GREEN YOURSELF 🥦 Biodiversität in den eigenen vier Wänden

3 min
Pauline Vallée

Wir wollen uns ja nicht wiederholen (eigentlich doch🤓), aber Biodiversität ist wirklich super wichtig - und leider gefährdet (sowohl Pflanzen als auch Tiere). Sie zu schützen erfordert ein Umdenken in der weltweiten Politik (Wiederaufforstung, Erhalt von Schlüsselarten, Einrichtung von Schutzgebieten...), aber auch viele kleine Taten, die in deinem persönlichen Rahmen möglich sind 🤝

Du hast zu Hause:
  • Einen Garten
  • Einen Balkon
  • Einen Hof
  • Gar nichts

Auf deiner Fensterbank

  • Blumenkästen, ein bisschen Erde und los geht's! Drehe sie beim Aufhängen zur Fensterseite und nicht zur Straßenseite, damit du niemanden umbringst, falls dir ein Kasten aus Versehen herunterfällt 😶
  • Wähle torffreie Blumenerde (Material aus Torfmooren, aka wertvollen und bedrohten Ökosystemen)
  • Wenn es die Lichtverhältnisse zulassen, baue Bienenpflanzen an (also solche, die Bienen und Schmetterlingen Nahrung bieten). Zum Beispiel Salbei, Rosmarin oder Thymian…
  • Schaffe eine Mini-Zone zur freien Entwicklung: Gib ein paar Samen in einen Blumenkasten oder Topf, lass ihn dann einfach stehen und warte ab, was dort auf natürliche Weise wächst.
  • Besorge dir ein paar Samen von Bio-Samenverkäufer:innen/Aktivist:innen (z. B. über den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt), um alte und originale Sorten zu bekommen 😎.

Auf deinem Balkon/in deinem Hof

  • Du brauchst nur gaaanz viele Töpfe und schon kann es losgehen. Auch hier solltest du bienenfreundliche Pflanzen integrieren (wenn du genug Platz hast, kannst du zum Beispiel Himbeeren oder Johannisbeeren pflanzen)
  • Am besten sind Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen. Das sieht nicht nur schöner aus, sondern sorgt vor allem dafür, dass die Insekten dauerhaft Nahrung finden können.

  • Richte eine "Nacht-Ecke” ein, indem du einige Töpfe umdrehst → manche Insekten mögen kein Licht.
  • Spinnen weben ihre Netze? Atme tief durch und lass sie in Ruhe ihr Ding machen (ja, das ist hart #teamarachnophobie). Du wirst ihnen aber im Sommer danken, wenn sie all die Mücken schnappen.
  • Stell eine kleine Schale mit Wasser (möglichst weit oben) hin, damit die Vögel trinken und baden können.
  • Vögel füttern oder nicht füttern - das ist die große Frage. Man ist sich nicht einig, aber wir finden, dass es nicht schlecht ist, den Vögeln eine bisschen Hilfestellung zu geben. Aber achte drauf → nur im Winter und vor allem kein Brot (eher Samen und Pflanzenfett)
  • Lass einen Blumenkasten/-topf ohne Bepflanzung, nur mit Erde. Das wird der beste "Staubbad"-Spot für die Vögel in deiner Nachbarschaft (sie brauchen den, um sich von Schädlingen zu befreien).
  • Für die super Motivierten: Richte einen Wurmkompost ein. Da gibt es extra kleine Boxen (auch fertig zu kaufen), die man leicht auf dem Balkon aufstellen kann. Das Prinzip: Deine organischen Abfälle (Schalen, Karton, Eierschalen...) als Superdünger für deine Pflanzen!

