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Eien Weltkugel umrahmt von der Aufschrift COP27
4 min

Klimakonferenz COP27 - Welche Rolle spielt der Globale Süden?

“This is a giant group work. We don't know the people on the other end of the world (…)".

→ Luisa Neubauer auf Twitter am 8.11. von der COP27 über den Klimawandel.

Luisa Neubauer beschreibt eine Tatsache: Der Klimawandel geht uns alle an, sowohl die Menschen im globalen Norden als auch die im globalen Süden. Seit dem 6.11.22 treffen sich Politiker:innen und Aktivist:innen zur Klimakonferenz COP27 in Sharm El-Sheikh in Ägypten. “Die afrikanische COP” sollte sie sich nennen, forderten Klimaaktivist:innen, denn der Globale Süden ist in weitaus höherem Maße vom Klimawandel und dessen Konsequenzen betroffen als der Globale Norden. Um es deutlich zu sagen: am stärksten!

Wie viel Prozent der weltweiten Emissionen stammen aus Afrika?
  • 3,8 %
  • 13,8 %
  • 23,8 %
  • 33,8 %
Elizabeth Wathuti

Die UN-Klimakonferenz COP27 sollte “Die afrikanische COP27” heißen, denn die Stimmen und Bedürfnisse Afrikas sollten im Zentrum der Konferenz stehen, so die kenianische Umweltaktivistin Elizabeth Wathuti.

Ungerechte Schieflage

Keine 4 Prozent aller Emissionen kommen aus Afrika, aber: viele Regionen Afrikas sind mit am stärksten von der Klimakrise betroffen, was Schäden und Folgen angeht. Teile Mosambiks, Simbabwe und Kenias leiden unter extremen Dürren. Eine Schieflage, die keineswegs gerecht ist. In Kenia sind 5 Regenzeiten nacheinander ausgefallen, in Nigeria gibt es die schlimmsten Überflutungen seit Jahrzehnten. ”Diese COP27 findet auf demselben Boden, demselben Kontinent statt, wo Millionen Menschen wegen Dürren vom Hungertod bedroht sind, wo Frauen und Kinder und ganze Familien zu Flüchtenden werden, weil gigantische Fluten ihre Dörfer und ihr Land zerstören” sagt Elizabeth Wathuti im Interview mit der Berliner Tageszeitung “Der Tagesspiegel”.

Extrem betroffen: Afrika und Lateinamerika

Auch Lateinamerika zählt zu den Regionen, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind, obwohl sie nur in geringem Maße dafür verantwortlich ist. Der Hurrikan Julia führte in Lateinamerika zu verheerenden Überschwemmungen und Erdrutschen, betroffen waren Kolumbien, Venezuela, Nicaragua, Honduras, El Salvador und der Süden Mexikos. Dutzende Menschen starben, Straßen wurden durch umgekippte Bäume blockiert, unzählige Häuser wurden zerstört und die Infrastruktur lahmgelegt. Der Klimawandel hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Ökosysteme sowie die Ernährungs- und Wassersicherheit des gesamten Kontinents. Die Folgen: Schäden für die Gesundheit, die Ernährung, das Wasser, die Energie und die sozial-ökonomische Entwicklung in der Region. Der WMO (Weltorganisation für Meteorologie) zufolge starben durch die klimatischen Ereignisse in Lateinamerika und der Karibik zwischen 1998 und 2020 mehr als 312.000 Menschenleben. Über 277 Millionen Personen waren von den Auswirkungen betroffen. Und das, obwohl die Region selbst nur für 8 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich ist. Auf Mittelamerika entfallen laut der Nichtregierungsorganisation (NGO) La Ruta del Clima aus Costa Rica lediglich 0,8 Prozent der gesamten Nettoemissionen.

Loss And Damages: Finanzielle Hilfe der Industrieländer

Wie auch Wathuti fordert die lateinamerikanische Zivilgesellschaft, dass die Hauptverschmutzer bei der COP27 die zugesagten Mittel für Schutz- und Anpassungsmaßnahmen zahlen und für die klimabedingten Verluste und Schäden aufkommen. “Loss and Damage” heißt das Prinzip, nach dem ein finanzieller Schadenersatz von Industriestaaten an ärmere Länder gezahlt wird. La Ruta del Clima verlangt von den Ländern des globalen Nordens, ihrer Verpflichtung nachzukommen, die ab 2020 zugesagten jährlichen 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen zu zahlen und für die klimabedingten Schäden und Verluste aufkommen (für die es bisher noch keinerlei Finanzierungszusagen gibt).

Sollten die Verursacher:innen Schadenersatz an Leidtragende zahlen?
  • Nein
  • Ja
  • Nie drüber nachgedacht

Erste Zugeständnisse?

Auf der UN-Weltklimakonferenz sagten Die Europäische Union, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die USA dem Land Südafrika knapp 8,5 Milliarden Euro zu. Mit dem Geld soll Südafrika als größte Volkswirtschaft Afrikas aus der Kohle aussteigen und erneuerbare Energien fördern. Außerdem sollen dabei neue Arbeitsplätze geschaffen werden. So heißt es in einer Presseerklärung vom 7. November auf der Seite der Europäischen Union. Allerdings bestand diese Kooperation schon vor der aktuellen COP27 in Ägypten. Sie ist Teil des Just Energy Transition Partnership (JETP) und wurde 2021 auf der Glasgower UN-Klimakonferenz ins Leben gerufen, um den globalen Süden zügiger und sozial gerechter bei einer klimafreundlichen Wirtschaft zu unterstützen

COP der Lobbyist:innen?

Klimaaktivist:innen wie Wathuti sind skeptisch, was die Ergebnisse der COP27 angeht: In Sharm el-Scheikh (COP27) sind nicht nur zahlreiche Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vertreten, sondern auch Hunderte Lobbyist:innen für klimaschädliche fossile Energien. Die Nichtregierungsorganisationen Corporate Accountability, Corporate Europe Observatory (CEO) und Global Witness (GW) erklärten am Donnerstag (10.11.) nach Auswertung der vorläufigen Teilnehmerliste der Vereinten Nationen, dass deren Anzahl im Vergleich zur COP26 im vergangenen Jahr um 133 Vertreter und damit gut ein Viertel auf 636 gestiegen sei. Und damit war die fossile Industrie stärker vertreten als die am meisten von der Klimakrise betroffenen Staaten.

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👀 Quellen

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CDP
Tagesspiegel
Heinrich-Böll-Stiftung
Stern

Autorin: Nadia Hanna