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Zwei Menschen beim Zungenkuss
5 min

Sex und Nachhaltigkeit: Umweltbewusstsein beim Vögeln

Verhütung

Fangen wir beim offensichtlichsten an: Verhütung. Es mag zynisch klingen, aber keine Kinder haben, ist faktisch betrachtet eine gute Sache für die Umwelt. Ganz egal, wie ihr verhütet, denn jeder neue Mensch verbraucht CO2. Ökologische Hardliner würden hier gewiss auf die Temperaturmessmethode setzen, denn außer einem Thermometer braucht man dafür nichts. Allerdings schneidet die, was die Sicherheit, nicht schwanger zu werden angeht, nicht so gut ab und man braucht sehr viel Erfahrung, um damit zuverlässig die furchtbaren Tage zu bestimmen. Die Pille ist nach wie vor das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland. Allerdings gelangen durch den Urin dabei Hormone ins Grundwasser, die auch von Kläranlagen nicht rausgefiltert werden können und dadurch in Flüsse gelangen und das Ökosystem schädigen.

In der Verhütung geht es aber ja auch um körperliche Gesundheit. Lasst uns über Kondome reden. Da gibt es mittlerweile verschiedene Anbieter, die auf ökologische, vegane und fair gehandelte Varianten setzen. Das ist nicht unbedingt die Regel, da Kautschuk oft unter schlechten ökologischen Bedingungen produziert wird. Und man muss sie sich erstmal leisten können: sie sind nämlich wesentlich teurer als herkömmliche Varianten.

Sachen die schön für Sex sind, sind nicht ökologisch

Die schlechten Nachrichten zuerst: Viele Sachen, die beim Sex Spaß machen, sind nicht gut für die Umwelt. Ein warmes Zimmer im Winter, in dem man gern stundenlang nackt ist - nicht gut für‘s Klima. Vom einen in den anderen Raum toben und überall Licht anlassen - nicht gut für‘s Klima. Stundenlang unter der Dusche rummachen - nicht gut für‘s Klima. Allerdings, unter uns: Sex unter der Dusche ist eh überbewertet, weil sich Wasser als Gleitgel ungefähr so gut eignet, wie Schmirgelpapier (haben wir selbst ausprobiert).


Gleitgel

Apropos Gleitgel und damit kommen wir zum Spaß: Neben der von uns sehr geschätzten Spucke, kann man aus der Aloe-Vera-Pflanze ganz einfach Gleitgel selbst machen und das pflegt auch noch die Haut und enthält anders, als viele andere Gleitgele, keine Parabene*.

Sextoys

Sextoys sind oft ökologisch und auch gesundheitlich fragwürdig, weil vor allem in den billigeren Varianten meist sehr viele Weichmacher und andere Schadstoffe sind, die über die empfindlichen Schleimhäute besonders leicht von unserem Körper aufgenommen werden. Von "Jelly Toys" sollte man besser ganz die Finger lassen: Jelly ist ein Kunststoff aus PVC und den legt man besser auf den Boden, anstatt ihn sich irgendwo reinzustecken.

Mittlerweile gibt es aber großartige, auch hier in Deutschland hergestellte, Alternativen. Es gibt Dildos aus Glas, Holz und sogar aus Granit. Es gibt eine kleine Manufaktur in Deutschland, die diese Granit-Dildos sogar aus Resten aus der Grabstein-Produktion herstellt. Sehr kurios! Sollte man doch etwas aus Silikon bevorzugen, dann ist medizinisches Silikon die beste Wahl. Generell gilt: Sextoys sollten geruchslos sein. Etwas, was chemisch stinkt, sollte man sich nirgends reinstecken. Wie bei jedem Elektroteil gilt: Möglichst lang benutzen und mit Akku zum Aufladen ist besser als mit Batterien, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Wir empfehlen außerdem: Multifunktionssachen. No Judgement, wenn ihr die elektrische Zahnbürste als Auflegevibrator benutzt (achtet drauf, dass die nicht zu alt ist #keime) oder die Gurke als Dildo (mit Kondom drüber). Vorausgesetzt, ihr esst sie danach noch - kann man doch schälen! Das ökologischste Sextoy ist und bleibt aber eure Hand.

Pornos

Falls ihr dabei ein Filmchen schauen wollt, sind wir uns natürlich darüber im Klaren, dass nicht nur Streaming unseren ökologischen Fußabdruck belastet, sondern auch in der Produktion des Pornos einiges anfällt. Allerdings gibt es mittlerweile diverse kleine Pornolabels, die nicht nur einen feministischen Anspruch haben, sondern auch faire Bezahlung, Diversität und den ökologischen Fußabdruck in der Produktion. Anders als auf den großen Plattformen kostet aber auch das und spätestens jetzt müssen wir vielleicht einmal festhalten, dass ökologischer Sex teurer wird als herkömmlicher.

Kinky

Für die Menschen unter euch, die ein bisschen mehr kinky* drauf sind: Ihr findet, was ihr wollt, auch in einer ökologischeren Variante. Es gibt mittlerweile 'ne Menge BDSM*-Zubehör, das aus Kunstleder oder sogar recycelten Materialien, wie alten Fahrradschläuchen, hergestellt ist. Peitschen, Harnische*, Fesselkram...

Hygiene

Und als letztes: Geschlechtsteile finden Feuchttücher gar nicht so toll. Allein schon, weil sie oft stark parfümiert sind. Von neunzehn Produkten, die sich „sensitiv“ oder „ohne Parfüm“ auf die Fahne schreiben, kriegen in einer „Öko-Test“-Studie 2019 fünf die Note "mangelhaft". Und die Umwelt steht auch nicht drauf. Und nein, ihr müsst euch nicht jedes Mal vor dem Sex waschen oder nach dem Sex. Das spart nämlich Wasser und macht gute Dinge mit eurer Haut und eurem Verhältnis zum eigenen Körper.

Penis und Vulva müssen nicht nach Rosen riechen, sondern nach Penis und Vulva. Können wir endlich mal den eigenen Körpergeruch enttabuisieren?

Aber zu guter Letzt: Macht euch nicht zu viele Gedanken. Sex soll vor allem Spaß machen und euch gut tun - die Umwelt könnt ihr auch an vielen anderen Stellen (noch viel effektiver) schützen. Noch mehr Tipps findet ihr hier bei NOWU.

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🔍 Was bedeutet…

Parabene: Künstliche Konservierungsstoffe, die in etwa jedem zehnten Kosmetikartikel sind. Weil sie hormonell wirken können, gelten sie als bedenklich und es gibt noch kaum Langzeitstudien.

Kinks: Sexuelle Praktiken, die von den meisten als ungewöhnlich angesehen werden.

BDSM: Wenn man beim Sex zum Beispiel mit Dominanz und Unterwerfung, Bestrafung oder Lustschmerz spielt. Fesselspiele gehören typischerweise zu BDSM. Die Buchstaben stehen für „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism".

Harnisch: Ursprünglich eine von Rittern getragene Rüstung, beim Sex eine Art Ledergurte für den Oberkörper.

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👀 Quellen

1LIVE Intimbereich
SWR
Stiftung Warentest
ÖKO-TEST
Bayerischer Rundfunk


von 💋 Catrin Altzschner