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Fledermaus neben Virus
3 min

Corona und Klimawandel: Wie hängt die Pandemie mit der Natur zusammen?

  • Aller Wahrscheinlichkeit nach kommt das Coronavirus von einem Wildtiermarkt aus der chinesischen Stadt Wuhan.

  • Der Großteil der Wissenschaftler:innen geht davon aus, dass das Virus von Fledermäusen stammt und entweder direkt oder über einen Zwischenwirt* auf den Menschen übergesprungen ist.

  • Das ist nichts Ungewöhnliches und in der Menschheitsgeschichte schon unzählige Male passiert.

  • Allerdings erhöht der Mensch das Risiko für die Entstehung und Ausbreitung sogenannter Zoonosen* durch seinen zerstörerischen Eingriff in die Natur.

Corona ist eine menschengemachte Naturkatastrophe

Viren und andere Krankheitserreger springen vor allem dann über, wenn sich Mensch und Tier zu nahe kommen. Indem der Mensch in die Natur eingreift, zerstört er die Lebensräume von Wildtieren. Die Tiere werden so in die Enge getrieben und kommen dadurch stärker mit Menschen oder anderen Nutztieren, wie zum Beispiel Schweinen oder Rindern in Kontakt.

Das Verschwinden der Lebensräume und die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden hat außerdem zur Folge, dass immer mehr Tier- und Pflanzenarten aussterben. Und dieses Artensterben spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von gefährlichen Infektionskrankheiten.

Wie viele Tier- und Pflanzenarten sterben täglich aus?
  • 20
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Eine hohe Biodiversität ist aus vielen Gründen wichtig für unsere Gesundheit und das Leben auf diesem Planeten. In Bezug auf gefährliche Viren ist Artenvielfalt besonders relevant. Denn wenn ein Krankheitserreger eine bestimmte Art befällt, kann er sich in einem vielfältigen Ökosystem nicht so schnell weiterverbreiten.

Der Mechanismus dahinter ist eigentlich ganz einfach:

  • In einer reichhaltigen ökologischen Nische gibt es viele Tiere, die nicht vom Virus befallen werden können.

  • Denn jedes Virus braucht eine bestimmte passende Wirtszelle.

  • Findet das Virus diese im Organismus nicht, kann es sich nicht vermehren.

  • Das heißt: ohne passenden Wirt, keine Infektion und damit keine Verbreitung.

Der Mensch verändert durch sein Eingreifen allerdings die Zusammensetzung der Ökosysteme. Wenn ein Großteil der Arten ausstirbt, dominieren einzelne die ökologische Nische. Und je mehr Tiere einer Art es gibt, desto schneller breiten sich die Viren aus.

Oft setzen sich die sogenannten Generalisten durch, die häufiger Wirte für gefährliche Viren sind. Dazu gehören zum Beispiel Primaten, oder Nagetiere wie Ratten und Mäuse.

Ein großes Problem: die industrielle Landwirtschaft

Das Anlegen von Monokulturen und die damit verbundenen Rodungen von Wäldern tragen maßgeblich zum Artensterben bei. Besonders dramatisch ist diese Entwicklung in vielen Ländern des globalen Südens. In Brasilien zum Beispiel hat die Zerstörung des Amazonasregenwaldes letztes Jahr einen traurigen Rekord erreicht.

Wie viele Hektar Wald verschwinden pro Jahr von der Erde?
  • 1 Million Hektar
  • 3 Millionen Hektar
  • 10 Millionen Hektar

Die Massentierhaltung ist außerdem ein hohes virologisches Risiko. Erreger finden auf engstem Raum sehr viele Wirtszellen. Bis zur Übertragung auf den Menschen ist es dann nicht mehr weit. Wie schnell die Viren auf den Menschen überspringen können, zeigen zum Beispiel die Ausbrüche von Vogel- und Schweinegrippe.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Der Klimawandel treibt das alles noch mehr an. Einerseits trägt er dazu bei, dass viele Arten aussterben, andererseits vermehren sich Tiere, wie beispielsweise Nagetiere, durch wärmere Winter viel schneller. Und die kommen generell näher zum Menschen und sind damit Übertragungsrisiko.

Forscher:innen konnten außerdem zeigen, dass die Erderwärmung die Ausbreitung von Viren begünstigt. Vor allem Krankheiten, die durch Stechmücken übertragen werden, breiten sich durch wärmere Temperaturen schneller aus. Durch den Klimawandel gibt es mittlerweile sogar Malaria-Mücken im europäischen Mittelmeerraum.

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🥜 In a nutshell

Der Mensch übernutzt die natürlichen Ressourcen der Erde. Dadurch sterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten aus.

Der Verlust der Artenvielfalt, die Zerstörung von Lebensräumen für Wildtiere und die Folgen des Klimawandels führen dazu, dass sich Zoonosen* schneller ausbreiten.

Wie die Corona-Pandemie zeigt, kann das gravierende gesundheitliche Folgen für uns alle haben.

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🔍 Was bedeutet…

Zwischenwirt: Pflanzlicher, tierischer oder menschlicher Organismus, in dem sich ein Parasit für die Dauer einer bestimmten Entwicklungsphase aufhält

Zoonosen: Infektionskrankheiten, die z.B. von Bakterien, Parasiten, Pilzen oder Viren verursacht werden und zwischen Tieren und Menschen hin und her übertragen werden können

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👀 Quellen

Redaktionsnetzwerk Deutschland
ZDF
Heinrich-Böll-Stiftung
Bundeszentrale für politische Bildung
Robert-Koch-Institut
detektor.fm
Oxford Languages
BfR

🐇 von Ronja Morgenthaler