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Eine Weltkarte auf der Menschen wandern
5 min

Klima und Flucht: Migrationswellen bis ins Jahr 2050?

Wie viele Klimaflüchtlinge wird es bis 2050 geben?
  • 17 Millionen
  • 148 Millionen
  • 216 Millionen

Ja: Die klimatische Veränderung des Planeten führt zu einer Bevölkerungsverschiebung, die unter einem beständigen Klima nicht unbedingt stattgefunden hätte.

Warum zwingt der Klimawandel Menschen zur Migration?

Es gibt verschiedene Gründe, die zu einer klimabedingten Migration führen können:

  • Abrupte klimatische Ereignisse, zum Beispiel ein Sturm.

  • Langsame, aber spürbare Veränderungen, so wie steigende Gewässer oder steigende Temperaturen.

  • Manchmal kommt auch beides zusammen → Beispielsweise wenn eine Dürre Brände verursacht.

Es ist wichtig zu wissen, dass einige Menschen aufgrund dieser klimatischen Veränderungen ihr Leben nicht mehr normal weiterführen können.

Zum Beispiel...

Im Nahen Osten

Länder wie der Irak erreichten im Jahr 2021 Temperaturen von bis zu 51 °C! "An diesem Punkt kann man buchstäblich an der Hitze sterben und laut den Prognosen von Klimaforscher:innen haben wir noch nicht einmal den Höhepunkt erreicht", so Amali Tower, Gründerin der NGO Climate Refugees.

Im Gebiet des Tschadsees

Der Wasserkreislauf in der Region ist gestört, weshalb die Menschen dort schon mehrfach umziehen mussten.

Amali erklärt Folgendes:

  • Das Seewasser, das eigentlich für den Anbau benötigt wird, verdunstet.

  • Wenn der Regen endlich kommt, dann mit Verspätung und außerdem so stark, dass die Samen keine Wurzeln bilden können.

  • Die Bevölkerung ist der extremistischen Organisation Boko Haram besonders stark ausgesetzt, da ihre Mitglieder den See leichter überqueren können.

Auf den Fidschis

Einige Bevölkerungsgruppen mussten wegen mehrerer aufeinanderfolgender Stürme schon öfter umsiedeln.

“Das Problem ist, dass diese Menschen schon von der nächsten Naturkatastrophe getroffen werden, bevor sie sich überhaupt von der davor erholen konnten."
Amali Tower

Es gibt bereits Klimaflüchtlinge

“Eine Studie der französischen Hochschule EHESS hat herausgefunden, dass das Klima häufiger Auslöser für Migration ist als gedacht. Viele Menschen sind aus wirtschaftlichen Gründen von Bangladesch nach Paris umgesiedelt. Dass diese wirtschaftliche Veränderung jedoch auf klimatische Veränderungen zurückzuführen ist, wissen nur wenige."
Marine Denis, Doktorandin in internationalem Recht mit Spezialisierung auf klimabedingte Migration

Allerdings ist sehr schwer vorhersehbar, wie viele Menschen aufgrund des Klimawandels noch migrieren werden:

  • Es hängt davon ab, wie erfolgreich die Menschen ihre Treibhausgasemissionen verringern werden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

  • Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist es nicht immer einfach, klar abzugrenzen, wer ein Klimaflüchtling ist und wer aus anderen Gründen migriert (zum Beispiel wegen Konflikten,die ihrerseits auf den Klimawandel zurückzuführen sind).

Die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen leben in den sogenannten "Klima-Hotspots". Das sind Orte, an denen der Klimawandel besonders starke Auswirkungen hat.

  • Inseln und Küstengebiete, wegen des steigenden Meeresspiegels: Sowohl kleine Pazifikstaaten, wie Fidschi, Tonga oder Tuvalu 🏝 , als auch Städte am Meer, wie New York in den USA, Soulac-sur-Mer in Frankreich oder Jakarta in Indonesien (dieses Land hat übrigens beschlossen, seine Hauptstadt deswegen zu verlegen).

  • Der Nahe Osten und ein großer Teil Zentral- und Ostafrikas wegen der Temperaturen und Dürren, aber auch Gebiete in China, Russland und den USA, wie Kalifornien.

Übrigens: Die am stärksten betroffenen Orte und Menschen sind selbst am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich...

Wie wirkt sich das auf zwangsvertriebene Bevölkerungsgruppen aus?

Das hängt davon ab, wie stabil/unsicher ihre Situation ist. Hier sind einige mögliche Folgen:

  • Hohe Kosten (wenn man zur Flucht gezwungen wird, befindet man sich oft bereits in einer Krisensituation und hat wenig Geld)

  • Schlechte wirtschaftliche Chancen (weil es nicht einfach ist, in einer anderen Region oder im Ausland Arbeit zu finden)

  • Ein hohes Risiko beim Migrationsprozess (Schwarzmarkt, Festnahmen, Sklaverei, Asylrecht...)

  • Der Verlust von Zugehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl

  • Der Verlust der vertrauten Umgebung, der Kultur, der Traditionen und sogar der Sprache

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🧐 Und jetzt?

  • Handeln, um das Klima zu retten (wer hätte es gedacht...): Die Weltbank schätzt, dass die durch den Klimawandel bedingte Binnenmigration um 80% zurückgehen könnte. Dafür müssen die Staaten jetzt zügig und bedacht handeln, um die Treibhausgasemissionen zu verringern.

  • "Gelder zur Verfügung stellen für die Bewältigung der durch den Klimawandel verursachten Verluste und Schäden" ist laut Amali Tower sehr wichtig → Zum Beispiel könnten Investitionen in Deiche oder mit Sand erhöhte Inseln Überflutungen verhindern.

  • Woanders Land kaufen: Sollte es nicht gelingen, bestimmte Gebiete zu erhalten, ziehen einige Länder diese Alternative in Erwägung. "Das wirft allerdings rechtliche Probleme auf: Welchen Status gibt man diesem Land und seinen Bewohner:innen im Aufnahmestaat?", fragt sich Marine Denis.

  • Einen Status für Klimaflüchtlinge schaffen, damit die Betroffenen im Ausland Asyl beantragen können: Marine Denis erklärt: “das gibt es in der Genfer Konvention (= das Übereinkommen, welches das internationale Asylrecht bestimmt) derzeit nicht, aber man könnte auch andere Arten von Abkommen zwischen Ländern in Betracht ziehen".

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👀 Quellen

Marine Denis
Amali Tower
Climate Refugees (Iraq)
Climate Refugees (Tchad)
Climate Refugees (Mongolia)
IDMC
Banque Mondiale

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Esther Meunier
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