Hände halten eine Sanduhr

Earth Overshoot Day - So verschieben wir ihn um mindestens 100 Tage nach hinten

5 min
Esther Meunier& Pauline Vallée
🤝 In Zusammenarbeit mit l’ADEME

Am 28. Juli ist der Earth Overshoot Day für das Jahr 2022!


Was ist der Earth Overshoot Day?

Vielleicht hast du den Begriff schon mal gehört, weißt aber nicht so genau, was du dir darunter vorstellen kannst. Oder vielleicht hast du so gar keinen Plan und brauchst einen Crashkurs - auch okay! So oder so, hier haben wir eine Erklärung für dich:

Der Earth Overshoot Day fällt immer auf den Tag im Jahr, an dem die Weltbevölkerung alle Ressourcen (Rohstoffe, Wasser, Fische…) aufgebraucht hat, welche die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Stell dir das ganze wie ein Budget vor, dass die Erde uns jedes Jahr zur Verfügung stellt. Heute, am 28. Juli, haben wir also schon alles verbraucht, was eigentlich für das ganze Jahr 2022 reichen sollte und leben für die verbleibenden Monate “auf Pump”! Mit diesem Modell lässt sich die Überkonsumierung und -nutzung von natürlichen Ressourcen sehr gut darstellen und in Relation setzen.

Der Earth Overshoot Day wird mit globalen Daten für die ganze Welt errechnet, während der Country Overshoot Day für jedes Land individuell ist.


Wie können wir diesen Tag nach hinten verschieben?

Die einzige Lösung: Die Ressourcen der Erde schonen. Wenn wir es schaffen, den Stichtag jedes Jahr um nur 6 Tage nach hinten zu rücken, dann könnte das Gleichgewicht bis 2050 wieder hergestellt sein! Das heißt, dass wir dann pro Jahr wieder so viel verbrauchen würden, wie innerhalb eines Jahres nachkommt.

So können wir dieses Ziel erreichen:

Weniger Ressourcen verbrauchen

  • Eine Veränderung des Systems: Den Wohlstand und die Entwicklungsstufe eines Landes nicht mehr am Wirtschaftswachstum messen, sondern an anderen Faktoren, wie z.B. dem Gesundheitszustand der Bevölkerung, dem nationalen ökologischen Fußabdruck… → Wenn es nicht mehr hauptsächlich um das Wirtschaftswachstum geht, dann ist das oberste Ziel auch nicht mehr, so viel wie möglich zu verkaufen und zu konsumieren → es wird weniger produziert → es werden weniger Ressourcen benötigt.
Das könnte dich auch interessieren:
Wirtschaftswachstum und Umwelt: Eine echte Hassliebe
  • Transportmittel ohne (oder mit sehr geringen) CO2-Emissionen fördern, Infrastrukturen für Fahrräder ausbauen, Tempolimits einführen… Damit könnten schon circa ein Dutzend Tage gewonnen werden!
  • Unsere Ernährung überdenken: Bis eine Kalorie aus tierischen Lebensmitteln auf unserem Teller landet, werden viel mehr Ressourcen verbraucht, als für eine Kalorie aus Getreide oder Gemüse → Würde der Fleischkonsum um die Hälfte sinken und zu 50 % durch eine vegetarische Ernährung ersetzt werden, läge der Earth Overshoot Day um mindestens eine Woche weiter hinten (bzw. noch weiter, wenn man die Einsparung der Methanemissionen miteinbezieht).
  • Auch die Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem: Wenn sie um die Hälfte reduziert werden könnte, dann wäre der Earth Overshoot Day schon 13 Tage später! → Hier ein paar Tipps, um richtig einzukaufen und keine Lebensmittel wegzuwerfen!
  • Fischkonsum schadet der Umwelt → Um die Meeresfauna zu bewahren und Energie zu sparen, muss weniger Fisch konsumiert und schonende Fischfangmethoden eingesetzt werden.
  • Alle Produkte und Verpackungen umweltschonender konzipieren → Schon bei der Herstellung sollten die zukünftigen Umweltauswirkungen bedacht und minimiert werden.
  • Werbung verbieten oder einschränken, die zur Überkonsumierung führt (eine Europäische Bürger:inneninitiative setzt sich dafür ein, Werbung für fossile Brennstoffe zu verbieten).
  • Wohngebäude besser isolieren: Damit können je nach Wohnungstyp 50 bis 80 % der Klimatisierungs- und Heizenergie eingespart und das EOD-Datum um 12 Tage nach hinten verschoben werden!
  • Ein Energiemix mit mindestens 75 % erneuerbaren Energien (Wind, Geothermie…) könnte uns weitere 26 Tage verschaffen!
  • Städte und Dächer begrünen oder weiß streichen, um urbane Wohngebiete auf natürliche Weise zu “erfrischen” → Klimaanlagen auslassen → Strom (und Emissionen) sparen → Earth Overshoot Day um 3 Tage nach hinten schieben!
  • Weniger arbeiten = weniger verbrauchen → Wenn wir die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit um 10 % verringern, gewinnen wir weitere 11 Tage! Den Zusammenhang zwischen Arbeitszeit und Klima haben wir in diesem Artikel erklärt.