In deinem Garten

  • Der erste Schritt ist, den Boden atmen zu lassen! Vermeide künstliche Beläge (Bodenplatten!) und lasse so viel Erde wie möglich frei.
  • Schaffe einen Rückzugsort für Eidechsen, Igel, Insekten, Vögel... indem du totes Holz und/oder eine Trockenmauer platzierst. Ein großer Haufen Äste eignet sich ebenfalls sehr gut.
  • Du kannst auch ein Insektenhotel kaufen oder selbst bauen (hier geht’s zum Tutorial).
  • Ein absolutes Muss: Hecken pflanzen. Sie verschwinden immer mehr, obwohl sie als Schutz und Nahrung für Tiere enorm wichtig sind.
  • Leg eine Wasserstelle an, idealerweise einen Teich oder Weiher, der Frösche und Kröten anlockt. Alternativ zumindest eine Schüssel mit Wasser.
  • Du vermutest, dass ein Vogel sein Nest in einem Baum/Busch in deinem Garten gebaut hat? Widerstehe der Versuchung und geh nicht hin, um nachzusehen → Du könntest ihn erschrecken und er würde eventuell seine Jungvögel verlassen 🥺
  • Schalte nachts die Außenbeleuchtung aus (hier erklären wir dir, warum Lichtverschmutzung eine Katastrophe für die Artenvielfalt ist).
  • Kleine Tiere (Kaninchen, Igel) finden ihre Nahrung an verschiedenen Orten. Du kannst ihnen das Leben erleichtern, indem du kleine Löcher in die Unterseite der Zäune schneidest, durch die sie hindurch huschen können.
  • Bye bye an den millimetergenau geschnittenen Rasen! Es lebe der Rasen, der aus möglichst vielen verschiedenen Arten besteht 🎉 Mit Moos in allen Farben, Klee, Schafgarbe, Thymian, "Unkraut", spontan gesäten Blümchen ...
  • Wieder einmal sind die Bienenpflanzen deine Freunde. Mach dir selbst eine Freude und streue ihre Samen überall hin.
  • Du hast ein großes Grundstück (und kannst dich sehr glücklich schätzen)? Lass eine Ecke in "freier Entwicklung", ohne sie zu gestalten oder dort Unkraut zu jäten. Noch besser: Leg deinen eigenen Mini-Wald an.
  • Keine Pestizide verwenden! Stattdessen:

👉 Um den Boden zu nähren → Gründünger, Kompost ...

👉 Zur Bekämpfung von "Schädlingen" → Manchmal muss man geduldig sein, denn ein gesundes Ökosystem schafft es im Normalfall, sich selbst zu regulieren. Ansonsten kannst du gegen lästige Zeitgenossen den Boden mulchen, bestimmte Pflanzen miteinander kombinieren, damit sie sich gegenseitig schützen, oder auch Verbündete suchen (Marienkäfer gegen Blattläuse, Hühner gegen Schnecken, Eulen gegen Nagetiere ...).

  • Falls du eine Katze hast 🐱: Diese "gefürchteten Jäger" stellen eine Bedrohung für Kleintiere und Vögel dar. Um den Schaden zu begrenzen, solltest du weit oben und an offenen Stellen (z. B. in der Mitte des Rasens) Nistkästen/Futterhäuschen/Vogeltränken aufstellen.

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🥜 In a nutshell

Die goldenen Regeln:

  • Behalte im Hinterkopf, dass Tiere Schutz UND Nahrung brauchen. Ein Insektenhotel inmitten eines kurz gemähten Rasens einzurichten macht nicht wirklich Sinn.
  • Lass die Tiere in Ruhe. Schau sie dir aus der Ferne an, denn du wirst trotzdem einige spannende und schöne Beobachtungen machen.
  • In "Biodiversität" steckt "Diversität" aka Vielfalt! Das widerstandsfähigste und ausgeglichenste System ist das, welches die meisten verschiedenen Arten beherbergt. Also veranstalte in deinem Ökosystem ruhig ein bisschen Chaos!

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😎 Du willst noch mehr wissen?

  • Auf dieser Website kannst du die perfekte Pflanze für deine Bedingungen finden. Je nach Anbauart (Freiland, Topf), Klima, Sonneneinstrahlung, Blütezeit... Kurz gesagt: ultra praktisch.
  • Die Apps Birdnet (für Vögel) und Pl@ntNet (für Pflanzen) funktionieren wie ein Shazam der Biodiversität. Verwende sie lieber nur ab und zu, damit du ein echter Profi werden kannst 👀
  • Du kannst Wissenschaftler:innen helfen, indem du an der Stunde der Gartenvögel teilnimmst. Das Prinzip: Du meldest regelmäßig, wie viele Individuen welcher Art sich in deinem Garten niederlassen.
  • Wenn du noch einen Schritt weiter gehen willst: Die Guerilla-Gardening-Bewegung bringt Aktivismus und Gartenarbeit zusammen, indem sie zum Beispiel wild in der Stadt Samen aussät.

👀 Quellen

Office Français de la Biodiversité
Ligue de Protection des Oiseaux
The Guardian - Guerrilla gardening: a report from the frontline

Pauline Vallée
Nachbarin von Totoro