Komposthaufen mit sichtbarem Biomüll wie Bananenschalen und Apfelresten

Kompost selbst anlegen - So geht’s (auch ohne Garten)!

5 min
Esther Meunier
Wie viel Prozent aller Haushaltsabfälle sind Biomüll?
  • ca. 10%
  • ca. 30%
  • ca. 50%

“Bio ist für mich (kein) Abfall”

Zwischen 30 und 40% aller Abfälle von Privathaushalten sind Biomüll (also pflanzliche Küchen- und Gartenabfälle). Und dieser wird häufig fälschlicherweise in die Restmülltonne geworfen: Von allen Abfällen, die im Restmüll landen, obwohl sie dort nicht hingehören, machen Bioabfälle mit 39% den Großteil aus!

Das heißt, dass diese ganzen Stoffe verbrannt werden (und somit CO2 ausstoßen) oder auf einer Müllhalde landen (wo sie verrotten und Methan produzieren - eines der schädlichsten Treibhausgase überhaupt). Dabei kann Biomüll wunderbar wiederverwertet werden und einen wahren Schatz entstehen lassen: Kompost.

Wenn du noch nicht viel über Kompost weisst oder denkst, dass das nur etwas für Leute mit Garten ist: Wir erklären dir alles, was du wissen musst, um die Kunst des Kompostierens zu meistern und deinen Mülleimer zu erleichtern!

Was bringt ein Kompost?

Erstmal die Basics: Kompost ist ein Haufen organischer Müll, der zersetzt und in sehr nährstoffreiche Erde umgewandelt wird.

Das ist deshalb so cool, weil aus unbrauchbaren Abfällen wieder etwas “Wertvolles” entsteht. Effizient und umweltfreundlich!

Der Planet und deine Pflanzen freuen sich: Kompost ist ein 100% natürlicher und 100% kostenloser, hochwertiger Dünger (der Boden wird es dir danken!)

Die verschiedenen Kompost-Arten

Es gibt viele verschiedene Methoden, den Biomüll zu kompostieren. Da ist bestimmt auch etwas für dich dabei (jep, auch, wenn du keinen Garten hast und z.B. mitten in der Stadt im 10. Stock wohnst)!

Der Einfache: Der Komposthaufen

Schwierigkeitsgrad: easy peasy

Geeignet für: Gärten oder andere freie Flächen

Tutorial:

  • Den anfallenden Bioabfall an einem trockenen, leicht schattigen und windgeschützten Ort aufeinander schichten, sodass ein Haufen entsteht. Ab und zu auflockern (dazu gleich mehr).

Der Klassiker: Der Kompostbehälter

Schwierigkeitsgrad: mittel

Geeignet für: Gärten oder andere freie Flächen

Die beliebteste Variante ist das Kompostieren in einem Behälter ohne Boden, sodass der Kompost mit der Bodenerde im Kontakt ist. Der Behälter sollte nicht nur von oben geöffnet werden können (um Abfälle hineinzuwerfen), sondern auch an den Seiten, um den “reifen” Kompost entnehmen zu können.

Tutorial:

  • Du benötigst 4 (Euro-)Paletten (sie sollten mit HT markiert sein, denn dann sind sie hitzebehandelt worden und verrotten nicht)
  • 3 Paletten in U-Form anlegen (rechte Winkel sind hier wichtig) und mit Schrauben und z.B. Verbindungswinkeln oder Holzleisten befestigen
  • Die letzte Seite befestigst du am besten nur auf einer Seite mit Scharnieren, sodass du sie wie eine Tür öffnen kannst.
  • Beim Deckel kannst du genauso vorgehen. Du brauchst den Deckel zwar nicht unbedingt, aber wenn der Kompost bedeckt ist, ist er vor Regen und zu hoher Feuchtigkeit geschützt!
  • Fertig!
  • Ansonsten gibt es auch fertige Behälter zu kaufen - z.B. im Gartencenter oder im Baumarkt.

Der Gemeinschaftliche: Der Nachbarschafts-Kompost

Schwierigkeitsgrad: einfach bis mittel (kommt auf die Nachbar:innen an ;)

Geeignet für: Wohnungen ohne Garten (mit Innenhof oder ähnlichem)

Wenn du in der Stadt wohnst und deine Nachbar:innen auch Lust auf weniger Müll haben, ist diese Methode ideal für dich. Der Biomüll aus euren Haushalten wird in einem gemeinsamen Kompost gesammelt. Es sollte sich aber mindestens eine Person regelmäßig um den Kompost kümmern - dabei kann man sich ja gut abwechseln.

Tutorial:

Der Außergewöhnliche: Kompost in der Wurmkiste

Schwierigkeitsgrad: einfach bis mittel

Geeignet für: Wohnungen ohne Garten

Auch wenn du deine Nachbarschaft nicht von einem Gemeinschaftskompost überzeugen konntest (oder es bei eurem Wohngebäude einfach nicht möglich ist), musst du den Traum vom eigenen Kompost nicht aufgeben! Es gibt verschiedene Möglichkeiten, trotzdem welchen herzustellen - zum Beispiel mit einer Wurmkiste, die du dir in die Wohnung stellst. Keine Sorge: Wenn man es richtig macht, ist diese Methode sauber und stinkt auch nicht. Und noch ein Vorteil: Du kriegst viele neue Mitbewohner:innen (oder Haustiere?) !

Tutorial:

  • Auch diese Kiste kannst du selbst bauen! Anleitungen gibt es zuhauf im Internet, z.B. bei Youtube.
  • Sonst gibt es Wurmkisten natürlich auch fertig zu kaufen.