Ressourcen zusammenlegen

  • Die Ökonomin Elinor Ostrom hat anhand vieler konkreter Beispiele (über 500!) gezeigt, dass Ressourcen besser und nachhaltiger genutzt werden, wenn mehrere lokale Akteur:innen (Bürger:innen, Unternehmen, gewählte Vertreter:innen ...) beteiligt sind. Konkreter bedeutet das zum Beispiel, die lokale Bevölkerung in Waldschutzprojekte mit einzubeziehen.
  • Zu zweit (oder zu mehreren) unterwegs sein ist besser! Die Förderung von Fahrgemeinschaften im großen Stil kann durch öffentliche Maßnahmen vorangetrieben werden. Zum Beispiel durch die Einführung des Carsharing-Systems #autolib oder die Einrichtung von Fahrstreifen, die extra für Fahrgemeinschaften reserviert sind (das gibt es bereits an einigen Orten in Frankreich!) Der Earth Overshoot Day könnte so um ganze drei Tage nach hinten verlegt werden.
  • Wenn wir ein Drittel aller Autofahrten durch Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln ersetzen, können wir 13 Tage bis zum Überschreitungsdatum gewinnen!
  • Leih-Orte für Dinge einrichten, die man nur selten braucht. Wenn du etwas nur gelegentlich benutzt (z. B. die Stichsäge oder das Raclettegerät), kannst du es dir einfach für einen bestimmten Zeitraum ausleihen. Ziel: Förderung des Mietens/Leihens/Schenkens statt des Kaufens (immer mit dem Ziel, weniger Dinge zu konsumieren) und gleichzeitig 3 Tage bis zur Deadline einsparen.

Ressourcen wiederverwenden

  • Kaufe Kleidung aus zweiter Hand und/oder reparierbare und/oder fair produzierte Kleidung. Pflege sie gut (unsere Tipps dazu hier), um sie so lange wie möglich zu behalten. Der Earth Overshoot Day kann so um 5 Tage nach hinten verschoben werden.
  • Die Reparatur von Gegenständen fördern, indem man einen Reparaturfähigkeitsindex (eine Punktzahl, die es in Frankreich bereits für bestimmte Produkte gibt und die anzeigt, wie leicht sie repariert werden können) vorschreibt, Reparaturstellen einrichtet usw.
  • Das Verbot aller Einwegprodukte wäre ein sehr effektiver Weg, um die Deadline aufzuschieben. Unmöglich? Hier ist ein paar Alternativen zu Einwegplastik als Inspiration.

Abfall so weit wie möglich wiederverwenden

  • Mülltrennung und Recycling verbessern, um Abfälle maximal zu nutzen und keine wertvollen Ressourcen zu verschwenden. Beispielsweise würde allein im Bausektor die Verwendung von Beton aus recyceltem Material anstelle von "herkömmlichem" Beton den Überschreitungstag um etwa 2 Tage nach hinten verlegen.

Ressourcen regenerieren/wiederherstellen

  • Große Schutzgebiete (die wirklich geschützt werden) schaffen. Außerdem Projekte zum Schutz der Artenvielfalt fördern (und so gleichzeitig den Menschen schützen, da wir von ihr abhängig sind).
  • Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme: Die Wiederaufforstung von Wäldern (nicht um sie auszubeuten, sondern für die Artenvielfalt und um ihre Rolle als Kohlenstoffspeicher zu fördern) könnte uns 8 ganze Tage verschaffen. Die zusätzliche Wiederherstellung von Torfmooren (wassergefüllte Ökosysteme, die auch sehr viel CO2 speichern) würde nochmal 4 Tage rausholen!
  • Die Landwirtschaft ökologischer gestalten (z. B. mit weniger Dünger) und regenerativen Techniken. So könnten wir gesunde Böden und ein sauberes Grundwasser erhalten.

😎 Du willst noch mehr wissen?

  • Du findest zahlreiche Infos und Ideen dazu, wie man die Deadline nach hinten verschieben kann auf der Website des Earth Overshoot Day (#MoveTheDate).
  • Das IPCC (die internationale Gruppe von Klimaexperten) hat eine Liste mit Lösungsansätzen für den Klimawandel erstellt. Hier erfährst du mehr dazu.

👀 Quellen

Earth Overshoot Day
WWF
Utopia

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