Eine Schneider:inpuppe mit einem Recycel-Zeichen

Mode und Klima: Kann Fast Fashion nachhaltig sein?

5 min
Wie viele Tonnen Treibhausgas entstehen jährlich durch Mode?
  • 56 Millionen Tonnen
  • 1,2 Milliarden Tonnen
  • 8 Milliarden Tonnen

Und da ist der ganze andere Mist noch gar nicht mit drin:

  • Der hohe Wasserverbrauch und der Einsatz von Pestiziden für den Baumwollanbau.
  • Der Verbrauch fossiler Energieträger zur Herstellung synthetischer Stoffe.
  • Chemikalien, die bei den Herstellungsprozessen verwendet werden.
  • Mikroplastik, das bei jeder Wäsche in den Ozean gelangt…

Jede:r wünscht sich, dass seine/ihre Kleidung weniger belastend für die Umwelt ist. Das Ergebnis: Die meisten Fast-Fashion-Labels* werben inzwischen mit ihrer "conscious" oder "eco-friendly" Kollektion, die aus nachhaltigen oder recycelten Materialien hergestellt ist. Klar: Die Vorteile von Fast-Fashion nutzen und dabei auch noch umweltfreundlich handeln, das klingt auf dem Papier ziemlich verlockend.

Aber eigentlich kann man nicht wirklich behaupten, dass diese Kollektionen der Umwelt weniger schaden, als die herkömmlichen…

Argument Nr. 1:
“Das Etikett ist grün und es steht ‘conscious’ drauf, also muss es nachhaltig sein”

Die Sache ist, dass es leider nicht ganz ausreicht, wenn die Labels das nur behaupten.

Laut Marie Nguyen von dem ethischen und ökologisch nachhaltigen Modevertrieb "We Dress Fair" aus Frankreich, sollten wir Fast-Fashion-Marken besser nicht vertrauen: Das Concoius-Label könnte von der Marke selbst erfunden oder sogar gekauft worden sein! Und auch wenn die verwendeten Materialien als "natürlich" bezeichnet werden, ist Vorsicht geboten.

"Einige Marken zeichnen zum Beispiel Viskose als ‘natürliches’ Produkt aus. Es stimmt zwar, dass es aus Holzfasern gewonnen wird, aber seine Herstellung ist sehr umweltverschmutzend." Marie Nguyen von "We Dress Fair"

Ein anderes Beispiel: Kleidung, die als Bio-Baumwolle angepriesen wird, obwohl sie aus nur 20% Bio-Baumwolle besteht → Über die restlichen 80% ist nicht bekannt, ob das Material der Umwelt schadet oder nicht.

Argument Nr. 2:
“Aber wenn es um recycelte Materialien geht, ist es doch trotzdem gut, oder?”

Wie viel Kleidung wird weltweit recycelt?
  • 1 %
  • 10 %
  • 30 %

Gleichzeitig verschiedenen Textilien zu recyceln ist etwas kompliziert:

  • Beim Recycling-Prozess werden die Textilfasern enorm verkürzt.
  • Um trotzdem noch etwas daraus produzieren zu können, müssen natürliche und synthetische Recyclingfasern vermischt werden.
  • Wenn die Materialien aber erst einmal vermischt sind, können sie nicht wieder recycelt werden.

Um dieses Problem zu vermeiden und Kleidung auf den Markt zu bringen, die als recycelbar verkauft werden kann, bieten einige Marken Kollektionen aus 100 % natürlichem Material an (z. B. aus Leinen). Aber: Marie erklärt, dass die Marken den Recycling-Prozess nur in seltenen Fällen selbst in Gang setzen und die wenigen externen Recycling-Unternehmen bereits total überlastet sind. Wenn also immer mehr neue Kleidung zum Recyceln auf den Markt kommt, müssen die Marken entweder selbst mehr recyclen oder es braucht mehr Recycling-Unternehmen!

