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Plastikflasche im Wasser
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Sind die Meere noch zu retten? Plastik als Gefahr für unser Ökosystem

Während der UN-Ozeankonferenz in Lissabon, die heute zu Ende gegangen ist, steht eine zentrale These der Wissenschaft immer wieder im Raum: 2050 könnte mehr Plastik als Fische im Meer schwimmen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres eröffnete letzten Montag mit diesem Statement die Konferenz: Die Ozeane seien bedrohter denn je. Müllinseln schwimmen überall in den Meeren und sind teilweise größer als Länder wie Frankreich. Ohne unsere Ozeane wäre es bis zu 30 Grad wärmer auf der Erde und jeder zweite Atemzug, den wir atmen, kommt aus dem Meer. Ozeane übernehmen also eine zentrale Rolle für unser Klima. Plastik in den Ozeanen ist für alle Lebewesen ein unumstrittenes Problem, für das auf der Konferenz nach Lösungen gesucht wird.

Bettina Hoffmann ist deutsche Staatssekretärin des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMU) und sagt, dass die Bundesregierung ambitionierte Gesetze auf den Weg bringen will, um Plastikprodukte von Anfang an so zu designen, dass sie immer wiederverwertet werden können. Es müsse eine Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden, sodass weniger Abfall entsteht.

"Deutschland und die anderen Länder Mitteleuropas haben eine besondere Verantwortung, weil wir auch mit die Verursacher für viele Probleme sind“ - Bettina Hoffmann ist deutsche Staatssekretärin des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMU).

Das Bewusstsein für Meeresverschmutzung soll auch auf dem Festland ankommen, denn Plastik landet in 80 Prozent der Fälle über Flüsse im Meer. Laut aktueller Prognosen der Wissenschaft soll sich die Menge an Plastik in den nächsten zehn Jahren verdreifachen, wenn unser Konsum sich nicht verändert. Ein Positivbeispiel dafür, wie die Plastikindustrie in Zukunft aussehen könnte, sind laut Hoffmann PET-Flaschen, die nur aus einer einzigen Kunststoffsorte bestehen und wo aus einer alten Flasche wieder eine neue Flasche werden kann.

Problematisch ist vor allem der Export von deutschen Plastikabfällen ins Ausland. Marie-Luise Abshagen vom Forum Umwelt und Entwicklung kritisiert, dass andere Länder nicht die gleichen Entsorgungsstandards haben:

„Deutschland muss aufhören, Plastikmüll an Orte zu exportieren, wo es keine vernünftigen Abfallsysteme gibt. Es ist super, wenn wir recyclen, aber wir müssen aufhören, unseren Müll an Orte zu bringen, wo dies nicht stattfindet.“ - Marie-Luise Abshagen, Forum Umwelt und Entwicklung.

Dafür müssten laut Hofmann globale Regeln gefunden werden, denn die Klimakrise und auch die Plastikvermüllung seien eine globale Aufgabe und eigentlich eine Art „Nachhaltigkeitskrise.“

Für die Wissenschaft ist Plastik kein neues Problem. Katja Matthes ist Direktorin des Meeresforschungsinstituts Geomar aus Kiel und sieht die Gefahr von Plastik für die Umwelt bereits seit Jahren:

"Aus Sicht der Wissenschaft können wir sagen: Das sind Chancen, das sind Risiken - aber entscheiden muss die Politik.“ - Katja Matthes, Direktorin Meeresforschungsinstitut Geomar, Kiel.

Der Ozean hat laut Geomar-Forschungen ein unheimlich langes Gedächtnis: die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, werden noch 200-300 Jahre in den Ozeanen zu sehen und zu spüren sein. Denn nicht nur für die Ozeane, sondern auch für uns Menschen kann Plastik zum Problem werden: Durch den Konsum von Fisch und Meeresfrüchten nehmen Menschen laut der UN durchschnittlich 5 Gramm Mikroplastik in der Woche zu sich – das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Mikroplastik wurde bereits auf den höchsten Gipfeln der Berge und auch auf dem Meeresboden, sowie in der Arktis gefunden. Für viele NGOs ist das besorgniserregend.

Auf der UNEA, der Umweltversammlung der Vereinten Nationen, wurde daher beschlossen, dass ein Plastikabkommen verhandeln werden soll. Deutschland hat unterstützt, dass das zu Stande kommt und in der Theorie könnte sich dadurch einiges verändern. Insgesamt müssen laut Marie-Luise Abshagen noch mehr Lösungsvorschläge von der Politik kommen:

„Es wird immer der Gesellschaft gesagt, wir müssen Plastik bewusster konsumieren und weniger kaufen. Das ist wahr aber im Endeffekt sind wir Bürger:innen und die Politik muss uns eine Welt schaffen, in der wir uns gesund und umweltfreundlich bewegen können und nicht andersherum.“ - Marie-Luise Abshagen, Forum Umwelt und Entwicklung.

Die G7 Staaten haben in dieser Woche einen Ocean-Deal beschlossen, um konkret die Plastikproblematik anzugehen. In den nächsten drei Jahren sollen insbesondere Maßnahmen in Richtung Reduktion, Recycling, Exportverbot und Regeln für die Industrie und Chemikalien entwickelt werden. Das kann laut Hoffmann in Deutschland anders sein als in Afrika, in Asien oder sonst wo, weil jedes Land andere Probleme hat und Lösungen speziell dafür gefunden werden müssen, aber der Deal und die Zusammenarbeit seien ein wichtiges Signal.

Das Meeresforschungsinstitut Geomar bleibt trotz der kritischen Plastiksituation in den Meeren optimistisch: "Wir müssen nachhaltiger leben. Das ist und wird eine Transformation unseres gesamten Lebensstils, aber wir können es schaffen. Es muss ein System entstehen, in dem es attraktiver wird, nachhaltig zu leben“, so heißt es.

Konferenzen, wie die in UN-Ozeankonferenz in Lissabon, seien ein erster Schritt in die richtige Richtung, Meeresschutz den politischen Stellenwert zu geben, den es braucht.

Von Philine Elster

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