Startseite
Menschen, die einem Vortrag zuhören
5 min

Innovationen und grüne Technologien: Das ARC Festival

Unter dem Motto “The ARC – Let‘s Drive Innovation” ging es zwei Tage lang (22. – 23. Juni 2022) in 15 verschiedenen Veranstaltungen unter anderem über grünen Wasserstoff, Luftfahrt, grünere Baustoffe oder darum, wie generell Industrie und Klimaschutz besser vereint werden können.

„Wir möchten als Think Tank gemeinsam mit Entscheidungsträger:innen auf allen Ebenen dazu beitragen, dass alternativlose Klimatechnologien schneller skaliert werden. Klimaziele erreicht man nur durch konkrete Emissionsreduzierung, nicht durch wohlwollende Worte“ - Dr. Peter Schniering, Gründer von Future Cleantech Architects und Veranstalter von The ARC.

Neben mehreren UN-Organisationen waren auch Vertreter:innen der Europäischen Kommission, dem Auswärtigen Amt, Delegationen aus Nigeria, Kenia, Ägypten und anderen stark wachsenden Volkswirtschaften, sowie europäischen Start-Ups im Bereich Klimatechnologie und Vertreter:innen der lokalen Wirtschaft vor Ort. Auch Unternehmen aus der Schwerindustrie, wie thyssenkrupp und Verbände wie die Global Cement and Concrete Association (GCCA) waren dabei. Statt in Paris oder New York haben sie in einer der wenigen verbleibenden deutschen Industriestädte zusammengefunden.

Das Festival schaute vor allem auf die Tech-Branche. In Zeiten der Digitalisierung, wo fast durchgehend Handys, Computer und vieles mehr Strom saugen und somit viel Energie verbrauchen, ist es unerlässlich, klimaschonende Lösungen zu entwickeln.

“Ich weiß, dass im Tech-Bereich noch große Einsparpotenziale einzuholen sind, was Treibhausgasemissionen angeht. Man schätzt, dass die gesamte Tech-Branche weltweit ungefähr genauso viel Treibhausgas emittiert, wie der gesamte globale Luftverkehr. Also richtig viel!”// Hinrich Thoelken, Botschafter und Sonderberater für internationale Klima- und Energiepolitik | Auswärtiges Amt Berlin.

Natürlich wollten wir kein Drumherumgerede, sondern wollten wissen, welche Technologien es konkret braucht, um etwas gegen den Klimawandel zu tun.

“Ich denke, es braucht mehrere verschiedene Technologien, aber es gibt ein paar Dinge, die neue Möglichkeiten schaffen: Zum Beispiel erneuerbares Erdgas. Dafür müssen wir Bewusstsein schaffen und schnell handeln. Und wir können schnell handeln! Es gibt nämlich keine technologischen Hindernisse, erneuerbares Erdgas zu produzieren. Und es kann auch bei der Lebensmittelverwendung helfen oder der Verschwendung von organischer Biomasse, sodass wir sie in ein erneuerbares natürliches Gas umwandeln können, anstatt sie wegzuwerfen. Und man könnte natürliches Gas in Pipelines ersetzen." - Anouk Kendall, Präsidentin von Decentralized Energy in Kanada (setzen sich für eine Entwicklung der dezentralen Energieversorgung ein).


In einer Runde zum Thema Zement, kam die Problematik ziemlich schnell auf den Tisch: Wäre die Zement-Industrie ein Staat, wäre er nach China der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen auf der Welt. Grund genug, um sich über “grünen” Zement und klimafreundlichere Alternativen Gedanken zu machen.

Der Vizepräsident des Club of Rome (1968 gegründete, gemeinnützige internationale Organisation, die sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt), Carlos Alvarez Pereira, hat in der Diskussion darüber, wie Cleantech-Innovationen angetrieben werden können, ziemlich klare Worte gefunden für das enorme Wachstum (und auch den Wohlstand), die seit Jahren auch durch Technologie in fast allen Lebensbereichen entstanden sind. Unter anderem zitierte er Uno-Generalsekretär Guterres, der die “Kollateralschäden” dieses enormen Wachstums benannte: Klimawandel und Ungleichheit. Beides hat er deutlich kritisiert. Er sprach außerdem über die "allgemeine Frustration" im Klimaschutz, wie sie entstanden ist und mögliche Lösungsansätze, die ein Umdenken erfordern. Für ein Umdenken könnten wir von der Natur lernen und von anderen Ländern.

Andreas Kuhlmann, der stellvertretende Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur, rief die junge Generation auf, sich aktiv einzubringen. In NGOs, Start Ups, der Forschung oder politischen Parteien. Mit anderen, die an dem gleichen Ziel arbeiten, aber etwas Neues mitbringen:

“Dran bleiben! Es ist die Zukunft, es macht Riesenspaß und es ist vieles möglich. Man überschätzt das, was man in einem Jahr schaffen kann. Aber man unterschätzt das, was in zehn Jahren geht. Die nächsten zehn Jahre – das ist eure Zeit! Helft mit!” - Andreas Kuhlmann, der stellvertretende Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur.

Ironischerweise sind es gerade junge Menschen, die immer noch vergleichsweise wenig Mitspracherecht in der Klimadebatte haben. Obwohl die junge Generation ja diejenige ist, die noch am Längsten mit den Folgen des Klimawandels leben muss. Das fand auch einer der jüngeren Besucher und Panelisten, Ben Santhouse-James:

"Nicht nur im öffentlichen Bereich, auch im privaten Sektor und in der Wirtschaft haben wir kein Mitspracherecht. Das ändert sich jetzt und es sind immer mehr junge Vertreter:innen bei den Vereinten Nationen” - Ben Santhouse-James, Student aus Großbritannien.

Aber er wünscht sich nicht nur mehr Austausch im privaten Sektor, mit Vorständen und im Busisness-Bereich, wie es hier in Remscheid möglich war.

"Immerhin sind wir sind die jungen Menschen, die die nächsten Jahrzehnte für euch arbeiten werden” - Ben Santhouse-James, Student aus Großbritannien.

Und so wünschen sie sich die Unternehmen, in denen sie arbeiten werden: austauschfähig und innovativ in Sachen Klimaschutz...

Obwohl die meisten Speaker der älteren Generation angehörten, war das Publikum durchmischt. Das ARC war zum Glück auch keine rein weiße Veranstaltung. Es waren auch Vertreter aus dem globalen Süden dabei, zum Beispiel aus der Afrikanischen Energie Kammer (African Energy Chamber). Wir haben uns die Frage gestellt, ob und wie jeder auf der Welt (unabhängig von Finanzen etc.) Zugang zu neuen Technologien bekommen kann. Denn der Planet kann schließlich nur als Ganzes und nicht nur in Teilen gerettet werden, also ist wichtig, dass der globale Süden nicht hinten runter fällt.

"Wenn wir arme Menschen hintendran lassen ohne Zugang zu Strom und Geldern, werden wir keine richtige Veränderung haben und die Klimadebatte wird zu einer Debatte der Elite. Ich komme aus einem Land, in dem 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu Strom haben, 900 Millionen Menschen können nicht sauber kochen. Eine Kanne Tee, die in Großbritannien zweimal am Tag aufgesetzt wird, verbraucht mehr Strom, als manche afrikanische Familien in einem ganzen Jahr. Diese Ungerechtigkeit dürfen wir nicht mit in eine neue Ära nehmen, wir müssen inklusiver werden.” - NJ Ayuk, African Energy Chamber Johannesburg.

Andere Eindrücke und Interviews, die wir vom ARC für euch mitgebracht haben, findet ihr auf unserem Insta-Kanal.

Mehr zu Technologien: Wird Geoengineering uns im Kampf gegen den Klimawandel retten?

author image
Rachel Patt
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.