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Nicht nur Tiere sterben aus, sondern auch Pflanzen

Ja, Pflanzen verschwinden

Wenn es um "Artensterben" geht, denkst du vielleicht an Eisbären auf einer einsamen Scholle, weniger Vogelgezwitscher oder leergefischte Ozeane. Stimmt alles. Aber hierbei wird ein ebenso gravierendes, bloß weniger sichtbares Problem vergessen: das Pflanzensterben.

3 Studien mit 3 gruseligen Zahlen:

  • 40 % der weltweiten Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht.

  • 3 Arten von Samenpflanzen verschwinden jährlich seit Beginn des 20. Jahrhunderts, besagt eine Studie, die 330.000 Arten untersucht hat. Zu den am meisten bedrohten Arten gehören: Bäume, Sträucher + diejenigen, die auf Inseln/in tropischen Gebieten angesiedelt sind (Madagaskar, Indien, Südafrika, brasilianischer Regenwald...).

Wie viele Arten sind schätzungsweise ausgestorben?
  • Etwa 50
  • Etwa 500
  • Etwa 5.000
  • Mehr als ein Viertel aller Pflanzen werden zu den "Verlierern" des Anthropozäns gehören (eine Epoche, in der die größten Veränderungen auf der Erde von Menschen verursacht werden - unsere heutige Zeit eben!). Es besteht die Gefahr, dass sie langfristig aussterben. Zu diesem Schluss kommen Forscher:innen der Smithsonian Institution, die mehr als 86.000 Pflanzenarten analysiert haben.
Zu diesen Verlierern durch Menschenhand gehört:
  • Die Haitianische Magnolie
  • Der Kudzu
  • Die Schwarzkirsche

Wodurch wird dieses Aussterben verursacht?

Der Mensch ist direkt (und indirekt) für diesen Zusammenbruch der pflanzlichen Artenvielfalt verantwortlich. Achtung: Es ist normal, dass Arten aussterben, aber nicht in einer solchen Geschwindigkeit: Die Aussterberate bei Pflanzen ist heute 500 Mal so hoch wie ihr natürliches Tempo!

Das Verschwinden von Pflanzen hat die selben Ursachen wie das Verschwinden von Tieren:

  • Veränderung von Land und Meer → Zum Beispiel die Zerstörung von Wildnisgebieten, um sie für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen.

  • Direkte Ausbeutung → Zum Beispiel Bäume, die wegen ihres Holzes gefällt werden.

  • Klimawandel → Pflanzen sitzen durch den schnellen Klimawandel in der Falle. Sie können nicht so schnell wandern wie Tiere. Sie stecken also in einem Klima fest, das nicht mehr zu ihnen passt, und hören nach und nach auf, sich zu vermehren.

  • Verschmutzung → Die Verschmutzung von Wasser oder Boden (z. B. durch synthetische Düngemittel) stört das Milieu, in dem die Pflanzen leben. So finden sie keine guten Lebensbedingungen mehr vor.

  • Invasive Arten → Eine fremde Art, die auf unnatürliche Weise in einen Lebensraum eingeführt wird (= durch den Menschen), kann teilweise suuuuuper schnell und viel wachsen. Sie konkurriert dann mit den einheimischen Arten um Wasser und Nahrung (ja, auch Pflanzen kennen untereinander kein Erbarmen).

Ein Beispiel für eine invasive Pflanze in Europa?
  • Das Drüsige Springkraut
  • Die Mauerkresse
  • Die Jungfernrebe

Welche Folgen bringt dieses Aussterben mit sich?

In der Natur ist alles miteinander verbunden. Also Verschwinden von Pflanzen → Verschwinden bestimmter Tierarten. Zum Beispiel von Insekten, die sich (manchmal ausschließlich) von bestimmten Pflanzen ernähren.

Das hat auch Auswirkungen auf die Menschen. Wir sind auf Pflanzen angewiesen, um uns zu ernähren (die Hälfte der Weltbevölkerung ist von Reis, Mais und Weizen abhängig), aber auch, um uns zu heilen. Einige Völker verwenden Heilpflanzen seit Jahren in der traditionellen Medizin, aber mehr als eine von zehn Heilpflanzen ist bedroht (es könnten sogar mehr sein, da nur ein kleiner Teil der Heilpflanzen mit ausgewertet wurde).

Im Bereich der Gesundheit könnte uns das Aussterben bestimmter Pflanzen auch zukünftige Medikamente vorenthalten. Es sind Pflanzen, die den Wirkstoff (= die Komponente mit der therapeutischen Wirkung) für mehrere sehr bekannte und erfolgreiche Arzneimittel geliefert haben.

Zum Beispiel:
  • Aspirin
  • Chinin
  • Morphin

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🧐 Und jetzt?

Auf globaler Ebene

  • Die Pflanzen einfach ein bisschen mehr erforschen wäre schon ein guter Anfang. Es ist schwierig, sich ein Bild von ihrem Aussterben zu machen, wenn wir nicht wissen, wie viele Arten es gibt!

  • Die Pflanzen in die internationale Politik mehr miteinbeziehen. Auf der COP15 (April/Mai 2022, mehr dazu hier) sollen sich die Länder auf eine neue globale Strategie zum Schutz der Biodiversität einigen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören unter anderem: mindestens 30 % der Land- und Meeresgebiete in Schutzgebiete umwandeln und die Freisetzung von Pestiziden drastisch reduzieren.

  • Die Europäische Union hat ihre eigene Strategie zur Erhaltung der Biodiversität entwickelt. Sie sieht zum Beispiel vor, den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln zu reduzieren, die Bio-Landwirtschaft zu fördern... Und sie hat auch gezielte Projekte für bestimmte Pflanzen ins Leben gerufen, wie zum Beispiel eine Initiative zum Schutz von Heilpflanzen.

Das kannst du tun

  • Du kannst in deinem Garten/auf deinem Balkon/auf deiner Fensterbank (ja wirklich, sogar da!) etwas für die Artenvielfalt tun. Alle Tipps, wie du selbst Hand anlegen kannst, findest du hier.

  • Du bist auf einer Auslandsreise (Hast du’s gut!) und willst diese schöne tropische Pflanze einfach unbedingt mit nach Hause nehmen? DON'T! Oft ist es sogar verboten! Sie könnte sich in deinem Garten (zu) wohlfühlen und mit den einheimischen Arten konkurrieren bzw. sie verdrängen.

  • Wenn du Holzprodukte (Parkett, Möbel...) kaufst, solltest du möglichst welche mit dem FSC-, PEFC- oder dem EU-Umweltzeichen nehmen, also Holz aus umweltverträglicher bewirtschafteten Wäldern.

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👀 Quellen

Ministère de la Transition Écologique
ADEME
Plants, People, Planet
Grist
UN Report
Nature
Royal Botanic Gardens Kew
Le Monde
Nabu

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro