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Hand, die Steinchen und Sand fallen lässt
3 min

Warum ist der Boden so wichtig für die Umwelt?

Hast du als Kind auch immer Kuchen aus Erde “gebacken”?
  • Nee wtf
  • OMG IMMER
  • Ich hab mit den Regenwürmern gespielt

Aber Moment mal, woraus besteht Erde (aka. Boden) eigentlich?

  • Mineralien (Sand, Lehm, etc.)
  • Lebende Organismen (Bakterien, Pilze… und yep, auch Regenwürmer und andere schleimige Tierchen)
  • Tote organische Materie (Blätter, Holz…)
Wie viel Prozent der (uns bekannten) Arten findet man im Boden?
  • 25%
  • 50%
  • 75%

Und der Boden beinhaltet auch:

  • 75% der Biomasse*
  • 5 bis 10 Tonnen Mikroorganismen pro Hektar

Heißt also: Der Boden lebt!

Und wofür ist der Boden gut?

Wie alle anderen Ökosysteme*, sind auch Böden super wichtig für den Planeten! Da gibt es einige Beispiele, für die wir echt dankbar sein können.

Der Boden ernährt und schützt die Pflanzen

  • Wenn Lebewesen sterben, werden sie von den Mikroorganismen im Boden zersetzt und in CO2, Stickstoff, Phosphat… umgewandelt. Die Organismen helfen auch bei der Zersetzung von Gestein, wobei Kalium, Eisen, etc. freigesetzt werden → Nährstoffe für die Pflanzen!
  • Die Pflanzen ernähren sich außerdem mithilfe von Mykorrhiza*-Netzwerken aus winzigen Pilzen. Diese können bis zu 100 mal länger werden als die eigenen Pflanzenwurzeln und damit Nährstoffe aus extrem großen Entfernungen liefern. Die Nährstoffe tauschen sie bei der Pflanze gegen Zucker ein, Win-Win!

Außerdem hilft der Boden den Pflanzen dabei, Verschmutzung, Trockenheit und Krankheiten zu überstehen… 90% der Pflanzen interagieren mit den Mikroorganismen! Ganz schön crazy, diese Pilze und Bakterien!

Der Boden speichert extrem viel Kohlenstoff

Wie viel Kohlenstoff ist im Boden enthalten?
  • 1,5 mal mehr, als in der Atmosphäre.
  • 2 bis 3 mal mehr, als in der Atmosphäre.

Der Grund:

Die tote organische Materie im Boden enthält viel Kohlenstoff.

Die Pflanzen, die den Boden bedecken, interagieren mit dem Feinwurzelsystem der Pilze: Der Kohlenstoff wird so von den Pflanzenwurzeln in den Boden weitergeleitet.

Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass ein gesunder Boden dazu beitragen könnte, den Co2-Gehalt in der Luft zu senken und damit den Klimawandel zu bekämpfen!

Der Boden nimmt Wasser auf

Durch die Tiere und Organismen, die im Boden leben, wird dieser immer wieder aufgelockert und kann daher überschüssiges Wasser aufnehmen.

Das ist extrem hilfreich:

Um Überschwemmungen bei starkem Regen zu vermeiden.

Weil Wasser viele Mineralien enthält, die dann als Dünger in neue Gebiete transportiert werden.

Der Boden filtert und reinigt das Wasser

Einige Mikroorganismen im Boden helfen dabei, das Wasser zu filtern und Schadstoffe zu vernichten: also eine Win-Win-Situation für uns!

Der Boden hilft beim Erhalt der Biodiversität

Es dauert noch seeeehr lange, bis wir wirklich alles über den Boden wissen. Trotzdem konnten schon einige wertvolle Dinge aus ihm gewonnen werden, z.B. Penicillin: ein Wirkstoff, der heute in Antibiotika verwendet wird, eigentlich aber ein… Schimmelpilz (ein Mikroorganismus im Boden) war.

Ist der Boden gefährdet?

Auch wenn der Boden extrem wertvoll für uns ist, gehen wir Menschen oft sehr schlecht mit ihm um, z.B. durch:

  • Urbanisierung und künstliche Bebauung

Immer öfter wird der natürliche Boden durch Straßen, Siedlungen und Geschäfte… zugebaut → Durch das Bebauen wird der Boden versiegelt und die darunter lebenden Organismen sterben ab.

  • Die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hat viele Folgen für den Boden:

  • Pflanzenschutzmittel* (und andere Schadstoffe) schädigen die dort lebenden Organismen → eine Studie aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass sich die Gesundheit vieler Bäume in Europa verschlechtert hat, weil die Pilze aus dem Boden durch eine Stickstoffbelastung negativ beeinträchtigt wurden!

  • Beim Pflügen wird der Boden zuerst umgegraben, bevor etwas gepflanzt oder gesät wird: Dabei werden Mineralien vermischt, Unkraut gejätet, der Boden gelockert… aber nebenbei werden auch kleine Mikroorganismen zerstört, insbesondere Pilzfäden, die den Boden “zusammenhalten” → Langfristig wird das Risiko für Erosionen* dadurch um das 10-fache erhöht.

  • Fehlende “Pflanzendecke”: Viele Böden sind aufgrund der Landwirtschaft in manchen Jahreszeiten nicht mit Pflanzen bedeckt, es kommt verstärkt zu Erosionen.

  • Der Klimawandel

Und ja, da sind wir wieder beim Thema: Durch die extremen Temperaturen und den Anstieg von Überschwemmungen und Dürreperioden wird der Boden so stark belastet, dass immer mehr Treibhausgase freigesetzt werden. Ein absoluter Teufelskreis!

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🧐 Und jetzt?

  • Erst einmal muss der Boden noch besser erforscht werden! Das machen Organisationen wie z.B. die Society for the Protection of Underground Networks.

  • Wir müssen aber auch Anbaumethoden neu denken → das geht nur, wenn die Landwirt:innen dabei unterstützt werden. Zuständig dafür ist die GAP* (Gemeinsame Agrarpolitik) der EU!

  • Genauso wichtig ist es, die Flächenversiegelung durch neue Bauprojekte, wo immer es geht, zu stoppen.

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🔍 Was bedeutet…

Biomasse: Masse der gesamten Substanz die durch Pflanzen, Tiere und Menschen erzeugt werden.

Ökosystem: Abgegrenztes Gebiet, in dem eine Vielzahl an Organismen (Tiere und Pflanzen) leben und ihre Umwelt beeinflussen.

Pflanzenschutzmittel: Chemische oder biologische Produkte, die Pflanzen vor Krankheiten oder Schädlingen schützen und deren Wachstum fördern.

Erosion: Verschiebung des Bodens durch Wind, Regen, Wellen…

GAP: Gemeinsame Strategie aller EU-Länder im Landwirtschaftsbereich.

Mykorrhiza: Eine Symbiose (ein Zusammenspiel) von Pilzen und Pflanzen. Dabei sind die Pilze mit dem Feinwurzelsystem der Pflanze verbunden. Die Pilze geben der Pflanze Wasser und Nährstoffe - die Pflanze gibt im Gegenzug Glukose (Zucker) an das Pilzsystem ab.

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👀 Quellen

CNRS
Umweltbundesamt
The Guardian
NABU
FAO

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Esther Meunier
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