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Das 9-Euro-Ticket: Für 9 Euro mit dem Zug durch ganz Deutschland

Das 9-Euro-Ticket kommt, also das Ticket, mit dem wir im Nahverkehr kreuz und quer durch Deutschland fahren können - für 9 € im Monat.

Für 9 € quer durchs Land?
  • Da bin ich dabei
  • Nichts für mich
  • Ich fahr Fahrrad

An Details wird noch gefeilt, inzwischen ist aber klar: die Bundesländer, die wollen es! Die Verkehrsminister:innen haben sich getroffen, um zu beratschlagen: “wie setzen wir das eigentlich um?”

Weil - ausgedacht hat man sich die ganze Geschichte am Kabinettstisch der neuen Rot-Gelb-Grünen Bundesregierung im Rahmen eines Entlastungspakets für die Bürgeri:nnen. Allerdings ohne richtig konkret zu werden, wie das denn genau klappen soll ab dem 01.06. Dann soll eine Drei-Monatsphase beginnen, in denen das Ticket für monatlich 9 € erhältlich sein soll. Umsetzen müssen das alles die Länder. Maike Schaefer, die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz sagt dazu:

„Das 9-Euro-Ticket soll ein Erfolg werden … und wir Länder haben uns erstmal darauf verständigt, was wir alles dazu beitragen wollen, dass es auch ein Erfolg wird. Dass wir zum 01.06. alles dazu beitragen werden, dass das 9-Euro-Ticket auch auf den Weg gebracht werden kann.“

Auch weiterhin Probleme mit der Finanzierung

An den Ländern soll es also nicht scheitern, aber wie so oft geht es ums Geld: Bahn- und Busfahren kostet mehr als 9 € im Monat, das wissen wir alle (besonders diejenigen, die derzeit viel Geld für ein monatliches Abo zahlen). Und diese Mehrkosten soll der Bund den Ländern erstatten. Das ist auch soweit geklärt, 2,5 Milliarden Euro sollen da fließen.

Die Bundesländer befürchten aber, dass das Geld aus Berlin nicht reichen wird. Sie fordern zusätzliche 1,5 Milliarden Euro wegen gestiegener Energiekosten. Und Teile des Geldes sollen in die Infrastruktur gesteckt werden, damit der öffentliche Personennahverkehr auch nach dieser Drei-Monatsphase attraktiv bleibt. Etwa durch zusätzliche Züge.

Am Ende soll es nicht heißen: Bus und Bahn nutze ich nicht, die sind mir zu voll!

ÖPNV dauernd überfüllt? Das wäre der worst case! Denn: Sicher werden auch viele Menschen, die sonst eher aufs Auto setzen, sich dieses Ticket kaufen. Wenn dann aber Bus und Bahn zu voll sind (und man evtl. auch sein Pendlerfahrrad nicht mitnehmen darf), steigen diese nach den drei Monaten lieber wieder aufs komfortable Auto um. Für ein erfolgreiches Umdenken in Sachen Verkehr braucht es also: 1. einen attraktiven ÖPNV für die Nutzer und 2. eine große Nachfrage nach genau diesem bei den Entscheider:innen. Und die entsteht hoffentlich, wenn dieser attraktiv ist.

Ein schöner Kreislauf, oder?! Die Mobilitäts-Bloggerin Katja Diehl schreibt auf Twitter dazu:

„Übrigens: Bitte kauft ALLE, sofern ihr es euch leisten könnt, das 9-Euro-Ticket für drei Monate, damit es einen klaren Beweis gibt, wie stark das Interesse an einem günstigen, bundesweiten Ticket ist!“

Wo und wie kaufen?

Das 9- Euro-Ticket bekommt man, wie andere Tickets auch, über die Apps der jeweiligen Verkehrsverbünde und der Deutschen Bahn. Oder aber an Ticketautomaten oder an Schaltern an den Bahnhöfen.

Ich habe aber schon ein Abo!

Für Menschen, die schon Abos haben, war die Diskussion um das 9-Euro-Ticket eine Zeitlang ziemlich unbefriedigend, frei nach dem Motto: „Wie 9€? Ich zahl da bis zu 100€ monatlich (manche sogar mehr), damit ich jeden Tag von zu Hause zu meinem Job pendle, was ist denn mit mir in dieser Zeit?“

Das war ungeklärt, inzwischen ist aber eine Lösung da: sie sollen auch nur 9€ in ihrem Abo zahlen und bekommen das zu viel gezahlte Geld entweder erstattet oder müssen halt weniger bezahlen.

Semesterticket? Nur die Studis wissen nicht, wie es bei ihnen laufen wird

Studenti:nnen zahlen ihr Ticket über einen Semesterbeitrag für sechs Monate. In Nordrhein-Westfalen kostet das so um die 300€ pro Semester, inkl. der Semestergebühren. Da zahlen die Studierenden also mehr als 9€ pro Monat. Wie das genau verrechnet wird, ist noch unklar. Bisher gibt es nur Einzellösungen. An der Universität Wuppertal zum Beispiel wird das Semesterticket bis Ende des Jahres verlängert. Dafür sinken dann die Kosten für das nachfolgende kürzere Semesterticket.

In anderen Ländern schon längst da - sogar komplett for free, kostenlos!

Tallin etwa, die Hauptstadt von Estland, hat seit 2013 einen völlig kostenlosen Personennahverkehr. Mit einer Einschränkung: das gilt nur für die Menschen, die dort auch ihren Wohnsitz haben. Touristen also nicht. Seit 2018 wurde dieses kostenlose Angebot für die Bürgerinnen und Bürger Estlands übrigens aufs fast ganze Land ausgeweitet. Und Luxemburg wiederum ist das erste Land der Welt, in dem wirklich komplett gilt: freie Fahrt in Bussen und Bahnen für alle.“ Einfach einsteigen und mitfahren!“ hieß das Motto im März 2020, als das eingeführt wurde - ein Schritt in die Mobilitätswende, denn das kleine Land litt immer besonders stark unter Staus.

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👀 Quellen

wdr.de
tagesschau
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Wirtschafts Woche

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Nils Neubert
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