Eine Person fährt bergab auf Skiiern

FIGHTCLUB ⚡️ Warum der Skispaß bald vorbei sein könnte

3 min
Pauline Vallée
Welches europäische Land hat den größten Anteil an Skifahrer:innen?
  • Schweiz 🇨🇭
  • Österreich 🇦🇹
  • Finnland 🇫🇮

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich der Wintersport, der anfangs nur ein Hobby für die Superreichen war, immer weiter ausgebreitet (auch wenn man weiterhin echt viel Geld dafür braucht💰). Somit ist der Wintersport heute ein milliardenschweres Business.

Der Haken daran: Die Kombi aus Skifahren und Après-Ski mag für den ein oder anderen ganz witzig sein, das kann aber nicht mehr lange gutgehen. Wir haben für dich ein paar Argumente, um zu überlegen, ob du deinen nächsten Winter (wieder) auf Skiern verbringen möchtest.

Argument Nr. 1: Schnee wird immer seltener

Es gibt immer weniger Schnee. Und Surprise: Grund dafür ist der Klimawandel. Durch die steigenden Temperaturen regnet es in den Bergen immer öfter, anstatt zu schneien.

Weniger Schneefall = weniger Schnee in den Bergen = Skifahren wird komplizierter.

Spätestens ab 2030 wird der Rückgang des Schneefalls in vielen Skigebieten zu Problemen führen (vor allem in tiefer gelegenen).

Und jetzt? Kommt drauf an, was wir gegen den Klimawandel tun.

👉 Wenn wir es schaffen, die Auswirkungen zu reduzieren → Wird das Szenario von 2030 mehr oder weniger bis Ende des 21. Jahrhunderts so bleiben.

👉 Wenn die weltweiten Emissionen aber weiterhin ansteigen → Werden Pistenabfahrten bald sehr sehr schwierig (fast sogar unmöglich) sein.

Argument Nr. 2: Skigebiete riskieren einzustürzen

Bergmassive enthalten Permafrost, eine Bodenschicht, die in der Tiefe gefroren bleibt. Dieser Permafrost taut schon jetzt auf (die Gründe dafür erklären wir dir hier).

Dieses Abtauen führt zu einer Veränderung der Bodenstruktur. Früher oder später kann es dadurch zum Einsturz oder zur Destabilisierung der Infrastruktur in den Bergen kommen. Dieses Problem tritt schon jetzt teilweise in den Alpen auf. Also großes Sorry an alle Sessellift-Fans.

Skifahren und Snowboarden ist nicht gut als Massensport

Die Pisten werden von uns Menschen angelegt, indem bestehende Hänge abgeflacht und planiert werden. Und dann wird der ganze Rest drumherum gebaut: Hotels, Skilifte, Restaurants…

All das zusammen, vor allem in großem Ausmaß, wirkt sich negativ auf die Ökosysteme in den Bergen aus. Die Zusammensetzung des Bodens verändert sich und wird dadurch anfälliger für Erosionen. Auch die Vegetation ist größerem “Stress” ausgesetzt. Der Lebensraum der Tiere wird dadurch kleiner und zerteilt sich.

Dazu kommt noch die Umweltverschmutzung durch den Transport zum Skigebiet (ja, auch die Hin- und Rückfahrt von Berlin nach Tirol gehört dazu, we see you), die umweltschädlichen Produkte zur Herstellung der Skiausrüstung, sowie die gesamte Energie, die für die Infrastruktur auf dem Berg (Skilifte, Schneekanonen etc.) benötigt wird… Das alles wird einfach zu viel.

Die Kunstschnee-Methode kann zwar kurzfristig helfen (bis 2050), ist aber auf lange Zeit gesehen keine Option, warnt der IPCC. Vor allem, wenn die globale Erwärmung auf über +2°C steigt.

Außerdem ist Kunstschnee sehr schädlich für die Umwelt. Bei der Produktion in Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und Slowenien, werden jährlich 95 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht (= der Jahresverbrauch einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohner:innen!).

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🥜 In a nutshell

👉 Wintersport wird in den nächsten Jahrzehnten immer komplizierter werden.

👉 Der Rückgang des Schnees und damit auch des Wintersports wird in Zukunft große wirtschaftliche Auswirkungen auf die Menschen haben, die in den Bergen arbeiten und abhängig vom Tourismus sind.

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🧐 Und jetzt?

Die globale Erderwärmung zu begrenzen, wäre schonmal ein guter Anfang (und das nicht nur, damit wir weiter Skifahren können 😬).

👉 Wie wäre es mal mit einem Ausflug in die Berge, ohne Ski zu fahren? Die Skigebiete lassen sich immer mehr Optionen einfallen, wie Schneeschuhwanderungen oder Mountainbiking. Durch diese Alternativen kann der Tourismus erhalten bleiben, ohne sich nur auf eine einzige Sportart zu fokussieren.

👉 Und für alle, die wirklich nur die Hänge runterbrettern wollen, gibt es schon neue Ideen: Skipisten ohne Schnee. Das Start-Up mSnow hat zum Beispiel einen synthetischen Belag entwickelt, der das Gefühl des Herunterfahrens nachahmen soll.

Bist du für oder gegen diese “Fake-Pisten”?
  • Dafür, ist eine gute Alternative!
  • Dagegen, ist echt nicht dasselbe…
  • Mir eigentlich egal

👉 Einige Skigebiete versuchen schon jetzt ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren, indem sie z.B. erneuerbare Energien beziehen oder weniger Plastik verwenden. Das von der Organisation Mountain Riders ins Leben gerufene Label Flocon Vert zeichnet dabei umweltbewusste Reiseziele aus. Hier findest du eine Liste der glücklichen Auserwählten!

👉 Um was gegen die extremen Folgen des Auftauens von Permafrost zu tun, kann man die Urlaubsorte auch widerstandsfähiger machen, indem man deren Infrastruktur anpasst.

👉 Du selbst kannst die Co2-Bilanz deines Urlaubs reduzieren, indem du z.B. auf ein weniger umweltschädliches Verkehrsmittel umsteigst. Auf der Website von Snowcarbon findest du Zugverbindungen zu verschiedenen Skigebieten in Frankreich, Österreich, der Schweiz und Italien. Wenn du lieber nach Fahrgemeinschaften suchen willst, dann schau doch mal bei Moutaingo oder Rideski vorbei.

👉 Auch good to know: Leihe deine Skiausrüstung lieber aus, anstatt sie zu kaufen (vor allem, wenn du eh nur einmal im Jahr Ski fährst).

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👀 Quellen

Ademe
Mountain Riders
Nature
IPCC - Rapport spécial sur l’Océan et la Cryosphère
Statista
Reuters
Wall Street Journal
National Geographic

Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro