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Mädchen mit einem Schulranzen
2 min

Mehr Bildung für Mädchen im Kampf gegen den Klimawandel

Worum geht’s?

Um die Schulbildung von Mädchen: 130 Millionen Mädchen auf der Welt erhalten nämlich keine. Dabei könnte dies eine Lösung sein, um den Klimawandel zu bewältigen!

“Einerseits ist der Klimawandel eine Hürde für die Bildung von Mädchen, aber auf der anderen ist jede Investition in ihre Schulbildung ein Beitrag zum Wohlergehen des Planeten.” - Malala Yousafzai, Aktivistin für Zugang zu Schulen für Mädchen und jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Geschichte


Warum lohnt sich das?

Die Verbindung ist vielleicht nicht ganz offensichtlich, doch drei zentrale Gründe deuten darauf hin, dass Investitionen in die Schulbildung für Mädchen beim Kampf gegen den klimawandel und seine Auswirkungen wirksam sind.

Grund Nr. 1: Der Planet braucht sie

In ihrem Buch “Unser Haus steht längst in Flammen” erklärt die ugandische Aktivistin Vanessa Nakate:

“Mädchen und Frauen stellen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung dar. Wenn wir diese Klimakrise richtig bewältigen wollen, brauchen wir die Frauen in den Räumen, in denen die Entscheidungen getroffen werden, die das Klima beeinflussen [...]. Mädchen Zugang zu Bildung geben, heißt auch, ihnen Zugang zu diesen Räumen zu ermöglichen, und mehr Ansätze und Lösungen von zukünftigen Leaders zu bekommen.“ - Vanessa Nakate


Die Message ist simpel: All diese Mädchen, denen die Schulbildung verwehrt bleibt, sind Lehrerinnen, Anwältinnen, NGO-Mitglieder, Politikerinnen oder Klimawissenschaftlerinnnen, die wir weniger haben.

Vanessa Nakate fügt in einem Artikel für Wired hinzu:

“Während dieser Pandemie haben wir gesehen, dass Frauen in Führungspositionen uns aus Krisen herausholen können. Aus Studien geht hervor, dass von Frauen regierte Staaten am meisten dazu tendieren, Umweltabkommen zu schließen.“ - Vanessa Nakate


Das lässt sich mit den Geschlechterstereotypen erklären, da “sich kümmern”/ “acht geben” (auf andere und auf die Umwelt) mit Weiblichkeit verbunden wird → männliche Leader nehmen weniger Rücksicht auf den Planeten…

Grund Nr. 2: Sie brauchen den Planeten

Bildung ist auch ein wertvolles Werkzeug für die jungen Frauen, die vom Klimawandel betroffen sind/sein werden. Bei einer Konferenz, die von der New York Times im Rahmen der COP26 organisiert wurde, erzählte Vanessa Nakate, dass es in ihrer Kindheit Mädchen nicht erlaubt war, auf Bäume zu klettern.

“Aber um eine Überschwemmung zu überleben, muss man auf Bäume klettern können. Wenn Mädchen und Frauen sich also nicht auf Bäumen in Sicherheit bringen können, sind sie im Notfall in Gefahr.” - Vanessa Nakate


Das ist nur ein Beispiel und nicht unbedingt das erste, woran man denkt, wenn es um Schulbildung geht. Dasselbe gilt aber auch für ganz viele andere Skills, bei denen Mädchen benachteiligt werden:

  • Mit dem Anbau, den Böden und Wasser umgehen
  • Mit Naturkatastrophen umgehen
  • Finanziell unabhängig sein
  • Ihr Wissen in ihrer Community weitergeben und somit besser gegen den Klimawandel gewappnet sein

Grund Nr. 3: Bessere Bildung, um eigene Lebensentscheidungen treffen zu können

Was hat das mit dem Klimawandel zu tun? Neben dem, was wir oben schon sagten (Frauen in wichtigen Positionen und eigene Sicherheit) → Je gebildeter, desto weniger Kinder haben Frauen im Durchschnitt, vor allem wegen des besseren Zugangs zu Verhütungsmitteln.

“Mädchen, die zur Schule gegangen sind, werden Frauen mit wirtschaftlichen und politischen Kompetenzen und sind seltener dazu verpflichtet zu heiraten und früh Kinder zu bekommen.” - Vanessa Nakate, in Wired


Das Projekt Drawdown hat die Ausbildung von Mädchen (und damit einhergehend den besseren Zugang zu Verhütung) sogar auf Platz 5 der wirksamsten Lösungen gegen den Klimawandel platziert, weil sie dadurch weniger Kinder bekämen → damit wäre es möglich, zwischen 2020 und 2050 85,42 Gigatonnen CO2-Äquivalent an Emissionen einzusparen. “Das sind fast so viel, wie 10 Jahre Emissionen aus China”, erklärt Vanessa Nakate.

Dieses Argument wird von anderen Aktivist:innen und Autor:innen wie Ian Angus und Simon Butler kontrovers diskutiert, da sie davon ausgehen, dass das Bevölkerungswachstum nicht Schuld an der Klimakrise ist.

→ Sie prangern an, dass dieses Argument die Verantwortung für die Klimakrise an Frauen benachteiligter Länder abgibt, obwohl die meisten Emissionen aus reicheren Ländern kommen. Außerdem hat es teilweise dazu geführt, dass den Frauen ihre sexuelle und reproduktive Selbstbestimmtheit genommen wurde (durch Zwangssterilisation zum Beispiel).

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🧐 Und jetzt?

Doch auch ohne das letzte Argument gibt es zwei gute Gründe dafür, in die Bildung von Mädchen zu investieren (+ das Menschenrecht auf Bildung, natürlich).

Um das umzusetzen, muss

- Schulbildung bezahlbar sein

- Die Enfernung zur Schule verringert werden

- Schule für Mädchen zugänglicher sein (Schutz vor Belästigungen, Zugang zu richtigen Sanitäreinrichtungen und Hygieneprodukten, um gegen die Perioden-Armut* vorzugehen, etc.)

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🔍 Was bedeutet…

CO2-Äquivalent: Vom IPCC entwickelte Einheit zum einheitlichen Messen und Vergleichen verschiedener Treibhausgasemissionen und ihrer Auswirkungen auf die Klimaerwärmung.

Perioden-Armut: Geldknappheit beim Erwerb von Produkten der Menstruationshygiene → kann dazu führen, dass Mädchen den Unterricht verpassen.

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👀 Quellen

NYT Climate Hub conference
Vereinte Nationen
Wired
"Unser Haus steht längst in Flammen" von Vanessa Nakate
OECD
UNFCCC
Drawdown Project
The Washington Post
The Yikes podcast
Usbek et Rica
Mikaela Loach

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Esther Meunier
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