Argument Nr. 3:
“Nachhaltig hin oder her, das wahre Problem mit Fast Fashion ist die Überproduktion und der übermäßige Konsum”

Wie viele Kleidungsstücke werden jährlich weltweit produziert?
  • 1 Milliarde
  • 1 Milliarde
  • 100 Milliarden

An diesem Punkt ist es egal, ob einige Kollektionen ein bisschen umweltfreundlicher sind als andere:

“Zara macht 32 Kollektionen pro Jahr. Shein macht 102 Kollektionen pro Jahr. Man kann also kaum sagen: ‘Kaufe ein bisschen nachhaltige Fast-Fashion, denn das wird die Welt verändern’, das stimmt nicht." Marie Nguyen von "We Dress Fair"

Argument Nr. 4:
“Aber nachhaltige Kollektionen sind doch besser als nichts, oder?”

Wenn eine Marke Öko-Sachen anbietet, obwohl der ganze Rest der Produktion umweltschädlich ist, dann nennt man das Greenwashing!

Greenwashing in der Mode kann laut "We Dress Fair" Folgendes sein:

  • Überall in der Werbung Grün- oder Naturlandschaften verwenden, um den Eindruck zu erwecken, dass die Sachen ökologisch sind
  • Mit den oben erwähnten umweltfreundlichen fake Labels werben, die von der Marke frei erfunden wurden
  • Sprache verwenden, die an Natur oder Unschuld denken lässt, so wie "mit Liebe gemacht" oder "natürlich Ihr"

Man kann die ganze Sache auch als eine Art Ablenkung von den wirklichen Lösungsansätzen sehen. In einer nachhaltigen Modebranche wäre die Existenz von Fast-Fashion-Labels laut Marie sehr fragwürdig.

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🧐 Und jetzt?

Fast-Fashion-Kleidung kaufen, die als nachhaltig ausgezeichnet wird, ist immerhin etwas! Aber man kann es noch besser machen:

Maries Tipp → Sich der Sucht nach neuen Sachen bewusst werden und sich vor dem Kauf einige Fragen stellen:

  • Brauche ich das wirklich?
  • Kann ich das auch Second Hand kaufen? Alles, was nicht neu produziert werden muss, ist sowieso am umweltfreundlichsten.
  • Wie kann ich die Klamotten, die ich schon habe länger nutzen? Hier haben wir ein paar Tipps dazu für euch!
  • Finde ich das auch bei einer wirklich nachhaltigen Marke? (Das Problem hier: der Preis. Nachhaltige Kollektionen sind oft teuer, aber gerade das kann auch dazu führen, weniger zu kaufen!)

Und in Bezug auf die Labels und die Gesellschaft? In ihrem Bericht über "Eine neue Textilwirtschaft" schlägt die Ellen Mac Arthur Foundation unter anderem Folgendes vor:

  • Auf gesundheits- oder umweltschädliche Rohstoffe verzichten (und somit den Einsatz von nachhaltigeren Rohstoffen ausbauen)
  • Das Geschäftsmodell ändern, um nicht ständig Kleidung wegwerfen zu müssen (und daher anbieten, Kleidung zu mieten und nachhaltigere Kleidung herzustellen...)
  • Viel mehr recyceln (und dafür Sammelketten einrichten und Technologien entwickeln, um Recycling effizienter zu machen...)
  • Erneuerbare Ressourcen nutzen, also byebye fossile Energien, um z. B. synthetische Stoffe herzustellen (den ökologischen Preis nicht erneuerbarer Energien zu berücksichtigen, könnte helfen)

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🔍 Was bedeutet…

Fast Fashion: Mode-Labels, die sehr viele Klamotten in sehr kurzer Zeit produzieren und für wenig Geld verkaufen

👀 Quellen


Ellen Mac Arthur Foundation
Libération
ADEME
Tagesschau
Greenpeace