Schwitzender Pinguin neben Thermometer mit steigender Temperatur
15 min

Ist es zu warm in der Antarktis?

Pinguine, Eisberge, Polarexpeditionen…

Sind das Begriffe, an die du beim Stichwort “Antarktis” denkst?
  • Yeeess (und auch an Happy Feet)
  • Nee, eher an schmelzende Gletscher
  • Ein bisschen an beides

Was ist die Antarktis?

Die Antarktis ist ein Kontinent, der am Südpol liegt und umgeben vom Südpolarmeer.

Die Antarktis ist so groß wie:
  • Australien
  • Europa
  • Nordamerika

Die Antarktis ist aber auch:

  • Ein sehr kalter Kontinent
  • Ausgestattet mit starkem Höhenprofil (bis zu 3 km Höhenunterschied im Landesinneren)
  • In mehrere Bereiche gegliedert: Es gibt

    👉Eis, das sich auf einem felsigen Untergrund bildet (Eisschild). Es entsteht, wenn Schnee fällt und sich das Wasser ansammelt. Diese Eisschicht kann nicht schmelzen, weil sie zu kalt ist.

    👉Riesige Eisschollen, die sich auf dem Weg zum Meer bilden, wo es dann zu treiben beginnt. Diese Schollen können mehrere hundert Meter dick sein!

    👉Packeis, das aus gefrorenem Meerwasser besteht und maximal ein paar Meter dick ist.

Die unterschiedlichen Eistypen in der Antarktis

Und wie ist das Wetter in der Antarktis?

Allein schon, weil es sich um die Südhalbkugel handelt, sind die Jahreszeiten (im Vergleich zu Europa) umgekehrt: “Der Winter ist im Juni, Juli und August und der Sommer ist von Dezember bis Januar, also nur sehr kurz. Weil wir jedoch am Südpol sind, haben wir bereits ab Februar/März winterähnliche Temperaturen, der Winter dauert also sehr lange”, erklärt Gerhard Krinner.

Und wie sieht es temperaturmäßig aus? Kommt auf den Ort an‍️. Meteorologe François Gouraud teilt die Antarktis in zwei verschiedene geografische Zonen ein:

  • Im Zentrum des Kontinents herrscht im Winter ständige Dunkelheit. Auf 3000 m Höhe liegen die Temperaturen bei -60/-70°C, mit Spitzenwerten bis zu -80°C. Im Sommer liegen die Temperaturen bei -30°C.
  • An der Küste (ist nicht so nah am Polar, liegt weniger hoch und befindet sich in der Nähe des Ozeans, was eine Wärmequelle darstellt) ist es im Sommer normalerweise um die 0°C und im Winter -20 bis -30° kalt.

Und wie wirkt sich der Klimawandel auf die Antarktis aus?

Welcome to the Secrets der Antarktis: Laut der drei Wissenschaftler ist dies der einzige Ort, an dem man das Schmelzen des Eis nicht wirklich beobachten kann. Die Tendenz innerhalb der letzten 40 Jahre ist nicht ganz eindeutig.

Bisher ist der ganze Prozess wissenschaftlich noch ein ziemliches Rätsel, “man geht aber davon aus, dass sich auch die Antarktis erwärmen wird, sie braucht nur etwas länger als der Rest" so Gerhard Krinner.

Und wieso ist das so? Diese Frage wurde noch nicht wirklich beantwortet, einer der wichtigsten Facts ist aber, dass die Antarktis von einem riesigen Ozean umgeben ist und es deshalb nichts gibt, was die Winde aufhält. Das Meer ist also in ständiger Bewegung.

"Es ist wie in einem Kochtopf: Im Ozean verteilt sich die gespeicherte Wärme über die gesamte Tiefe statt bloß an der Oberfläche zu bleiben. Das verlangsamt die Erwärmung der Antarktis", so der Wissenschaftler.


Trotzdem gab es 2022 in der Antarktis einige neue Rekordwerte…

Die Wissenschaftstwelt wurde im März 2022 durch außergewöhnlich hohe Temperaturen schockiert.

Am 18. März erfasste eine Forschungsstation im Zentrum der Antarktis:
  • - 48,5°C
  • - 32,5°C
  • - 11,5°C

Laut Gerhard Krinner, “ist es wahrscheinlich, dass das mit dem Klimawandel zusammenhängt, man kann das aber nicht mit kompletter Sicherheit bestätigen. Wir gehen davon aus, dass das immer häufiger vorkommen wird, die Prognosen sind jedoch noch nicht präzise genug.”

Auch beim Thema Packeis gibt es negative Werte zu verzeichnen:

  • Im Februar fiel die Fläche seit Beginn der Aufzeichnungen zum ersten Mal unter die 2 Millionen-Quadratkilometer-Marke.

  • Im Juli kam es noch schlimmer: Mit 15,3 Millionen Quadratkilometern war die Fläche so klein wie noch nie in einem Winter, 7% weniger Fläche als der Durchschnittswert für diesen Monat zwischen 1991 und 2020.

Eisschmelze in der Antarktis

Welche Folgen wird die Erwärmung der Antarktis haben?

Das Schmelzen der Polkappen

Das Hauptproblem der Erderwärmung für die Antarktis ist das Schmelzen des Eis und damit der Anstieg des Meeresspiegels.

Good to know: Der Anstieg des Meeresspiegels wird nicht durch das Abschmelzen des Packeis verursacht, da dieses bereits im Wasser liegt und das dann wie ein Eiswürfel ist, der in einem Glas schmilzt - das Wasser steigt also nicht an. Das Eis vom Festland hingegen gelangt immer weiter in den Ozean und trägt weiter zum Anstieg des Meeresspiegels bei.

Das könnte dann so aussehen: Du erinnerst dich an die mehrere hundert Meter dicken Eisschollen, die vom Festland kommen und auf den Ozean treiben? “Sie spielen eine wichtige Rolle, weil sie wie ein Damm wirken, der die Gletscher stromaufwärts zurückhält und deren Fluss ins Meer verlangsamen. Je fester die Schollen sind, desto langsamer fließt alles”, erläutert Olivier Gagliardini.

ABER: Diese Polkappen schmelzen immer weiter ab. “Sie werden wahrscheinlich flacher, weil der Anstieg der Ozeantemperatur sie von unten zum Schmelzen bringt und das führt zu einem stärkeren Strom ins Meer, was wiederum den Pegel steigen lässt.”

So schmelzen die Polkappen ab

Aufgrund dessen könnte der Einfluss der Antarktis auf den Anstieg des Meeresspiegels laut IPCC 10 bis 30 cm bis zum Jahr 2100 betragen. “Das klingt erstmal nicht viel, würde aber bereits eine enorme Migrationswelle mit sich bringen.”

Wenn die Eisschollen schmelzen, könnte die Antarktis schon bald einen No-Return-Punkt erreichen:

  • Hunderte Meter hohe Eisklippen könnten dann dem (sich erwärmenden) Ozean ungehindert ausgeliefert sein
  • Die Folge davon wäre, dass die Klippen instabil werden
  • Und so würden sie dann nach und nach zusammenbrechen, was zu einem Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter führen könnte

Point of no Return

Biodiversität

Eine weitere Auswirkung hat die Erwärmung der Antarktis auf die Pinguinpopulation. François Gouraud berichtet:

“Im Adélieland (= von Frankreich beanspruchter Teil der Antarktis) gab es 2015 und 2016 im Sommer starke Regenfälle, was sehr ungewöhnlich ist. Dadurch wurden die Pinguinküken nass, die als solche daran nicht gewöhnt sind. Als Folge davon sind viele von ihnen erfroren. Es kam in dieser Generation zu einem Massensterben."

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🧐 Und jetzt?

Es ist noch nicht alles verloren! Die drei Forscher sind sich einig: Der einzige Weg, das zu stoppen, ist der, den Klimawandel zu verlangsamen 👉 unseren Treibhausgasausstoß zu reduzieren.

Dafür hat das IPCC einen Plan erstellt, der unter anderem vorsieht, von fossilen Brennstoffen auf Energien umzusteigen, die weniger Treibhausgase ausstoßen.

Es gibt auch einige Leute, die sich vorstellen können, das Wasser aus dem Südpolarmeer ins Innere des Kontinents zu pumpen, damit es dort wieder gefrieren kann… “Das ist aber unrealistisch, weil es sehr energieaufwändig und teuer wäre und man das Ganze nicht richtig kontrollieren kann”, so Krinner und Gagliardini.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Ozean?

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👀 Quellen

François Gouraud vom Wetterdienst Météo-France
Gerhard Krinner von CNRS in Grenoble (hat zum IPCC 2021 beigetragen)
Olivier Gagliardini, Professor an der Université Grenoble Alpes Institut des Géosciences de l'Environnement
IPCC-Bericht
Le Monde
AFP
Le Point

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Esther Meunier
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