Eine Bankkarte aus der eine Pflanze wächst. Der Hintergrund ist grün.
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Green Banking: Nicht alle Banken sind nachhaltig und klimafreundlich!

Zunächst mal ganz basic: Deine Bank „arbeitet“ mit dem Geld, das du ihr über dein Konto anvertraust. Sie kann zum Beispiel Kredite an Unternehmen vergeben, die damit neue Maschinen kaufen. Geld, das sie nicht als Kredit weitergibt, kann sie selbst am Kapitalmarkt investieren, also zum Beispiel in Unternehmensanteile (Aktien) stecken.

Bank ist nicht gleich Bank!

Allerdings spielt es für die meisten Banken kaum eine Rolle, was genau die Unternehmen mit dem Geld anstellen. Konventionelle Banken verleihen das Geld auch an Rüstungsfirmen, die Kohleindustrie oder andere klimaschädliche und unethische Branchen. Und sie nehmen zum Teil keine Rücksicht darauf, ob diese mit ihren Investments Kinderarbeit tolerieren oder andere Menschenrechte verletzt werden.

Keine der 14 größten deutschen Banken handelt bei ihren Geschäften wirklich nachhaltig. Das zeigt das Bankenrating der Umweltschutzorganisation WWF. Ihr ernüchterndes Urteil: Die großen konventionellen Banken seien „nicht zukunftsgerecht“ aufgestellt.

Zum Glück ticken die nachhaltigen Banken anders. Sie investieren dein Geld auf möglichst unschädliche Weise. So finanzieren sie etwa Unternehmen und Projekte, die zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Also Solar- und Windparks oder Naturkosmetikhersteller. Investments in Atomkraft oder Tierversuche sind in der Regel tabu. Das nennt man Ausschlusskriterien beim Investment.

CO2 gibts oft gratis dazu

Eine niederländische NGO hat es vorgerechnet: Wenn man 1.000 Euro auf einem konventionellen Sparkonto anlegt, sorgt dies im Schnitt für einen CO2-Ausstoß von 117 kg im Jahr. Bei einem Guthaben von 5.000 Euro liegt man also schon bei über einer halben Tonne CO2 jährlich.

Zu den größten grünen Banken in Deutschland zählen GLS Bank, EthikBank, Triodos Bank (und die UmweltBank; hier gibt es allerdings kein Girokonto). Vergleichsweise neu auf dem Markt ist der Bankinganbieter Tomorrow. Wir stellen sie euch kurz in alphabetischer Reihenfolge vor (bis auf die Umweltbank, weil du da kein Konto eröffnen kannst)...

Übrigens: Neben diesen "Ökobanken" gibts auch christliche Banken. Die haben strengere Regeln als „konventionelle“ Banken, was Kredite und Investments angeht. Zum Teil sind sie so was wie „halbe Ökobanken“, aber die Nachhaltigkeit ist eben nur ein Kriterium für diese Banken. Bei den katholischen Kirchenbanken werden beispielsweise börsennotierte Klinikkonzerne, die Abtreibungen praktizieren, vom Investment ausgeschlossen.

Der Fair Finance Guide Deutschland bewertet übrigens diese drei Banken am besten: GLS Bank, EthikBank und Triodos Bank. Die Tomorrow-Bank hat sie bisher nicht bewertet, aber ein Factsheet rausgebracht.

Würdet ihr mehr zahlen für ein grünes Konto?
  • Auf jeden Fall
  • Eher nicht...

EthikBank

  • Gegründet 2002
  • Hat rund 36.000 Kund:innen
  • Rechtsform: Genossenschaft. Das heißt, Kund:innen können Mitglied werden und haben dann ein Stimmrecht bei wichtigen Entscheidungen.
  • „Die EthikBank arbeitet absolut transparent und legt alle Geschäfte lückenlos in der ‚gläsernen Bank‘ auf ihrer Internetseite offen“, sagt Sprecherin Jeanette Zeuner. Man kann also genau sehen, wofür die Ökokredite vergeben werden.
  • Investiert unter anderem in die energetische Sanierung von Wohnhäusern
  • Investiert nicht in Kinderarbeit, Klimakiller oder Kriege

GLS Bank

  • Gegründet 1974 (älteste nachhaltige Bank)
  • Hat rund 320.000 Kund:innen
  • Rechtsform: Genossenschaft
  • Veröffentlicht alle Kredite regelmäßig im Kundenmagazin „Bankspiegel“. „Wir sind die einzige Bank, deren Kreditportfolio nachweislich dem Pariser Klimaabkommen entspricht“, sagt Sprecher Lukas Feldmann.
  • Investiert unter anderem in Tankstellen mit grünem Wasserstoff
  • Investiert nicht in Rüstung, fossile Energien, Pestizide

Tomorrow

  • Gegründet 2018
  • Hat rund 110.000 Kund:innen
  • Partner im Hintergrund ist die Berliner Solarisbank: Dort liegen auch die Girokonten, weil Tomorrow als Bankingdienstleister keine eigene Banklizenz hat.
  • Das Fintech -Unternehmen will Nachhaltigkeit mit modernem digitalen Banking verbinden. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch App-Features wie zum Beispiel ein CO2-Rechner, sagt Sprecherin Lilli Staack.
  • Investiert unter anderem in Energiewende und sozialen Wohnungsbau
  • Investiert nicht in Kohle und Rüstung

Triodos Bank

  • Gegründet 2009 (deutsche Niederlassung)
  • Hat hierzulande rund 35.000 Kund:innen
  • Gehört zur niederländischen Triodos Bank N.V., die international aktiv ist. „Bis heute macht die Triodos Bank in allen Ländern nur das klassische Bankgeschäft, in dem sie das Geld ihrer Kunden in nachhaltige Projekte der Realwirtschaft investiert“*, erklärt Sprecher Florian Koss.
  • Investiert unter anderem in Ökostrom, Bildungsinitiativen und Pflegeheime (umfangreiches Impact-Reporting* auf der Webseite)
  • Investiert nicht in Waffen, Glücksspiel und Tierversuche
Brauchtet ihr diese Übersicht über die Banken?
  • Naja, ganz interessant!
  • Ehrlich gesagt: Nein!

Das kostet ein nachhaltiges Girokonto

Grüne Produkte sind oftmals teurer als konventionelle. Und so gibt es auch das Green Banking* nicht für lau. Das grüne Girokonto kostet bei unseren Beispielbanken zwischen 1 und 15 Euro im Monat, je nach Kontomodell. Hier gibt es eine Übersicht für Kund:innen unter 27 Jahren (ob Schüler:in, Azubi oder Student:in spielt keine Rolle) und unter 18:

Grafik mit den Kosten für grüne Konten bis 18 und zwischen 18 und 27

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🔍 Was bedeutet...

Green Banking: Englisch für alternative Bankgeschäfte, bei denen Privatbanken soziale und ökologische Belange beachten und sich damit für Nachhaltigkeit stark machen

Girokonto: Ein solches Konto kann man bei vielen deutschen Banken schon im Alter von 7 Jahren eröffnen. Darüber lassen sich verschiedene Bankgeschäfte abwickeln

Impact Banking: „Impact“ bezeichnet in diesem Fall die Wirkung, die eine Bank durch ihre Geldgeschäfte auf Menschen und Umwelt hat

Realwirtschaft: Teil der Gesamtwirtschaft, der nicht zur Finanzwirtschaft (Finanzmarkt) gehört, sondern sich mit realen Dingen wie Waren und Dienstleistungen befasst

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👀 Quellen

Stiftung Warentest
Utopia
WWF
„Die Farbe des Geldes“


Von Gesa Schölgens