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Eine Frau steh unter einer Laterne, bedeckt die Augen
5 min

Lichtverschmutzung: Wie künstliches Licht uns und der Umwelt schadet

Ihr kennt das bestimmt: In Großstädten gibt es so viel künstliches Licht von Straßenlaternen, Schaufenstern & Co., dass es auch nachts eigentlich nie richtig dunkel ist. Das Licht wird von Partikeln in der Luft (Aerosole) reflektiert, der Himmel ist erhellt.

Das ist die deutlichste Auswirkung von Lichtverschmutzung, also dem übermäßigen und unangemessenen Gebrauch von künstlichem Licht. Wenn man dann mal auf dem Land ist, ist es so dunkel, dass man plötzlich wieder die Sterne sieht. Ganz dunkel ist es aber auch dort nicht.

Für 94% der Menschen in Deutschland ist der Nachthimmel mindestens doppelt so hell, wie er natürlicherweise wäre. Für ein Viertel ist er sogar neunmal heller. 100% der Menschen in Deutschland leben unter einem künstlich erhellten Nachthimmel.

Die Dauerbeleuchtung ist relativ neu und ungewöhnlich und hat Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Auch Menschen können unter ihr leiden.

Wo ist Lichtverschmutzung besonders ein Problem?

Nicht überall auf der Welt brennt gleich viel Licht. Während z.B. die USA, Europa und Japan hell leuchten, sind weite Teile Afrikas, Südamerikas und Asiens dunkel. Das Ausmaß an Lichtverschmutzung hängt in der Regel davon ab,

  • wie dicht ein Land besiedelt ist
  • wie reich ein Land ist

Sind beide Werte hoch, gibt es normalerweise auch viel Lichtverschmutzung.

Wie viel des globalen Energieverbrauchs macht ¼ der Bevölkerung aus?
  • ein Viertel
  • die Hälfte
  • drei Viertel

Wer leidet wie unter Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung geht mit einem hohen Stromverbrauch einher, der wiederum zur Klimaerwärmung beiträgt. Daneben schadet zu viel künstliches Licht uns und unserer Umwelt aber auch direkt.

Einige Folgen von Lichtverschmutzung sind:

Für Tiere

  • Der Biorhythmus (Schlaf-Wach, Winter-Sommer,...) verschiedener Tiere wird durch Licht gesteuert. Durch Lichtverschmutzung kommt er durcheinander. Zum Beispiel können Vögel die Jahreszeit nicht mehr erkennen und legen ihre Eier zu früh. Für ihre Kleinen gibt es dann nicht genug zu essen. Durch die scheinbar langen Tage sind viele Tiere länger unterwegs und erschöpft, was z.B. ihre Fortpflanzung beeinträchtigen kann.

  • Insekten werden vom Licht angezogen und sterben, weil sie sich an ihm verbrennen, es bis zur Erschöpfung umkreisen oder von Raubtieren gefressen werden. Viele verlassen ihren natürlichen Lebensraum.

  • Zugvögel, die sich normalerweise an den Sternen orientieren, können diese nicht mehr sehen und verfliegen sich, bis manche von ihnen an Erschöpfung sterben. Viele Meerestiere orientieren sich am Mond und schwimmen falsche Routen.

In Deutschland gibt es etwa 9 Millionen Straßenlaternen.

Wie viele Insekten werden pro Nacht davon angelockt?
  • 100 Millionen
  • Eine Milliarde
  • Zwei Milliarden

Für Pflanzen

  • Auch der Biorhythmus vieler Pflanzen orientiert sich am Licht. Bäume in künstlich beleuchteten Gegenden können die Tageslänge nicht mehr wahrnehmen. In der Folge wachsen sie im Winter weiter und verlieren ihre Blätter spät, was sie anfällig für Winterschäden macht.
  • Lichtverschmutzte Orte werden auch von Tieren gemieden, die als Bestäuber von Pflanzen wichtig wären. In den beleuchteten Gebieten der Alpen fehlen zum Beispiel viele Tiere, wodurch auch die Vegetation weniger wird.

Für uns

  • Licht beeinflusst auch den menschlichen Biorhythmus. So wird zum Beispiel das Hormon Melatonin, das unseren Schlaf reguliert, bei künstlicher Beleuchtung weniger produziert. Folgen können z.B. Schlafstörungen, Angststörungen und Depressionen sein. Es gibt außerdem Studien, die Melatoninmangel mit bestimmten Formen von Krebs in Zusammenhang bringen.

Langfristige Folgen von Lichtverschmutzung

In unserem Ökosystem hängt vieles zusammen. Kleine Änderungen ziehen oft größere nach sich.

Eine Folge von Lichtverschmutzung kann Artensterben sein. Das betrifft besonders Insektenarten, von denen 40% bereits vom Aussterben bedroht sind, aber z.B. auch nachtaktive Tiere wie Fledermäuse.

Was genau passiert, wenn bestimmte Arten für immer aufhören, zu existieren, ist nicht unbedingt klar. Ein so großer Eingriff in unser sehr sensibles Ökosystem dürfte jedoch schwerwiegende Folgen haben.

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🧐 Und jetzt?

Die Außenbeleuchtung zu regulieren ist vor allem Sache der Politik. Trotzdem gibt es einige Dinge, die auch du tun kannst:

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👀 Quellen

Dark Skies Awareness
Science Advances (Weltatlas)
Science Advances (Interaktive Karte)
Patrizia Caraveo
Emlyn Etienne Goronczy
International Dark-Sky Association
BUND e.V.


Von Tilman Wiesbeck