Startseite
Ein Bus auf einer Straße.
5 min

Umsonst mit den Öffis fahren: Was bringt das der Umwelt und dem Klima?

Worum geht‘s?

Öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn (ÖPNV) sind wichtig fürs Klima. Statt wenige Menschen in vielen Autos, transportieren die Öffentlichen viele Menschen in wenigen Fahrzeugen.

ÖPNV statt Auto: Wieviel weniger Treibhausgase werden ausgestoßen?
  • Circa 20 Prozent pro Person.
  • Mehr als die Hälfte pro Person.
  • Etwa 80 Prozent pro Person.

Das Problem: Autos sind weiterhin das beliebteste Verkehrsmittel der Deutschen.

Woran das liegt? Das Auto ist oft die bequemere Wahl. Wenn es Parkplätze gibt, bringt es dich von Tür zu Tür – und Einkäufe oder Gepäck gleich mit. Ein Auto ist aber auch teuer: Neben dem Kaufpreis muss man regelmäßig z.B. Steuern, Versicherung und Reparaturen zahlen. Und Benzin, Diesel oder Strom - nicht zu vergessen!

Aber an vielen Orten in Deutschland sind auch die Öffentlichen ziemlich teuer. Außerdem sind wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger Menschen mit Bus und Bahn gefahren.

Wir haben aber eben schon gesehen, dass weniger Autos auf den Straßen auch besser für's Klima wären. Und Bus und Bahn fahren gut. Was wäre also, wenn der ÖPNV kostenlos wäre – für alle, immer und überall?

Was sagst du zu der Idee, den ÖPNV für alle gratis zu machen?
  • Mega gut!
  • Halte ich für keine gute Idee.
  • Ist mir egal.

Die Idee, den ÖPNV kostenlos zu machen, ist bei vielen Menschen sehr beliebt. In einer Studie, bei der im Jahr 2018 knapp 700 Haushalte nach ihrer Meinung gefragt wurden, waren rund 72 Prozent der Befragten für die Einführung des kostenlosen ÖPNV. Außerdem haben sie gesagt, dass sie durschnittlich dreimal so viel mit Bus und Bahn fahren würden, wenn sie gratis wären.

Was sagt die Wissenschaft?

In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen zwei Ansätzen, um den ÖPNV beliebter zu machen:

Für die Öffis:

  • Mehr Haltestellen
  • Pünktlichkeit
  • Bessere Preise

Gegen das Auto:

  • Weniger Parkplätze
  • Höhere Kosten
  • Weniger Fahrbahnen

Expert:innen sind der Meinung, dass nur beides zusammen die Menschen überzeugen kann, Bahn und Bus mehr zu nutzen. Sie finden außerdem, dass die Qualität des ÖPNV wichtiger ist als der Preis. Denn: Wenn öffentliche Verkehrsmittel dich nicht pünktlich von A nach B bringen, übervoll sind und du oft umsteigen musst, wirst du sie vielleicht auch dann nicht nutzen, wenn sie gratis sind. Die meisten Expert:innen sind darum skeptisch, wenn es darum geht, kostenlosen ÖPNV einzuführen. Sie haben Sorge, dass die Qualität durch die fehlenden Einnahmen aus Ticketverkäufen leiden könnte.

Was findest du im ÖPNV wichtiger?
  • Den Preis.
  • Die Qualität.
  • Muss sich doch nicht ausschließen?!

Maßnahmen, die das Auto unattraktiver machen, halten viele Expert:innen für vielversprechender als kostenlosen ÖPNV.

Eine davon: In manchen europäischen Städten, wie London und Stockholm, gibt es eine City-Maut. Dort müssen Menschen, die mit dem Auto in die Stadt fahren, eine Gebühr bezahlen.

Wie wird der ÖPNV eigentlich finanziert?
  • Durch Einnahmen aus Ticketverkäufen
  • Durch öffentliche Gelder
  • Durch Einnahmen aus Ticketverkäufen und öffentliche Gelder

Wo kannst du gratis Bus & Bahn fahren?

Tatsächlich gibt es schon einige Orte in Europa, in denen der ÖPNV kostenlos ist. In ein paar Orten in Bayern, auch in fast ganz Estland, in Luxemburg zum Beispiel. Dort muss seit über einem Jahr niemand mehr für öffentliche Fahrten bezahlen. Auch Tourist:innen nicht. Ein Jahr nach der Einführung dort ist die Fahrgastzahl in Straßenbahnen um ca. 35 Prozent gestiegen – trotz Pandemie!

Übrigens: Von den Parteien im Deutschen Bundestag fordert kostenlosen ÖPNV in ganz Deutschland zurzeit nur Die Linke.

Kostenloser ÖPNV in Augsburg

In Augsburg kannst du seit letztem Jahr eine Haltestelle in jede Richtung von den zentralen Plätzen Königsplatz und Moritzplatz umsonst fahren. Zu Fuß ist das etwas mehr als ein Kilometer. Ein gesunder junger Mensch braucht bei normalem Tempo etwa elfeinhalb Minuten, um die Strecke zu laufen (haben wir selbst getestet). An einem Freitagmittag haben wir für die Strecke mit der Straßenbahn mit Umsteigen – die Anschlussbahn am Königsplatz ist uns leider vor der Nase weggefahren – mehr als eine Minute länger gebraucht.
Entsprechend sind die Reaktionen mancher Fahrgäste. Viele sind für kostenlosen ÖPNV, sehen ihn in Augsburg aber falsch umgesetzt. Ein Mitarbeitender einer Bar am Königsplatz schlug vor, die Prioritäten zu überdenken. Es sollte zum Beispiel mehr darin investiert werden, dass noch mehr Stadtgebiete besser erreicht werden können. Manche der Befragten klagten darüber, dass sie zu oft umsteigen müssen, um an ihrem Ziel anzukommen.

Immerhin – Menschen, die sich mit dem Gehen schwertun, profitieren vom teilweise kostenlosen ÖPNV in Augsburg. Das ist ein guter Anfang.

🥜 Was bringt das jetzt?

Wie du gesehen hast, bringt kostenloser Nahverkehr nicht unbedingt was fürs Klima. Studien und Zahlen von Orten mit kostenlosem ÖPNV zeigen zwar, dass die Fahrgastzahlen bei kostenlosem Angebot in der Regel deutlich steigen. Es ist allerdings unklar, ob es wirklich Autofahrer:innen sind, die auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, oder eher Fußgänger:innen und Radfahrer:innen. 🚴‍♀️

Die Qualität des ÖPNV ist mindestens genauso wichtig, wie der Preis. Aber müssen sich Qualität und günstiger Preis ausschließen? Könnte neben den Ländern vielleicht der Bund mehr zur Finanzierung beitragen?

Wärt ihr bereit, für einen kostenlosen ÖPNV mehr Steuern zu zahlen?
  • Auf jeden Fall!
  • Weiß nicht...
  • Never.

....................

👀 Quellen

Agora Verkehrswende
Augsburger Verkehrsverbund
List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik
MDR Podcast
Research Luxemburg
Statistisches Bundesamt
Urban Access Regulations in Europe
Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

Von Tilman Wiesbeck

author image
Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles