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Eine weibliche Person wirft ein Fischernetz aus
3 min

UN-Ozeankonferenz: Armut in der Kleinfischerei

Wie viele Menschen arbeiten weltweit in der Kleinfischerei?
  • 15 Millionen
  • 40 Millionen
  • 60 Millionen

Auf der UN-Ozeankonferenz in Lissabon (Portugal) sprechen Wissenschaftler:innen, Abgeordnete und NGOs vom 27. Juni bis zum 01. Juli über die Zukunft unserer Weltmeere. Dabei soll das wirtschaftliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche Interesse miteinander verknüpft werden, damit möglichst schnelle und effektive Lösungen für Vermüllung, Lebensraum und nachhaltige Entwicklung gefunden werden. Anlässlich des internationalen Jahres der Kleinfischerei (IYAFA2022) gewinnt vor allem ein sozial sehr relevantes Thema an Bedeutung: Die Armut in der Kleinfischerei.

Es gibt bereits allgemeingültige Richtlinien für Kleinfischerei weltweit, die die Armut minimieren und die gerechte Aufteilung innerhalb des Fischfangs regulieren sollen. Allerdings sind diese nicht überall bekannt. Auf der UN-Ozeankonferenz wird daher in erster Linie an Lösungen gegen Armut in der Kleinfischerei weltweit gearbeitet.

Nicole Franz, Referentin in der Abteilung für Fischerei bei FAO fasst das bis 2030 geplante Ziel wie folgt zusammen: „Dass alle Kleinfischer:innen und alle Regierungen wissen, dass es Richtlinien gibt und es in allen Ländern nationale Aktionspläne gibt, die global auf diesen Richtlinien basieren und Regierung und Kleinfischfang zusammenarbeiten.“

Wie viele Fischer:innen sind in der Kleinfischerei tätig?
  • 45 %
  • 60 %
  • 90 %

Insbesondere Frauen sind weltweit von Armut betroffen. Durch den Anstieg der industriellen Fischerei werden in manchen Bereichen dieselben Fische gefangen. „Wenn dann sehr viel von den industriellen Booten abgeschöpft wert, gibt es ein Problem für die kleinen Fischer:innen weil die Lebensgrundlage quasi weggefischt wird. Da müssen bestimmte Teile des Meeres in Zukunft reserviert werden, wo nur Kleinfischer:innen fischen dürfen. Das sind politische Entscheidungen – aber nur ein Teil der Lösung, weil, ein Fisch hält sich ja nicht an Grenzen. Man muss da breiter schauen und nicht nur auf den wirtschaftlichen Aspekt gucken und die Kleinfischer:innen absichern“, so Franz.

Organisationen wie die FAO versuchen deshalb, viel mit Fischereiverbänden zu arbeiten und insbesondere Netzwerke zwischen Frauen herzustellen. Als Projekt in Tansania wird derzeit ein nationaler Aktionsplan zur Kleinfischerei aufgebaut, in dem Forscher:innen und Regierungsmitglieder aus der Fischereiadministration mitentscheiden, aber eben auch Kleinfischerinnen mit deren Verbänden selbst. In dieser nationalen Aktion ist Gender eine große Priorität, sodass sich neue Frauennetzwerke aktiviert haben. Das Netzwerk „A-FISCH.NET“ in Afrika bringt beispielsweise Frauen aus den unterschiedlichsten Ländern zusammen und stärkt da den Austausch, damit Armut entgegengewirkt werden kann.

Wie viel wird von Kleinfischer:innen gefischt?
  • 20 % der Fische
  • 50 % der Fische
  • 65 % der Fische

Vielen Kleinfischerinnen fehlt es auch an Weiterbildung. Daher arbeitet die FAO gemeinsam mit Organisationen weltweit, um Netzwerke aufzubauen, zu unterstützen und auch so ein Stück weit der Armut entgegenzuwirken. Weiterbildung in puncto Fischverarbeitung: Wie muss man den Fisch verarbeiten, dass Ernährungssicherung gewährleistet wird? Wie funktionieren Märkte? Diese Infos müssen den Frauen zugänglich gemacht werden.

Franz sagt dazu: „Auch, um die Frauen zu stärken: Wenn eine Frau alleine ihren kleinen Fischeimer bringt, hat sie keinen großen Verhandlungsspielraum. Wenn sie mit einer weitergebildeten Gruppe von Frauen kommt, die sagt: Keine wird den Fisch unter Preis X verkaufen, dann hat man eine ganz andere Verhandlungsbasis.“

Die UN-Ozeankonferenz bietet der Thematik laut Franz eine Plattform: „Wir, als FAO müssen die Stimmen der Kleinfischer:innen miteinbringen, auf allen Ebenen: global, lokal aber auch regional. Die eigene Meinung muss eingebracht werden – Es geht ja auch darum, die Sprache zu sprechen, in der die Konferenzen abgehalten werden und wo Entscheidungen getroffen werden – da sieht man, dass da viel Ungleichheit stattfindet.“

Auch aus Nachhaltigkeitsaspekten ist die Erhaltung der Kleinfischerei sinnvoll: Bei industrieller Fischerei kommt viel mehr Beifang zusammen, bei Kleinfisch-Techniken ist das Ganze viel mehr dem natürlichen Gebiet angepasst, in dem sie arbeiten. „Sie benutzen verschiedene Fangtechniken für verschiedene Fischarten. Da ist es außerdem egal, wenn im Netz auch mal verschiedene Sorten Fische sind – die kommen alle auf den Markt“, so Franz.

Es sei daher wichtig, dass in der Abschlusserklärung der Ozeankonferenz die Kleinfischerei samt der Armutsproblematik genug Raum für positive Entwicklungen zu haben. Netzwerke und Weiterbildungen für Kleinfischer:innen sind dabei nur der Anfang, um der Armutssituation weltweit entgegen zu wirken und dafür zu sorgen, dass Kleinfischerei auch in Zukunft existieren kann. Es müsse laut Franz insbesondere ein Konsens für Aktionen gefunden werden, denn Ziele gibt es bereits (für 2030) aber es muss konkrete Prioritäten geben weltweit, aber eben auch innerhalb der Ozeankonferenz.



Von Philine Elster