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Eine Hand, die eine Lupe hält. Hinter der Mikroplastik ist.
5 min

Bioplastik - Eine gute Lösung oder nur Greenwashing?

Jedes Jahr produziert der Mensch weltweit…
  • 200 Millionen Tonnen Plastik
  • 300 Millionen Tonnen Plastik
  • 400 Millionen Tonnen Plastik

Fest steht also: Plastik ist ein echtes Problem für die Umwelt, das die ganze Welt betrifft. In der Gesellschaft wächst das Bewusstsein für diese Problematik, doch genau das nutzen viele Unternehmen aus. Seit einigen Jahren füllen sich die Regale in Supermärkten und anderen Geschäften mit Alternativen zu Plastik, die als “umweltfreundlich” vermarktet werden (z.B. Öko- oder Bioplastik). Aber Vorsicht, sehr oft klingen die Produkte nachhaltig, sind es aber gar nicht. Diese Verkaufsstrategie nennt man Greenwashing.

Was ist Bioplastik?

Biokunststoffe werden aus pflanzlichen Rohstoffen wie Zuckerrohr, Mais- oder Kartoffelstärke hergestellt und/oder sind biologisch abbaubar. Das klingt eigentlich, als wäre dieses Plastik super nachhaltig und leicht kompostierbar, oder? Leider nicht wirklich…

Biokunststoffe enthalten…
  • zu mindestens 25% organische Stoffe
  • zu mindestens 50% organische Stoffe
  • zu mindestens 75% organische Stoffe
  • Bei der Herstellung von Bioplastik kommen giftige Stoffe zum Einsatz. Auch wenn es uns gelingen sollte, Bioplastik aus komplett natürlichen Materialien herzustellen, so werden im Herstellungsprozess trotzdem umweltschädliche chemische Stoffe eingesetzt.

  • Die Produktion von Bioplastik ist genauso klimaschädlich wie bei herkömmlichen Kunststoffen. Das Verfahren ist dasselbe und die Fabriken stoßen auch sehr große Mengen Treibhausgas* aus.

  • Die natürlichen Stoffe, aus denen das Plastik gemacht wird, stammen meist aus intensiver und umweltbelastender Landwirtschaft, die die Waldrodung vorantreibt.


Wie wird Bioplastik hergestellt?

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen biobasiertem Plastik und biologisch abbaubarem Plastik.

Biobasiertes Plastik ist Plastik, das zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Bedeutet: Je größer der Anteil an biobasiertem Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist, desto weniger Kunststoff auf Erdöl-Basis wird bei der Herstellung eingesetzt.

Und das biologisch abbaubare Plastik? Es zersetzt sich in der Natur selbst, oder nicht? Theoretisch ja, praktisch nein… Auch wenn einige Unternehmen es manchmal so darstellen, als könnte man ihre Produkte statt in den Müll einfach auf den Kompost werfen, ist das leider nur Greenwashing und sogar umweltschädlich.

Denn in Wahrheit ist dieses Plastik oft nur unter ganz bestimmten Bedingungen biologisch abbaubar. Nur so funktioniert es:

  • In industriellen Kompostieranlagen bei 50°C und sehr hoher Luftfeuchtigkeit.
  • Mit bestimmten Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Algen).

Zum Schutz der Verbraucher:innen ist es in Frankreich verboten, Bezeichnungen wie “biologisch abbaubar” oder “umweltverträglich” auf Produktverpackungen zu drucken. In Deutschland gibt es so eine Regel nicht.

Weitere Fallen

Solche Aussagen und Dinge können uns beim Einkaufen auch in die Irre führen:

  • "Die Verpackung ist zum Teil aus gesammeltem Plastikmüll von Stränden hergestellt" → Es ist nie angegeben, zu wie viel Prozent es aus recyceltem Plastik besteht (meistens nicht mehr als 5-10%) = Greenwashing!

  • Einwegplastik wurde durch “grüne” Alternativen ersetzt → Klar, Bambus und Holz sind nachwachsende, und biologisch abbaubare Stoffe und an sich besser als die normalen Kunststoffe aus Erdöl. Doch damit wir diese Produkte kaufen können, werden jede Menge Rohstoffe abgebaut (z.B. durch Waldrodung), verarbeitet und transportiert (dadurch entstehen Treibhausgasemissionen). Um die Auswirkungen auf Umwelt und Klima wirklich zu mildern, muss die Überproduktion verringert werden. Das heißt: Immer wiederverwenden, was gut ist, anstatt neu zu kaufen. Auch, wenn es aus einer "grüneren" Alternative besteht.

  • Werbung, die uns weismachen will, dass recyceltes Plastik die Umwelt retten wird → Falsch: Auch das Recycling belastet die Umwelt. Zwar lassen sich damit die riesigen anfallenden Müllmengen reduzieren und produktiv weiterverwenden, und trotzdem gibt es keine umweltschonendere Alternative, als weniger Plastik herzustellen und zu kaufen (ja, dazu zählt auch recyceltes Plastik), das nur wieder im Müll landen wird.

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🤔 Und jetzt?

  • Du könntest auf die Verpackung deiner Einkäufe achten - genauer gesagt auf die Zusammensetzung der Stoffe. Das ist für die Mülltrennung sowieso wichtig. Es gibt beispielsweise auch Siegel, die dafür stehen, dass ein Produkt oder eine Verpackung im eigenen Kompost zuhause entsorgt werden kann.

  • Fragen, die du dir beim Einkaufen stellen kannst:

    - Woraus besteht dieses Produkt? Und in welchen Müll kommt es am Ende?

    - Ist das Plastik gut recycelbar?

    - Ist 100% nachvollziehbar, warum das Produkt “umweltfreundlich” ist? (Bioplastik-Anteil, zertifizierte ökologische Landwirtschaft, keine weiten Transportwege, im eigenen Kompost biologisch abbaubar etc.)

    - Brauche ich es wirklich? Verpackungsfrei einkaufen, Konsum reduzieren, gekaufte Produkte so lange wie möglich nutzen.

  • Auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene kann die Entwicklung zur Kreislaufwirtschaft eine mögliche Lösung sein. Weniger Waren und Verpackungen = weniger Müll und Emissionen = weniger Probleme.

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Eine Woche ohne Plastik - ich habe den Test gemacht (und es war nicht einfach…)

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🔎 Was bedeutet…

Treibhausgas: Durch natürliche Prozesse oder durch menschliche Aktivitäten entstandenes Gas in der Atmosphäre, das die Sonneneinstrahlung auf die Erde (und damit die Wärme) verstärkt. Die Klimaerwärmung ist das Ergebnis von hohen Treibhausgasemissionen.

Kreislaufwirtschaft: Wirtschaftliches System, das darauf beruht, Güter und Dienstleistungen so zu produzieren/ auszuführen, dass sie nachhaltig und effizient sind. Überkonsum, Rohstoff-Verschwendung und Müll- und Emissionsproduktion werden vermieden.

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👀 Quellen

Surfrider
BR

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Nicolas Quénard
The Lizard King