Der Alternative: Bokashi

Schwierigkeitsgrad: einfach

Geeignet für: Wohnungen ohne Garten

Du findest Würmer eklig? Zuerst einmal liegst du völlig falsch, denn sie sind echt niedlich! Und super gut für den Planeten! Aber weil du es bist, haben wir noch eine weitere Methode für dich (die ebenfalls ohne Garten funktioniert): Bokashi - eine japanische Technik zur Fermentation. Diese unterscheidet sich vom Prinzip des Kompostierens, da die Organismen, die den Biomüll zersetzen, anaerob arbeiten, also ohne Sauerstoff!

Tutorial:

  • Du wirfst deine Küchenabfälle (maximal einmal pro Tag) in einen besonderen hermetisch verschlossenen Kübel. In diesem Behältnis fermentieren die Abfälle mithilfe von Mikroorganismen (die ohne Sauerstoff auskommen) und bilden super hochwertigen flüssigen Dünger.
  • Bokashi-Eimer und -Ferment findest du im Baumarkt oder im Internet.

Was kommt in den Kompost?

Nachdem du die beste Methode für dich gefunden hast, kannst du zur Tat schreiten. Ein paar Kleinigkeiten gibt es noch zu beachten:

In den klassischen Kompost darf (egal, ob Haufen, im Behälter, dein eigener oder ein gemeinschaftlicher):

  • Deine Küchenabfälle (Schalen, Kaffeesatz, altes Brot, Obst und Gemüse, Teebeutel… und in kleinen Mengen auch zerdrückte Eierschalen, Kerne). Vorsicht bei Zitrusfrüchten, sie sind oft gespritzt.
  • Gartenabfälle (schmeiß alle trockenen Blättern, Äste, Hecken- und Rasenschnitte, Rinden, verwelkte Blumen etc. aus dem Garten hinein. Unkraut solltest du nur in geringen Mengen hineintun, oder es am besten sogar separat entsorgen, denn sonst kann es überall dort weiterwachsen, wo du die Komposterde später verwendest).
  • Bestimmte Haushaltsabfälle (Papiertaschentücher, Holzasche, Eierkartons, Klopapierrollen… Achte aber darauf, dass sie aus reinen Naturmaterialien sind)
  • Auf keinen Fall dürfen Plastik, Glas, Metall, chemische Produkte oder anderes in deinen Kompost!

In die Wurmkiste darf (fast alles, aber nicht ganz, denn Würmer sind wohl Feinschmecker und essen nicht jedes Obst und Gemüse):

  • Fast jedes faule Obst und Gemüse (außer Zwiebeln, Lauch, Knoblauch und Zitrusfrüchte wie z.B. Orangen), Schalen
  • Tee (mit und ohne Beutel), Kaffee (mit und ohne Filter), Kraftpapier und brauner Karton (auch hier nur reine Naturfasern)

In den Bokashi darf eigentlich alles, was du in deiner Küche an Biomüll anfällt, sonst nichts!

Was braucht mein Kompost noch?

Um qualitativ hochwertige Komposterde zu gewinnen, die möglichst wenig Treibhausgase beim Fäulnisprozess ausstößt, gibt es noch ein paar Regeln.

Eine gute Mischung

Man kann alle bisher genannten Abfällen grob in zwei Kategorien unterteilen:

  • Feuchter Abfall (auch weiche oder grüne Abfälle genannt) → Schalen, Obst, Gemüse, eigentlich alles aus der Küche
  • Trockener Abfall (auch feste oder braune Abfälle genannt) → Holz, Karton, Eierschalen…

Im Kompost muss ihr Verhältnis gut ausgeglichen sein!

Zerkleinerter Abfall

Damit der Zersetzungsprozess optimal verläuft, sollten die Stücke nicht zu groß sein (vor allem bei festem Abfall) → diesen Abfall besser zerkleinert in deinen Kompost geben!

Gut auflockern und lüften

Damit dein Biomüll gut kompostieren kann, benötigt er Sauerstoff (der Bokashi natürlich nicht). Deshalb ist es wichtig, dass ein Behälter-Kompost gut belüftet wird, indem man ihn regelmäßig auflockert.

Auf die Feuchtigkeit achten

Dein Kompost sollte etwas feucht sein, aber nicht zu sehr. Wie du herausfindets, ob die optimale Feuchtigkeit herrscht? Na indem du eine handvoll Kompost nimmst (mmh) und ihn in der Hand zusammendrückst.

  • Tropft etwas Feuchtigkeit herunter, ist es perfekt!
  • Fließt es richtig, dann ist es zu feucht und das ganze muss z.B. an der Sonne getrocknet und besser vor Regen geschützt werden.
  • Tropft gar keine Flüssigkeit runter, ist es zu trocken → Gieße den Kompost mit etwas Wasser (aber nur ganz wenig)

Wohin mit der Komposterde?

Es ist soweit, in den untersten Schichten des Haufens hat sich bereits Komposterde gebildet (das kann je nach Kompost-Art 2 Monate bis 2 Jahre dauern)!

Die Erde kannst du nun:

  • Für deine Beete, Gärten oder Zimmerpflanzen verwenden.
  • Mit deinen Nachbar:innen oder Freund:innen teilen.
  • An Gemeinschaftsgärten in deiner Nähe weitergeben.
  • Auf Kleinanzeigen-Seiten anbieten.
  • Etc.!

Ready, deinen eigenen Kompost zu starten?
  • Habe schon einen angefangen
  • Eigentlich eine coole Idee!
  • Ähm das ist mir zu aufwändig
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Esther Meunier
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