Startseite
5 min

Klimaangst - Wie gehe ich damit um?

Wer unter Klimaangst leidet, hat Angst...
  • … vor Klimaanlagen
  • … um die eigenen Ersparnisse
  • … um die Zukunft des Planeten

Was ist Klimaangst?

Es gibt noch keine offizielle Definition von Klimaangst (aka eco-anxiety), aber in der medizinischen Welt ist man sich einig, dass es sich um eine "neue Form psychischen Leidens handelt, deren Ursache die derzeitigen Umweltveränderungen sind".

Es ist allerdings keine psychische Erkrankung (im Gegenteil, Klimaangst ist eher ein Zeichen dafür, dass du deine Umwelt real wahrnimmst), sondern um eine Art "prätraumatischen Stress" (und nicht posttraumatischen Stress), so die US-amerikanische Psychiaterin Lise Van Susteren.

Wenn du an die Zukunft der Erde (und deine eigene) denkst, fühlst du..
  • Wut
  • Angst
  • Stress
  • Unsicherheit

Du musst keinen Hurrikan, Tsunami oder Waldbrand erlebt haben, um Klimaangst zu empfinden! Sie kann schon auftreten, wenn du zum Beispiel eine Dokumentation über Meeresverschmutzung siehst oder den neuen IPCC-Bericht liest.

Aber: Klimaangst ab einem bestimmten Grad auch pathologisch werden und sich in schlimmeren Symptomen äußern (dunkle Gedanken, Apathie, starke Zweifel an der Zukunft, Hoffnungslosigkeit) und in solchen Fällen ist es notwendig, professionelle Hilfe aufzusuchen!

Hier haben wir die verschiedenen Symptome von Klimaangst zusammenfasst:

Symptome für Klimaangst: ängstliche und/oder depressive Erscheinungen, Grübeln, Auswirkungen auf das Privatleben

Was tun gegen Klimaangst?

Tipps von einer/einem Profi

Hast du eines oder mehrere der oben genannten Symptome? Hier sind Charline Schmerbers Tipps, wie du am besten mit solchen Gefühlen umgehst:

  • Step 1 → Deine Beschwerden in Worte fassen. Das ist super wichtig! Du musst das alles nicht mit dir selbst ausmachen. Sprich mit anderen Menschen über deine Gefühle - das können Freund:innen, Familienmitglieder oder ein:e Fachmann/-frau sein. Dieser Schritt ist wichtig, da man keine Lösung für ein Problem finden kann, wenn man sich nicht zuerst über das Problem bewusst wird.

  • Step 2 → Die Gefühle akzeptieren. Du hast noch einige schlechte und gute Zeiten vor dir, und das ist okay. Und nein, du wirst die Welt nicht alleine retten können. Atme also tief durch und konzentriere dich auf das, was du in deinem Maßstab bereits umsetzen kannst.

  • Schritt 3 → An dem festhalten, was für dich Sinn macht. Konzentriere dich beim Umweltschutz auf das, was dich am meisten anspricht, sei es in Bezug auf das Thema (Ernährung, Mode, Digitales...) oder auf die Mittel, mit denen du handeln kannst. Wie gesagt, du kannst die Welt nicht allein retten.

  • Schritt 4 → Handle, aber stürze dich nicht in jede beliebige Aktion (siehe oben).

  • Bonustipps:

    • Kümmere dich um deine Beziehungen zu anderen "Man neigt dazu, alle um sich herum überzeugen zu wollen, wenn man klilmaängstlich ist", erklärt Charline Schmerber, "aber das macht einem das Leben nicht unbedingt leichter. Die Verbindung zu den anderen aufrechtzuerhalten ist wichtiger als sie zu bekehren". Wenn du dennoch mit deinen Liebsten über das Klima sprechen möchtest (was ja an sich super ist!), dann haben wir hier ein paar Tipps für dich, um Streit zu vermeiden.

    • Lass deine Schuldgefühle los. → Tausche sie gegen ein Gefühl der Verantwortung ein (du kannst zur Veränderung beitragen, aber es liegt nicht alles an dir).

Ratschläge aus der Community

Unsere lieben Kolleg:innen von NOWU Frankreich haben diese Frage auch der klimaängstlichen Twitter-Community gestellt. Hier sind die Tipps, die wir bekommen haben:

  • Raus ins Grüne gehen"Natur zum Auftanken in der Nähe finden: Pflanzen, Tiere ...", "Verbinde dich so oft wie möglich wieder mit der Natur, auch durch ganz kleine Dinge" (hier geht's zu unseren Tipps, wie du in 6 Schritten wieder zu Mutter Natur findest).

  • Auf sich achtgeben"Freiwillig die Nachrichten vermeiden", " eine Zeit lang auf soziale Netzwerke verzichten"...

  • Sich engagieren, allein oder mit anderen → "Handeln! Im Alltag handeln, als Einzelperson oder in Vereinen (gemeinsam sind wir stärker). Das hilft mir, die Wut zu kanalisieren", "Umgebt euch mit anderen. Es gibt Hunderte von Vereinen, politischen Gruppen und Kollektiven, die nur auf euch warten, egal wie sehr ihr euch engagiert. Bleibt nicht allein. Ihr seid es nicht."

  • Das Positive sehen → Es gibt jede Menge Gründe, an das Gute zu glauben: "[Viele] Dinge ändern sich zum Besseren, in allen Branchen und Ländern", "Man kann ein Problem dann erst lösen, wenn man sich dessen bewusst wird", "Kein wissenschaftlicher Bericht besagt, dass das Worst-Case-Szenario sicher eintreten wird, und solange man noch handeln kann, müssen wir das tun", "Jedes 0,1°C, das vermieden wird, wird Leben retten und die Lösungen gibt es schon."

  • Hilfe aufsuchenPsychotherapie, für die Aufarbeitung und regelmäßige Begleitung - wer all das Wissen über die Psyche studiert hat, hat vielleicht nochmal andere Tipps oder Sichtweisen und kann als ständige:r Begleiter:in an deiner Seite unterstützen.

Was die Gesellschaft gegen Klimaängste tun kann

Je nachdem, womit (und mit wem) du dich umgibst, kann es dir leichter fallen, mit deiner Klimaangst umzugehen. Zum Beispiel:

  • Mit Fantasie aufmuntern → Musik, Literatur oder Filme, da ist für jede:n was dabei! In diesem Artikel sprechen wir über den Einfluss positiver Geschichten.

  • Auch die (sozialen) Medien spielen eine Rolle → Und zwar je nachdem, wie die Berichterstattung abläuft: Katastrophenstimmung, die sich gut verkauft, aber alle in Panik versetzt, ist zum Beispiel nicht sehr konstruktiv.
Klima und Umweltschutz: Auch du kannst etwas verändern!

………………..

👀 Quellen

Interview mit Charline Schmerber, Psychotherapeutin und Autorin
Erfahrungsberichte auf Twitter

author image
Nicolas Quénard
The Lizard King
author image
Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro