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Thermometer mit Sonne im Hintergrund
5 min

Woher wissen wir, dass der Klimawandel das Wetter beeinflusst?

In Zusammenarbeit mit Météo France


”Studie zu Extremwetter: Klimawandel mitverantwortlich für Juli-Flut”


“Hitzewelle in USA und Kanada wurde durch Klimawandel 150 mal wahrscheinlicher”


“Klimaforschung: Extremwetter sind Folgen des Klimawandels”

Diese oder ähnlich Schlagzeilen lest ihr bestimmt auch immer mal wieder, oder? → Eine Frage, über die immer wieder nach extremen Wetterereignissen wie Überschwemmungen, Hitzewellen oder Wirbelstürmen diskutiert wird: Wurde die Katastrophe durch den Klimawandel ausgelöst (oder verstärkt)? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Fragst du dich das auch manchmal?
  • Nicht wirklich
  • Manchmal schon
  • Eigentlich immer

Aber wie können wir diese Frage beantworten? Das ist die Aufgabe von Wissenschaftler:innen wie Aurélien Ribes vom französischen Wetterdienst Météo France.

Nach welchen Kriterien wird ermittelt, ob der Klimawandel der Grund für eine Unwetterkatastrophe ist?

Um herauszufinden, welche Rolle der Klimawandel bei einer Überschwemmung oder Hitzewelle spielt, geht Aurélien Ribes so vor.


Nr. 1: Beobachten

“Wir untersuchen Ereignisse aus der Vergangenheit und vergleichen sie mit den Vorgängen heute. Treten Katastrophen öfter auf? Sind die Folgen heftiger?” - Aurélien Ribes

So erkennen die Expert:innen, ob das Ereignis wirklich ein Extremfall ist, oder ob das schon öfter so vorgekommen ist.

Nr. 2: Zahlen analysieren

Mithilfe von Softwares und Algorithmen lässt sich das Wettersystem nachbilden → Man kann so auch den Zustand der Erde mit und ohne die seit 1850 ausgestoßenen Co2-Emissionen (= die verantwortlich für den Klimawandel sind) nachstellen.

“So kann berechnet werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Hitzewellen mit dem heutigen Klima auftreten, und mit dem Klima verglichen werden, das bestehen würde, wären wir anders mit dem Planeten umgegangen.” - Aurélien Ribes


Dazu ein paar Beispiele

Hitzewelle in Frankreich im Sommer 2019

Im Sommer 2019 gab es in Frankreich einen Rekordwert von 46°C, weit über den bislang gemessenen Temperaturen. Durch den Vergleich von unterschiedlichen Werten und durch Simulation konnte festgestellt werden:

- Diese Hitzewellen treten heute mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:40 auf.

- Ohne den menschlichen Einfluss auf die Erde hätten solche Hitzewellen eine 600-mal geringere Chance aufzutreten (= also quasi unmöglich).

- Hitzewellen wären ohne den menschlichen Einfluss auf den Planeten durchschnittlich etwa 2°C kälter.

Die Flutkatastrophe in Europa im Sommer 2021

In Teilen Nordeuropas wie Deutschland oder Belgien gab es letzten Sommer extreme Überschwemmungen: Riesige Mengen an Regen sind innerhalb von ein bis zwei Tagen heruntergekommen.

“Das ist genau das, was von einem wärmeren Klima zu erwarten ist, denn die Atmosphäre enthält mehr Wasserdampf, der dann kondensiert und in großen Mengen in Form von Regen auf die Erde fällt.” - Aurélien Ribes


Können alle extremen Wetterereignisse auf den Klimawandel zurückgeführt werden?

Nur weil bestimmte Wetterereignisse mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden können, heißt das nicht, dass sich darauf gleich allgemeingültige Behauptungen die immer gelten ableiten lassen - es kommt immer auf den Einzelfall an.

“Heutzutage werden Hitzewellen allgemein intensiver und treten häufiger auf. Andersrum gilt das aber auch: Kälteren Wetterphasen werden immer weniger intensiv und seltener." - Aurélien Ribes

Was zum Beispiel Extremfälle in Bezug auf den Regen betrifft, ist das Ganze etwas komplizierter.

Der menschliche Einfluss erhöht die Intensität von Regenfällen um..
  • 1 bis 5% pro Grad Erwärmung
  • 5 bis 10% pro Grad Erwärmung
  • 10 bis 20% pro Grad Erwärmung

Laut Aurélien Ribes sind diese Veränderungen aber nicht überall auf der Welt gleich:

  • Die Regenfälle sind in kontinentalen Regionen am stärksten, mit einigen Ausnahmen.

  • Gleichzeitig treten Dürreperioden weltweit etwas häufiger auf.

  • Bei vielen anderen Ereignissen wie Wirbelstürmen, Tornados oder Hagel sind sich die Expert:innen noch nicht sicher. Es wird z. B. davon ausgegangen, dass Wirbelstürme in Zukunft seltener auftreten könnten, dafür aber intensiver.

Wozu berechnet man das alles?

  • Schon jetzt sind solche Ereignisse ein guter Moment ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen. Denn nach diesen Schlagzeilen wird die Öffentlichkeit immer aufmerksamer.

  • Es ist generell gut zu wissen, ob eine Katastrophe ein Ausnahmefall war oder nicht: Müssen wir uns in Zukunft darauf einstellen, dass so etwas alle 5 Jahre vorkommt, oder nicht? Brauchen wir höhere Deiche oder war das nur ein Jahrhundertereignis?

  • Wir sollten die Schlagzeilen trotzdem immer wieder hinterfragen. Die UNO verkündete letzten Sommer zum Beispiel, dass Madagaskar aufgrund einer Dürre die erste durch die Erderwärmung verursachte Hungersnot erlebt. In einer Studie der World Weather Attribution (WWA) wurde nachträglich jedoch aufgezeigt, dass die Erderwärmung nicht der ausschlaggebende Faktor für diese Katastrophe war.

Noch ein letzter wichtiger Punkt: Es ist fast immer auszuschließen, dass der Klimawandel allein für eine Wetterkatastrophe “verantwortlich” ist → Forschende sind sich allerdings einig, dass solche Ereignisse durch das Klima “häufiger” und “intensiver” auftreten.

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👀 Quellen

Aurélien Ribes
Météo France
World Weather Attribution
IPCC

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Esther Meunier
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