Globus mit einem Plastiksack statt einer Weltkugel
3 min

Es gibt einen 8. Kontinent... und er besteht aus Plastikmüll!

Hast du davon schonmal was gehört?
  • Yep
  • Nope

Worum geht’s?
Um eine riesige Menge Plastikmüll, die an der Meeresoberfläche treibt.

Wo?
Im Nordpazifik, zwischen Hawaii und Japan.

Seit wann gibt es das?
Der Seefahrer Charles Moore hat es 1997 als erster zufällig entdeckt.

Warum wird das als 8. Kontinent bezeichnet?

Die Müllinsel hat eine Fläche von 3,5 Millionen Quadratkilometer = ein Drittel der USA, bzw. 9 mal so groß wie Deutschland!

Vielleicht stellst du dir jetzt eine dichte Ansammlung von Plastikmüll vor, die man kaum durchdringen kann, doch tatsächlich gleicht der 8. Kontinent eher einer “Suppe aus kleinen Plastikteilchen” (yummy):

  • Sonne, Wind und Seegang zerkleinern das Plastik in winzige Mikropartikel, die man mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann (sogenanntes Mikroplastik*), die an der Wasseroberfläche aufgeschwemmt wurden und nicht recycelt werden können.

  • Forschende schätzen, dass jeder Quadratkilometer dieser Suppe durchschnittlich aus 300.000 Plastikteilchen besteht → das heisst es gibt dort mehr Plastik als Plankton (und davon gibt es sehr viel)!

Wie ist das Plastik dorthin gekommen?

Durch ein natürliches Phänomen: durch Ozeanwirbel*. Sie werden durch Meeresströmungen ausgelöst (welche von der Erdrotation beeinflusst werden). Nur leider ist dieser Plastikkontinent noch nicht mal der einzige auf der Welt...

Insgesamt gibt es 5 ozeanische Gebiete auf der Welt, in denen sich Plastikmüll wegen solchen Wirbeln ansammelt.

Man könnte also sagen, es gibt 5 Plastikkontinente auf der Erde → Der im Nordpazifik ist der bekannteste, weil er am größten ist.

Woher kommt dieser ganze Plastikmüll?

Es gibt mehrere Quellen:

  • Ein großer Teil stammt von Haushaltsabfällen (Einwegverpackungen, Flaschen, Styropor, Wattestäbchen, etc.), die nicht verbrannt oder recycelt wurden oder direkt in der Natur entsorgt wurden → Sie werden vom Wind oder Regen davongetragen und landen in Kanalisationen, Flüssen und letztendlich in den Ozeanen.

  • Zum Teil kommen sie auch aus Schwellenländern, die beim Recycling noch nicht gut aufgestellt sind und riesige Müllhalden füllen. Es steckt allerdings noch mehr dahinter → denn viele reiche Länder (die viel mehr Plastik konsumieren) schicken ihre Abfälle in diese Länder. Nur sind dort die Abfallsysteme allzu oft noch ziemlich ausbaufähig.

  • Hinzu kommen Naturkatastrophen wie Hurricanes und Tsunamis, die viel zerstören und Unmengen an Müll erzeugen und davontragen.

80% des Plastikmülls in diesen Müllsuppen stammt vom Land, die übrigen 20% sind Abfälle von Handelsschiffen.

Welche Folgen hat das Plastik für die Umwelt?

Hier wird es deprimierend → 690 Arten von Meereslebewesen sind von der Plastikverschmutzung betroffen. So sterben laut Schätzungen 100.000 Säugetiere und 1 Million Vögel im Jahr daran. Wie?
- Sie verfangen sich in verlassenen Fischernetzen oder groben Müllresten.
- Sie nehmen Plastik in sich auf, was einen Darmverschluss* und Hungertod verursachen kann (das Plastik füllt den Magen).

Neben Schäden an den Ökosystemen der Meere kann Plastikmüll auch Auswirkungen auf deine Gesundheit haben → Plastik besteht aus giftigen Substanzen (Zusatzstoffe, Endokrine Disruptoren*, etc.), die die Menschen in Form von Mikroteilchen durch das Verspeisen von Meerestieren in sich aufnehmen. Ein paar landen bestimmt auch auf deinem Teller.

Doch auch wenn du keinen Fisch isst → hast du vielleicht schon Plastik zu dir genommen, ohne es zu wissen. Speisesalz, Plastikflaschen, Kosmetikprodukte, die Liste ist lang! Einfach gesagt: Wenn es schlecht für die Meere ist, ist es auch schlecht für uns.

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🧐 Und jetzt?

Die Ozeane säubern? Leichter gesagt als getan… Es gibt viele Projekte, die sich dafür einsetzen, Plastikmüll aus den Meeren zu holen oder zu verhindern, dass es hineingelangt (z. B. The Ocean Cleanup). Doch vor allem sollten wir einsehen, dass wir als Weltbevölkerung viel zu viel Plastik produzieren und in die Natur gelangen lassen. Selbst wenn wir alle groben Abfälle recyceln könnten, wäre es unmöglich, das bereits vorhandene Mikroplastik aus den Gewässern zu filtern. Das Massaker in den Meeren können wir stoppen, indem wir:

  • Auf kollektiver Ebene: Aufhören, so große Mengen an Plastik herzustellen, die wir nicht bewältigen können. Wenn wir nichts ändern → landen bis 2040 ganze 600 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen.

  • Die EU hat beschlossen, Schritt für Schritt Plastikprodukte zu verbieten, für die es Alternativen gibt. Strohhalme, Wattestäbchen, Einweggeschirr etc. aus Plastik dürfen in Europa seit dem 3. Juli 2021 nicht mehr verkauft werden.

  • Im Idealfall müsste man die Plastikproduktion direkt bei den Herstellern verbieten (oder regulieren) → Und es geht nicht nur um Einwegverpackungen, denn auch Alltagsprodukte (wie Schminke, Medikamente, Farben, etc.) beinhalten Mikroplastik.

Auf individueller Ebene gibt es auch viel, was du tun kannst.

  • Was du auf den Boden schmeißt, landet vielleicht im Meer und gefährdet dort Lebewesen → Den Müll also immer gut trennen und nichts in der Natur liegen lassen.

  • Deinen Plastikkonsum verringern, indem du auf Einwegprodukte verzichtest und wiederverwendbare Behälter benutzt (z.B. eine Trinkflasche).

  • Du kannst bei Sammelaktionen mitmachen (z. B. Gewässerretter, EU BeachCleanup…) und Strände und Flüsse vom Plastikmüll befreien.

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🔍 Was bedeutet…

Mikroplastik: Plastikteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind.

Ozeanwirbel: Durch Meeresströmungen verursachter riesiger Wasserwirbel im Ozean.

Darmverschluss: Teilweiser oder kompletter Verschluss des Dünn- oder Dickdarms, der Nährstoffe, Flüssigkeiten und Gase daran hindert, normal zu zirkulieren.

Endokrine Disruptoren: Moleküle, die hormonelle Prozesse blockieren, nachahmen oder modifizieren und dadurch Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht bringen und die Gesundheit schädigen können.

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👀 Quellen

Surfrider
Geo
FranceInfo
Le Monde
L’Atlas du Plastique
Encyclopédie de l'environnement

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Nicolas Quénard
The Lizard King