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Windräder auf grünem Grund
5 min

Erneuerbare Energien: So findest du einen guten Ökostrom-Anbieter

"Ökostrom"-Tarif - heisst das aus der Steckdose kommt 100 % Ökostrom?
  • Nun ja, das erscheint logisch
  • Ich habe das Gefühl, dass es einen Haken gibt...

Stell dir mal vor, der gesamte Strom in Deutschlands Stromnetz bildet einen großen See. Dieser See besteht aus zwei Arten von Wasser:

  • grünes Wasser, das aus erneuerbaren Energie-Quellen* (Sonne, Wind, Wasser, Biogas) gewonnen wird
  • Und lila Wasser, das aus nicht erneuerbaren Energie-Quellen (Kohle, Erdgas, Atomenergie) gewonnen wird.

Die Netzbetreiber sind diejenigen, die Kanäle zwischen den Quellen (den Erzeugern) und dem See (dem öffentlichen Stromnetz) graben.

Wenn du einen Ökostrom-Vertrag abschließt, verpflichtet sich dein Anbieter das von dir benötigte grüne Wasser in den See zu leiten.

Außerdem muss er ein Zertifikat, den so genannten Herkunftsnachweis, erwerben. Dieses Dokument beweist, dass das Wasser, das neu in den See fließt, aus einer grünen Quelle stammt. Dabei gibt es einen Haken, aber dazu kommen wir noch.

Nun kommen wir wieder zum Anfang zurück: Sobald der Strom in das Stromnetz eingespeist ist, kann man nicht mehr unterscheiden, woher der Strom kommt.
Es ist unmöglich zu wissen, ob der Strom, der z.B. deine Lampe zum Leuchten bringt, aus Quelle A oder B stammt.

Aber warum soll ich dann überhaupt einen Ökostrom-Tarif nehmen?

Nun, wenn das alle machen, wird der See - um es mit dem Bild von eben zu sagen - nach und nach nur noch aus erneuerbaren Quellen gespeist und er wird sich mit 100% grünem Wasser füllen.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg:

Im Jahr 2019 haben knapp 13 Millionen Menschen in Deutschland Ökostrom bezogen. Das ist weniger als jede:r Sechste.

Hast du alles verstanden?
  • Auf jeden Fall
  • Ich kann euch nicht folgen

Warum Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist!

Leider ist das noch nicht alles. Denn es gibt etwas vereinfacht gesagt zwei Kategorien von Ökostrom-Anbietern:

  • Diejenigen, die Ökostrom und Herkunftsnachweise von einem einzigen Erzeuger bekommen
  • Und diejenigen, die Strom und Nachweise von zwei verschiedenen Erzeugern kaufen

Ja, das geht. Denn man kann auch Strom aus nicht erneuerbaren Quellen nehmen und ihn mit Herkunftsnachweisen von Grünstrom grün “färben”. Das ist legal und gängige Praxis. Der echte Grünstrom, von dem die Nachweise stammen, wird dann zu Graustrom “abgewertet”.

Auf den ersten Blick macht das keinen großen Unterschied, denn in beiden Fällen wird Ökostrom produziert und ins Netz eingespeist. Aber: nicht erneuerbaren Strom mit grünen Herkunftsnachweisen versehen ist für die Anbieter häufig billiger, als echten Ökostrom zu kaufen.

Und: Umwelt- und Naturschutzorganisationen kritisieren diese “Umetikettierung”. Tatsächlich ist die Frage, ob diese den Ökostrom-Ausbau wirklich voranbringt. Denn häufig stammen die Herkunftsnachweise von alten Anlagen in Skandinavien, Österreich und der Schweiz, die Überschüsse produzieren und längst abgeschrieben sind. Neue Anlagen werden kaum gebaut und wenn, nicht in Deutschland. Die Energiewende kommt also nicht voran.


Was macht einen “guten” Ökostrom-Anbieter aus?

Es gibt eine Menge Tests, Zertifikate und Siegel für Ökostrom. Manche sind besser, andere schlechter. Wichtig ist in der Regel:

  • Der Anbieter ist unabhängig von Kohle- und Atomstrom. Er vermarktet also nur Ökostrom und gehört selbst nicht zu einem Energieanbieter, der nicht erneuerbaren Strom verkauft.
  • Der Anbieter fördert den Ausbau der erneuerbaren Energien. Es wird also Geld in neue Anlagen gesteckt, was den Anteil der Erneuerbaren potenziell weiter erhöht.
  • Es gibt keinen Handel mit Zertifikaten, die nicht erneuerbaren Strom zu Grünstrom machen.
  • Die Verträge haben faire Konditionen und kurze Kündigungsfristen.

Wir von NOWU haben uns einige verlässliche Tests, Reports und Siegel angeschaut (Ökotest, Eco Top Ten, Robin Wood Ökostrom-Report, Grüner Strom-Label bzw. ok-power-Siegel) und vier Anbieter gefunden, die bei den Tests/Reports oben am besten abgeschnitten haben und in ganz Deutschland aktiv sind.

  • Elektrizitätswerke Schönau (EWS), Greenpeace Energy, Naturstrom und Polarstern
  • Aber: Es gibt auch kleinere Unternehmen, die nicht von Ökotest getestet wurden, für die die Zertifizierung zu teuer ist oder die nur Strom in der Region verkaufen. Auch die können “guten” Ökostrom verkaufen.

Ökostrom ist nicht unbedingt teurer! Häufig ist ein “guter” Ökostrom-Tarif sogar günstiger als der normale Tarif bei deinen Stadtwerken (Grundversorgung). Auf Vergleichsportalen kannst du die besten Angebote finden, aber achte auf die Siegel!

PS: Ökostrom ist gut, aber Strom sparen ist noch besser.

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🔍 Was bedeutet...

erneuerbare Energien: Energie aus nicht-fossilen Quellen, zum Beispiel: Sonne, Wind und Wasser. Bei der Produktion des Stroms verursachen sie keine Treibhausgasemissionen.

kWh: Maßeinheit für Energie (1kWh = die Energiemenge, die eine Waschmaschine braucht um einmal zu laufen)

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👀 Quellen

Ademe
Finanztip
Grüner Strom Label
ok-power
Quarks
Robin Wood
Statista
Tagesschau

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Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro