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Eine stilisierte Flagge Chinas
5 min

Wer ist verantwortlich für den Klimawandel? Die Schuld liegt nicht nur bei China

2019 war China für 27% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich… Und der Abstand zum 2. Platz der Liste ist groß - die USA haben “nur” 11% beigetragen.

→ Deshalb hört man oft, dass die Klimaerwärmung die Schuld Chinas sei. Und, dass jede Bemühung hier nichts bringe, solange China tatenlos bleibt.

Es ist allerdings nicht ganz so einfach! Drei Expertinnen erklären, warum:

  • Claire Joachim, Juristin, Expertin für vergleichendes Recht und Umweltrecht

  • Nathalie Bastianelli, Autorin von Quand la Chine s’éveille verte… (= Wenn China grün erwacht…)

  • Lola Vallejo, Leiterin des Klimaprogramms des IDDRI (Institut für nachhaltige Entwicklung und internationale Beziehungen)

Behauptung: China hat man meisten Treibhausgase ausgestoßen. Historisch gesehen stimmt das nicht!

Es gibt verschiedene Methoden, wie Emissionen berechnet werden können, erklärt Lola Vallejo.

“Die Ursache des Klimawandels ist der Ausstoß von Treibhausgasen mit sehr langer Lebensdauer, also spielen auch längst vergangene, hundert Jahre alte Emissionen eine sehr wichtige Rolle für unsere heutigen Probleme.”
Lola Vallejo

Wenn wir es so sehen, ist nicht China der größter Verschmutzer, sondern die USA.

Ok... Aber heute ist es das Land mit den größten Emissionen. China vielleicht, aber nicht die chinesische Bevölkerung.

Kumulative Treibhausgasemissionen zwischen 1850

China trägt sehr viel zur weltweiten Verschmutzung bei, es ist aber auch ein sehr bevölkerungsreiches Land… Betrachtet man die Emissionen pro Einwohner:in, ist das Land nicht mehr die Nr. 1.

Wie viele Tonnen Co2 emittiert ein:e US-Amerikaner:in im Jahr?
  • 9,8 Tonnen Co2-Äquivalent*
  • 13,5 Tonnen Co2-Äquivalent
  • 18,2 Tonnen Co2-Äquivalent

Naja... Weltweit gesehen sind die chinesischen Treibahusgasemissionen aber trotzdem überdurchschnittlich! Ja schon, aber wodurch entstehen diese "importierten Emissionen" denn genau?

“China bleibt die “Fabrik der Welt”, also ist es ein bisschen heuchlerisch, das Land zu beschuldigen und gleichzeitig so viele Dinge bei geringen Kosten produzieren zu lassen.”
Claire Joachim

Emissionen, die mit dem Konsum von Dingen zusammenhängen, die aber in anderen Ländern produziert wurden, werden als “importierte Emissionen” bezeichnet. Die Berechnungen dazu sind noch ungenau, doch Schätzungen zufolge entstehen 38% der weltweiten Emissionen nicht dort, wo produziert wird, sondern in einem anderen Land, in dem das Produkt verkauft / konsumiert wird.

Das ist extrem viel! Würde dies mitbedacht werden, sähen die Emissionswerte der Länder ganz anders aus!

Die importierten Emissionen des Vereinigten Königreichs bilden…
  • 21% der Gesamtemissionen des Landes
  • 43% der Gesamtemissionen des Landes
  • 52% der Gesamtemissionen des Landes

Von allen Emissionen, die im Zusammenhang mit dem Konsum in westlichen Ländern stehen, sind laut Lola Vallejo “höchstwahrscheinlich sehr viele aus China importiert”.

Solange China sich nicht für den Klimawandel einsetzt, bringt es auch nichts, hier aktiv zu werden. China tut aber nicht "nichts" für's Klima.

Anders als oft angenommen, ist China alles andere als untätig, was das Klima betrifft.

Das Land hat einige umweltpolitische Rechtsvorschriften, die den europäischen sehr ähnlich sind. Teilweise ist es fast wie copy and paste: Man findet dort die selben Grundsätze, wie z. B. die nachhaltige Entwicklung, das Verursacherprinzip im Bereich der Umweltverschmutzung und das Menschenrecht auf eine gesunde Umwelt…”
Claire Joachim

Tatsächlich scheint es, als hätte die chinesische Regierung begriffen, dass es auch in ihrem Interesse ist, sich für die Umwelt einzusetzen, fügt Nathalie Bastianelli hinzu. Laut ihr blieb China wegen der anhaltenden Luftverschmutzung, den wachsenden Demonstrationen und seinem Streben nach internationaler Anerkennung keine andere Wahl, als klimafreundlicher zu werden.

“Sie investieren enorm viel in erneuerbare Energien und ihr Ziel ist es, den Anstieg der Emissionen bis 2030 stark zu senken und bis 2060 sogar klimaneutral zu werden… Und da China ein autoritäres Regime ist, geht alles, was die Regierung entscheidet, im Eilmarsch voran”.
Nathalie Bastianelli

Im Kampf gegen den Klimawandel geht es vor allem um eine gute Zusammenarbeit!

Auch Lola Vallejo ist sich sicher, dass wir den Kampf gegen den Klimawandel ohne eine gute Kooperation zwischen den Ländern nicht gewinnen werden.“Kein Land sollte sagen, ‘Wir machen das erst, wenn X das gemacht hat’, das macht wirklich keinen Sinn, auch wenn klar ist, dass wir ohne die Unterstützung von China und den USA niemals unter der 2 Grad-Grenze der globalen Erderwärmung bleiben werden.”

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🥜 In a nutshell

Das Argument “China ist doch eh an allem Schuld, bringt doch eh nichts, wenn nur wir was gegen den Klimawandel machen” ist nicht richtig. Das sind die 2 Hauptgründe:

  • Treibhausgasemissionen können unterschiedlich betrachtet werden: China ist also nicht immer auf Platz 1 der größten Verschmutzer

  • Auch tut China nicht “nichts” für das Klima (und selbst, wenn es so wäre, ist das keine Ausrede dafür, in anderen Teilen der Welt nicht aktiv zu werden).

Aber natürlich dürfen wir die Entscheidungen Chinas trotzdem nicht nur gutheißen: China reaktiviert z.B. Kohlekraftwerke → die extremen Emissionen, die daraus resultieren. In einigen Städten spricht man aufgrund der hohen Verschmutzung sogar schon von einer “Airpocalypse”.

Wir sollten die Rolle Chinas daher nicht unterschätzen, das Land aber auch nicht zum alleinigen Verursacher (und zur Lösung) der Klimakrise machen!

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🔍 Was bedeutet…

CO2-Äquivalent: Vom IPCC geschaffene Einheit zum Vergleich der Auswirkungen von Treibhausgasen auf die Klimaerwärmung und zur Berechnung der Emissionen. Dadurch sind einheitliche Messungen möglich


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👀 Quellen

Rhodium Group
Climate Transparency
Carbon Brief
ODI
Haut Conseil pour le Climat
Quarks

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Esther Meunier
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