Ein Zelt

Camping oder was? Nachhaltig übernachten im Urlaub

5 min
"Durch nachhaltiges Reisen allein können wir den Klimawandel zwar nicht stoppen, aber es muss ein Umdenken stattfinden" - Klimaforscher Johannes Orphal
Was ist wohl die nachhaltigste Art, in den Urlaub zu fahren?
  • Mit dem Zug ins Yoga Resort an der Ostsee
  • Bikepacking: Mit Fahrrad und Zelt
  • Mit dem Billigflieger in die Bettenburg auf Malle

Die schlechte Nachricht zuerst (du kennst sie schon): Unsere Reiselust hat ihren Preis. Klimawandel und Raubbau an der Natur gehören zu den großen Folgen des Tourismus, u.a. durch relativ günstige Flugtickets. Die gute Nachricht: Du kannst aber auch klimafreundlich Urlaub machen. Stichwort: Camping. Das geht, wenn du willst, sogar klimaneutral - mit einem CO₂-Ausstoß von 0. Ja, Null!

Klar ist: Je näher das Reiseziel an deinem Wohnort liegt, desto besser. Auf kurzen Wegen fallen natürlich auch weniger CO₂-Emissionen an. Ebenfalls gilt: Je länger du an einem Reiseziel bleibst, desto besser. Ist logisch, oder?!

Camping und Ecocamping: Grüner geht’s nicht

“Camping ist schon immer eine der naturverträglichsten Urlaubsformen und ist CO2-arm im Vergleich zu anderen Urlaubsformen. Am besten ist die Bilanz auf einem Eco-Campingplatz, darunter gibt es sogar schon welche, die bereits klimaneutral sind” sagt Wolfgang Pfrommer, Geschäftsführer von Ecocamping e.V., im NOWU-Interview. Auf solchen Campingplätzen werden z.B. Strom und Wärme mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage erzeugt. Um das Abwasser nicht zu verunreinigen, sollen dort ausschließliche biologische Pflege- und Reinigungsmittel benutzt werden. Der Unterschied zwischen “normalem” Camping und Eco-Camping ist spürbar: Statt 3,9 kg CO₂ pro Übernachtung sind es auf einem Eco-Platz nur 2,0 kg. Und es geht noch mehr: Wenn du, statt mit dem Caravan oder Auto, mit dem Fahrrad anreist und dann im Zelt schläfst, verursachst du gar keine Emissionen. Niente! Bikepacking nennt sich das - und ist gerade sowieso voll im Trend.

Was glaubst du: Wieviele Campingplätze sind im Ecocamping-Netz?
  • 50
  • 100
  • 200

Spinnen? - Ja, bitte!

Camping ist also eine super Sache fürs Klima und die Umwelt. Die Camping-Pros unter euch wissen aber natürlich: Nicht jede:r kann sich dafür begeistern. Wir räumen mit den größten Vorurteilen auf:

  • Überall Insekten! Ja, das stimmt. Und es ist ein gutes Zeichen dafür, dass keine Pestizide auf einem Platz eingesetzt werden. Mücken nerven, klaro. Dagegen hilft biologischer Mückenschutz, der die Haut nicht reizt und auch auf einem Eco-Campingplatz angewendet werden darf. Oder Räucherspiralen, dazu gleich mehr.

  • Camping ist ungemütlich! Nun, es ist nicht dein eigenes Bett…. Aber: Wenn du keinen Wanderurlaub machst und mit dem Auto oder Reisebus anreist, kannst du einfach deine Bettdecke von Zuhause mitbringen. Für untendrunter gibt es mittlerweile ziemlich komfortable Matten und Matratzen - auch ökologisch hergestellte. Wenn du dich dann noch traust, draußen zu schlafen, wirst du vielleicht mit einem tollen Sternenhimmel oder sogar Sternschnuppen belohnt.

Falls Camping trotzdem nichts für dich ist, erfährst du in diesem Artikel auf NOWU etwas über Ökotourismus.

Checkliste fürs Campen

  • Ankommen, bevor es dunkel ist! Sei am besten rechtzeitig vor Sonnenuntergang da, um deinen Platz zu finden (oder auszusuchen, denn kleine und Eco-Campingplätze haben meist gar keine Parzellen). So musst du nicht im Dunkeln das Zelt aufbauen.

  • Ein Hammer. Praktisch ist ein Gummihammer, der macht weniger Krach. Insbesondere im Sommer, wenn es lange nicht geregnet hat, ist die Erde hart und trocken und du bekommst Heringe und Zelt- oder Seilhalterungen sonst nicht gut in die Erde.

  • Eine Taschenlampe. Vielleicht suchst du in der Nacht mal die Toilette. Wenn du irgendwann Camping-Profi bist, wirst du dir sowieso eine Stirnlampe zulegen - dann hast du nämlich auch beide Hände frei.

  • Mülltüten. Du lässt ja nichts liegen. Und du wirst sehen, wie leer die sind, wenn du nachhaltig kochst (z.B. Kaffee vom Morgen für Eiskaffee am Nachmittag aufheben, matschige Bananen zu Smoothies oder Brei verarbeiten) und regional unverpackt plastikfrei einkaufst.

  • Mückenschutz für die Haut oder eine Räucherspirale, die viele Stunden brennt und Mücken fernhält. Es gibt auch Citronella-Kerzen, deren Geruch die Mücken nicht mögen.

Für alle, die es ausprobiert haben und doch lieber ins Hotel möchten, gibt es in diesem Artikel auf NOWU Tipps für nachhaltiges Reisen.

“Es gibt eine Diversifizierung beim Camping” sagt Wolfgang Pfrommer. Heißt: Wer Campen will, hat immer mehr Möglichkeiten. Es gibt inzwischen Zelte mit Badezimmer, Glamping (das ist eine Mischform aus Glamour und Camping) und E-Wohnmobile. Aber: Die Tourismusbranche hat vor allem den Trend zum Campen als naturnahe und klimaschonende Urlaubsform im Blick, denn das ist den Menschen bei ihrer Urlaubsplanung immer wichtiger.

👀 Quellen

Ökotest
Ecocamping e.V.
UNWTO
Tagesschau
Global Sustainable Tourism Control
Deutscher Tourismusverband

Autorin: Nadia Hanna