsqualitäten

Lust auf Gemeinschaft?

Falls du dich fragst, was es braucht, um in einer Gemeinschaft zu leben oder sie zu gründen, hat NOWU eine Checkliste für dich:

  • Vielfalt: Menschen sind unterschiedlich und das sorgt für verschiedene Perspektiven und bündelt Wissen

  • Geld: Die meisten Ökodörfer sind genossenschaftlich organisiert, du musst Anteile kaufen und es fällt Geld für Miete und die Gemeinschaftskasse an

  • Transparenz und Formen des Austauschs, damit jedes Gemeinschaftsmitglied gehört wird

  • Zeit: Der Aufnahmeprozess in ein bestehendes Dorf dauert, eine eigene Community aufbauen auch

  • Lust auf Teilen: Du teilst dir Wohnbereiche, Wasser- und Heizkosten sowie Anschaffungen

  • Lust auf Veränderung

  • Autarkie statt Konsum: Der Kreislauf (auch der Geldkreislauf) im Dorf ist wichtiger als Neuanschaffung

  • Lust auf Gemeinschaftsleben: Auch auf gemeinschaftliche Konfliktlösungen! Hilfreich dabei: Geschlechterrollen überwinden, Humor, und tatsächlich Menschen mit sogenannten “Führungsqualitäten”, die es wagen, schwierige Dinge anzusprechen

  • Lust auf Natur: Dazu gehören auch Schneeschippen und Gartenarbeit in der prallen Sonne. Aber auch Liegen am eigenen Löschwasserteich

Die Nachhaltigkeitsforscherin Iris Kunze hat in einer Studie zum Thema Nachhaltigkeit+Gemeinschaft die folgenden drei Gründe herausgefunden, die Menschen für ein Leben im Ökodorf begeistern:

  • Mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung
  • Suche nach finanzieller und sozialer Heimat und Geborgenheit
  • Wunsch nach Persönlichkeitswachstum

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👀 Quellen

Umweltbundesamt
Global Ecovillage Network
gen-deutschland
gemeinschaften.de
france-ecotours
bring-together.de


Von Nadia Hanna