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Wie schlimm ist Lichtverschmutzung für unsere Umwelt?

Wo in Europa kann man noch “echte” Nächte erleben?
  • In 12 % der Fläche Europas
  • In 40 % der Fläche Europas
  • In 85 % der Fläche Europas

Lichtverschmutzung entsteht durch die Summe aus jeglichem künstlichen Licht, das von den Menschen ausgestoßen wird: Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen und andere Leuchtschilder, durch Fabriken, Stadien oder Denkmäler mit großen Flutlichtern, oder durch Gebäude, in denen nachts das Licht brennt… All das bringt den Tag-Nacht-Zyklus durcheinander.

Der Forscher Christopher Kyba erklärt auf der Webseite der International Dark Sky Association, dass “bewölkte Himmel in Stadtnähe heutzutage 100 bis 1.000 mal heller strahlen als vor 200 Jahren”!

Wegen der Lichtverschmutzung ist auch die Galaxie, in der sich unser Planet befindet, schlechter zu sehen: die Milchstraße. Denn wenn es dunkel genug ist, ist sie sehr gut zu erkennen: Viele kleine Sterne beieinander bilden eine milchige Spur am Nachthimmel.

Kannst du die Milchstraße bei dir zuhause sehen?
  • Ja
  • Nein
  • Hm, muss ich mal nachgucken

Doch es ist nicht einfach nur schade, dass die Aussicht nicht mehr so schön ist. Zu viel Licht hat reale Konsequenzen:

Die Lichtverschmutzung ist suuuper schlecht für die Biodiversität

Tiere, die tagsüber wach sind, brauchen die Nacht, um sich angemessen ausruhen zu können. Und die nachtaktiven Tiere benötigen ebenfalls die Dunkelheit! (Seid ihr eigentlich Team #angstvormdunkeln oder Team #absolutedunkelheitzumschlafen?)

Nächtliche Beleuchtungen haben ziemlich viele Folgen:

Bestimmte Tierarten werden geblendet
Beutetiere können sich schlechter vor natürlichen Feinden verstecken (die Nahrungskette wird
durcheinandergebracht)
Tiere können sich nicht mehr orientieren (werden zum Licht gelockt oder verstecken sich davor)

Licht ist der zweithäufigste Grund für das Aussterben von Insekten (Auf Platz 1: Pestizide). Sie sind dir sicher schon mal aufgefallen, die kleinen Tierchen, die an Laternen oder in Kerzen verbrennen).

Und auch das hier:

Meeresschildkrötenbabys schwimmen in Richtung beleuchteter Landgebiete statt sich im Ozean zu orientieren (und dort in Richtung des von der Morgendämmerung erhellten Horizonts)
Der Fortpflanzungskreislauf von Fledermäusen, Glühwürmchen und Korallen wird gestört
Zugvögel, die sich anhand der Sterne zurechtfinden, verlieren die Orientierung
Die Photosynthese* einiger Pflanzen wird gestört

Beleuchtung ist häufig verschwendete Energie

Die Menge an Strom, die für all diese Lichter benötigt wird, ist nicht gerade klein.

Die Außenbeleuchtung der gesamten USA verbraucht jährlich:
  • … so viel Energie wie ganz New York in 1 Jahr benötigt.
  • ... so viel Energie wie ganz New York in 2 Jahren benötigt.
  • … so viel Energie wie ganz New York in 3 Jahren benötigt.

Auch Gesundheit, Wissenschaft und Wirtschaft…

Neben den ökologischen Gründen hat Lichtverschmutzung auch in anderen Bereichen negative Folgen:

Der Schlafrhythmus der Menschen wird beeinträchtigt - und damit auch ihre Gesundheit
Die Himmelsbeobachtung und damit auch die astronomische Forschung wird erschwert
All diese verbrauchte Energie kostet auch Geld → wirtschaftliche Folgen (In Frankreich machte die Beleuchtung öffentlicher Plätze 2014 rund 20% des Energiebudgets der Gemeinden aus!)

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🧐 Und jetzt?

Auf der Ebene der Unternehmen, der Gemeinden und der Gesellschaft gibt es einiges, das getan werden kann:

  • Regelungen schaffen und einhalten, wann die Beleuchtung von Fassaden, Denkmälern, Gärten etc. eingeschaltet sein darf

  • Möglichst viele Leuchten mit Bewegungssensoren oder Zeitschaltuhren nutzen, sodass sie nur an sind, wenn sie gebraucht werden

  • Gerichtetes Licht verwenden: Damit das Licht sich nicht im Himmel verliert, sondern gezielt dort ankommt, wo man es braucht

  • Weißes Licht durch warme Lichtfarben austauschen (gelb/orange statt weiß/blau, da weißes Licht dem natürlichen Licht ähnlicher ist)

Und bei uns zuhause ist es ähnlich:

  • Nur Lampen einbauen, die wirklich benötigt werden
    Gerichtetes Licht, Bewegungssensoren und Zeitschaltuhren nutzen

  • Die Lichtintensität senken oder dimmen, wo es möglich ist
    “Warmes” Licht bevorzugen (ist eh gemütlicher)

  • Und warum nicht… mit anderen über Lichtverschmutzung sprechen?! Die meisten Menschen sind sich des Problems mit all den Lichtquellen gar nicht bewusst)

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🔍 Was bedeutet…

Photosynthese: Pflanzen nehmen mit ihren Blättern CO2 (= Kohlenstoffdioxid) auf und wandeln es mithilfe von Sonnenenergie (= Licht) in Zucker um → also in Energie, die sie zum leben und zum wachsen benötigen. Toll dabei: Dabei geben sie Sauerstoff in die Luft ab.

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👀 Quellen

ADEME
ANPCEN
International Dark Sky Association
Nuit France
Ministère de la Transition écologique
Mongabay

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Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles