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Ein Holzofen
3 min

Heizen mit Holz – nicht so klimafreundlich, wie es scheint

Die Auswirkungen des Ukrainekriegs bekommt ganz Europa zu spüren: Viele sorgen sich vor allem um steigende Gasabrechnungen. Die Heizung nicht aufdrehen, Strom sparen und nicht zu lange heiß duschen sind nur einige Dinge, die aktuell jeder und jede kennt. Ein weiterer Trend, um Energie zu sparen, ist das Heizen mit Holz – also den Raum erwärmen durch Feuer im Kamin oder eine Pelletheizung. Rund eine halbe Million Haushalte in Deutschland nutzen laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Holz als primäre Energiequelle. Im vergangenen Jahr war dieser Trend laut dem Statistischen Bundesamt etwas zurückgegangen - nur noch 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung haben Holz als Heizenergie verwendet.

Eine boomende Branche


Jetzt allerdings boomt die Branche: Viele haben seit Beginn der steigenden Kosten für Strom und Gas wieder angefangen, mit Holz zu heizen. Im ersten Halbjahr 2022 wurden zwölf Prozent mehr Pelletheizungen verkauft, als noch 2021 – das sind gut 32.000 Stück. Grund ist oft der günstigere Preis aber auch der Aspekt der Nachhaltigkeit von Holz, mit dem geworben wird. Denn Holz wird oft als besonders klimafreundlicher Brennstoff beschrieben, weil das entstandene CO2 nach dem Verbrennen in der Atmosphäre landet und von Bäumen dann wiederum gefiltert werden kann. Viele wissen nicht, inwiefern das genau das auch der Umwelt schadet.

Es kann ganze Jahrzehnte dauern, bis das bei der Verbrennung freigesetzte Kohlendioxid durch nachwachsende Bäume aus der Atmosphäre verschwunden ist. Und das ist langfristig ein Problem: Durch den Anstieg der CO2-Teilchen in der Atmosphäre wird und kann immer weniger der von der Erde abgestrahlten Wärme ins Weltall entweichen. Das führt dazu, dass die Temperaturen auf der Erde steigen und sie sich erwärmt. Holzverbrennung trägt wesentlich dazu bei. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat herausgefunden, dass bei der Verbrennung von Holz sogar mehr Schadstoffe freigesetzt werden, als bei Öl oder Gas – dazu gehören zum Beispiel:

  • Stickoxide
  • Methan
  • Ruß
  • Kohlenmonoxid
  • Feinstaub

Schäden durch Feinstaub

Laut Umweltbundesamt entsteht durch das Verbrennen von Holz sogar mehr Feinstaub als durch den Verkehr von Pkw, Lkw und Bussen in Deutschland. Das kann insbesondere für die Lunge gesundheitsschädlich sein und deshalb sagen viele Forscher:innen, es sei ein immenser Fehler, Holzenergie als nachhaltig und klimaneutral zu bezeichnen. Dass die Emission von Schadstoffen in der Luft durch Holzfeuer ein Problem ist, sieht auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Das Europaparlament stimmte daher Mitte September dafür, die Menge an Holz für Energiegewinnung zu verringern und Fördermittel einzuschränken. Trotzdem gilt Holzverbrennung weiterhin als klimafreundliche, erneuerbare Energie.

Das stimmt aber nicht: Heizen mit Holz ist mehr als nur eine gemütliche und warme Atmosphäre zur kalten Jahreszeit – es kann zum echten Umweltkiller werden. Auch der Vorwand der „günstigeren Alternative“ schwindet langsam: Im August lag der Holzpreis bei 86 Prozent mehr als im Vorjahr. Gründe dafür sind neben der Nachfrage auch die erschwerten und teileweise langen Transportwege sowie die Beschaffungskosten.

Worauf achten?


Bedeutet das jetzt, dass wir fürs Klima gar nicht mehr den Kamin anmachen dürfen? Die Antwort lautet: Nein. Natürlich ist es weiterhin okay, mal Feuerholz zu verbrennen, wenn man einen Kamin zu Hause hat. Aber wenn es so oft gemacht wird, wie aktuelle Trends es zeigen, schadet es der Umwelt – eine richtige Alternative ist es also nicht. Wichtig ist beim Verfeuern von Holz ist vor allem, dass die Schadstoffe nicht in den Waldboden gelangen. Denn das löst Austrocknung und den ungewollten Abbau von Kohlenstoff aus. Wer gar nicht auf die Kaminatmosphäre zur kalten Jahreszeit verzichten kann, sollte vor allem auf die Herkunft des Holzes achten. In osteuropäischen Ländern stammt das Holz oft aus Wäldern, die ohne Rücksicht auf die Umwelt abgerodet werden. Gütesiegel der nachhaltigen Forstwirtschaft helfen, gutes von umweltschädlichen Holz zu unterschieden. Zudem lohnt es sich, die Feuchtigkeit im Holz zu messen – denn je feuchter das Holz, desto mehr Feinstaub entsteht beim Verbrennen. Wichtig ist auch im Hinterkopf zu haben: Wie wurde mein Holz getrocknet? Denn wenn das in einer Hallte geschehen ist, die mit Gas oder Öl beheizt wurde, dann bringt der Aspekt der Nachhaltigkeit beim Heizen im Kamin auch nicht mehr viel.

Alternative Lösungen

Was kann ich stattdessen tun, um mich im Winter warmzuhalten und trotzdem nachhaltig zu sein? Die einfachste Lösung ist das Integrieren von Kleinigkeiten in den Alltag: Jalousien und Vorhänge nachts zumachen, Türen schließen und Fester abdichten (allerdings das regelmäßige Stoßlüften nicht vergessen, um Schimmelbildung zu vermeiden). Ist ein Raum gut abgedichtet, kann viel wertvolle Wärme gespeichert werden und geht nicht verloren. Auch Heizungsrohre sollten gut gedämmt sein, um den Wärmeverlust zu reduzieren. Die Heizung regelmäßig überprüfen und Heizungspumpen ggf. austauschen, damit keine Energie umsonst erzeugt wird. Viele Teppiche (an Wänden und auf dem Boden) speichern zudem Wärme. Den Backofen nach der Benutzung offenlassen, das macht die Küche auch direkt viel wärmer und nutzt Resthitze.

Auch die Ernährung kann im Winter wärmen: Als besonders wärmend gelten zum Beispiel Kürbis, Rote Bete, Pastinake, Petersilienwurzel oder Kohl, aber auch Zwiebeln und Lauch. Zu den wärmenden Obstsorten im Winter zählt der Verzehr von Zwetschgen oder Granatäpfel.

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👀 Quellen

DPA
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
Umweltbundesamt
Karlsruher Institut für Technologie
Deutscher Energieholz und Pellet-Verband
Bundesverbands für Brennholzhandel und Brennholzproduktion
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
BR
NDR
MDR
Süddeutsche Zeitung
Verbraucherzentrale

Von Philine Elster