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Hände schütteln, dabei fließt Öl im Hintergrund
3 min

Lobbyismus auf der Weltklimakonferenz? Die Lobby der COP26

Die Konferenz der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (COP26) findet zur Zeit in Glasgow, Schottland statt. Hauptziel: den menschengemachten Klimawandel aufhalten, unsere Welt soll sich nicht mehr als um 1,5°C erwärmen. Verbindliche Zusagen der Industrienationen, alles zu unternehmen, um die Erderwärmung zu stoppen. Der Organisation “Lobby Control” ist allerdings etwas aufgefallen: ausgerechnet Energiekonzerne sponsern die Veranstaltung.

Über die Rolle von Lobby-Organisationen der fossilen Energiehersteller auf der COP ist jetzt ein Streit entstanden. Die Argumente:

  • Sie haben das Problem erst (mit-) verursacht
  • Sie sind also nicht Teil der Lösung
  • Mit ihrer Präsenz auf der COP26 betreiben sie Greenwashing
  • Sie beeinflussen Entscheidungsträger:innen in der Politik

Lobbyisten auf der COP - wer ist da überhaupt vertreten?

Lobbyismus finden wir fast überall da, wo es um viel Geld geht. Durch beispielsweise finanzielle Mittel (oder andere Druckmittel) nehmen Leute direkt oder indirekt Einfluss auf andere Leute, um ihre Interessen durchzusetzen. Das können Unternehmen, Politiker:innen oder ähnliches sein. Die COP 26 ist eine Konferenz, auf der Vertreter:innen jeglicher Art teilnehmen. Vom Klimawandel direkt Betroffene, Vertreter:innen indigener Gruppierungen, feministische Aktivist:innen, die Politik, Umweltgruppen aller couleur, aber eben auch die Interessenvertreter:innen der fossilen Energiebetreiber! Diese konkrete Lobby Gruppe soll zahlenmäßig sogar stärker repräsentiert sein, als andere Gruppen...

Wie viele bei der COP vertreten die Interessen der fossilen Energien?
  • 503 Teilnehmer:innen
  • 327 Teilnehmer:innen
  • 217 Teilnehmer:innen

Diese Zahl hat “Global Witness” errechnet - eine Lobby-Kontroll-Organisation. Ihr Sprecher, Pascoe Sabido, sagte der Tagesschau: “Das ist mehr als jedes einzelne Land und mehr als acht kleine, verletzliche Staaten zusammen haben." Mit 503 Teilnehmer:innen gibt es sogar mehr Lobby Abgeordnete der fossilen Energiebetreiber, als beispielsweise Teilnehmeri:nnen der Vertreter Gruppe, die das Land Brasilien stellt: von dort wurden 479 Leute nach Glasgow geschickt.

Wo ist das Problem? Ist es nicht gut, wenn alle an einem Strang ziehen?

Einerseits ist das tatsächlich so: alle sind vom Klimawandel betroffen, auch die Mitarbeiteri:nnen fossiler Energiebetriebe. Auch sie müssen also ein Interesse daran haben, dass in Zukunft alles getan wird, um eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern.

Ist doch so, oder?

Fast, aber eben nicht ganz - die Kritik daran lautet zusammengefasst: diese Lobby Vertreter:innen der Industrie sind nur in Glasgow, um die negativen Folgen für ihr Geschäftsmodell abzumildern. Sie wollen also weniger an einem positiven Wandel mitarbeiten, als ihre Interessen und damit ihre Umsätze abzusichern. Louis Willson von der Lobby-Controll Organisation “Global Witness” sagt dazu : “Wir laden doch auch keine Tabak Produzent:innen auf Gesundheitskonferenzen ein. Warum sollen wir dann Lobbyisten der fossilen Energiebetriebe an der wichtigsten Klimakonferenz unserer Generation teilnehmen lassen?”

Ganz ohne die Lobby der fossilen Energiebetreiber geht es aber doch nicht?

Nein, sagt die Chefin des UN-Klimasekretariats, Maria Espinosa: "Der wirtschaftliche Umbau, den wir haben müssen, dazu brauchen wir auch den Umbau der Energieversorger weltweit." Im Klartext: Sie von der COP26 auszuschließen könnte bedeuten, die Ziele der Klimakonferenz selbst zu gefährden oder sie schwerer umsetzbar zu machen.

Teilnahme ja, Sponsoring nein

Immerhin, unter den Sponsoren der COP sind dieses Mal (anders als in den Jahren davor) nicht die ganz großen Unternehmen der fossilen Energiebranche dabei: BP, Shell, Exxon und Total - sie bleiben diesmal außen vor. Das war die Entscheidung der britischen Regierung, die für die Austragung und Finanzierung der COP26 zuständig ist. Völlig richtig, sagen Kritiker:innen: gerade Ölkonzerne wissen bereits seit langem, dass ihr Geschäftsmodell schädlich für das Klima ist, haben aber trotzdem daran festgehalten und Erkenntnisse über den Klimawandel, die sie schon sehr früh hatten, geheim gehalten.

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👀 Quellen

LobbyControl
tagesschau
DemocracyNow
WAZ
Spiegel
ScienceDirect
ClimateFiles

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Nils Neubert
never say never