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Sollte Werbung für fossile Brennstoffe in Europa verboten sein?

Worum geht’s?

Am 4. Oktober letzten Jahres haben Umweltorganisationen gemeinsam eine Europäische Bürger:inneninitiative gestartet, um Werbung für fossile Energiequellen* in Europa zu verbieten (= Erdgas, Erdöl, Kohle…).

→ Es ist eine offizielle Petition, die die Europäische Kommission dazu zwingen kann, sich mit dem Thema zu befassen, wenn sie bestimmte Ziele erreicht:

  • Insgesamt 1 Million Unterschriften
  • Aus mindestens 7 europäischen Ländern
  • Innerhalb von 12 Monaten

Konkret geht es um Werbungen und Sponsorings, zu diesen Themen:

  • Fossile Energiequellen selbst
  • Unternehmen, die in etwas mit fossilen Energiequellen zu tun haben (z.B. weil sie sie direkt verkaufen)
  • Verkehrsmittel, die mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden (außer Öffis)
“Diese Unternehmen machen selten Werbung für ihre fossilen Brennstoffe, sie werben eher mit ihren kleinen Investitionen in erneuerbare Energien oder mit ihrem vermeintlichen Ziel der Klimaneutralität bis 2050, obwohl sie bisher noch nichts dafür getan haben. Wir wollen sichergehen, dass dieses Gesetz auch diese Art des Greenwashings deckt.”
- Silvia Pastorelli, Greenpeaceaktivistin für die #BanFossilFuelAds-Kampagne

Das heißt also keine Werbung mehr für große Unternehmen wie Shell, Total, RWE, oder Autohersteller → ciao Gazprom und Volkswagen, die z.B. viel im Fußball sponsern.

Warum diese Werbung verbieten?

Du fragst dich vielleicht warum man die Werbung verbieten sollte, obwohl genau genommen nicht die Werbung selbst für die Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.

Laut Silvia Pastorelli gibt es 3 Hauptgründe:

1. Weil die beworbenen (und dadurch verkauften) Produkte selbst schlecht für die Erde sind!

“Da könnte man das Musterbeispiel des Tabaks anführen: Man wusste, dass er schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursacht, also hat man Werbung dafür verboten. Bei den fossilen Energiequellen weiß man, dass 100 Unternehmen, die sie fördern, für 70% der Treibhausgasemissionen seit 1988 verantwortlich sind. Sie haben viel mehr zum Klimawandel beigetragen, als wir alle zusammen! Also warum sollten sie weiterhin beworben werden?” - Silvia Pastorelli

2. Weil diese Werbekampagnen Greenwashing sind, die das Bild von umweltschädlichen Unternehmen verfälschen.

“Sie präsentieren den blauen Himmel und lassen uns glauben, sie hätten Kompetenzen, die wir brauchen, um gegen den Klimawandel zu kämpfen, obwohl das nicht stimmt und sie auch nicht daran interessiert sind. Im Gegenteil, sie kennen die Gefahren ihrer Aktivitäten schon mindestens seit 1970 und haben nichts getan! Es ist wichtig, dies in den Köpfen aller Menschen zu berichtigen, vor allem in denen der politischen Führungskräfte. Dieses Gesetz kann dazu beitragen.” - Silvia Pastorelli

3. Weil die Unternehmen sich der Verantwortung entziehen.

“Wenn Unternehmen uns raten, unseren ökologischen Fußabdruck auszurechnen oder zu recyceln, dann erlaubt es ihnen, die Aufmerksamkeit und die Verantwortung auf uns zu schieben, die eigentlich ihre ist… ohne selbst etwas zu tun!” - Silvia Pastorelli


Argumente gegen das Verbot

Gibt es auch Argumente, die gegen das Verbot sprechen?

Ja, sagt Dr. Bernd Nauen vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft und führt drei Argumente an, warum Unternehmen auch weiterhin für ihre Produkte, die auf fossilen Brennstoffen basieren, werben sollen dürfen:

1. Sie sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung.

"Die Erzeuger fossiler Energiequellen spielen ebenso wie die Hersteller von Produkten, die mit fossiler Energie hergestellt und betrieben werden, eine Rolle als Teil der Lösung.” - Dr. Bernd Nauen


2. Die Politik muss den Rahmen setzen.

“Letztlich geht es um eine gesamtwirtschaftliche Transformation, für die die Politik die Rahmenbedingungen setzt, darin eingeschlossen auch die für die Verbraucher.”
- Dr. Bernd Nauen

3. Der menschengemachte Klimawandel stellt uns vor Herausforderungen, die nicht mit Verboten gelöst werden können.

“Werbeverbote (...) lösen an keiner Stelle diese Herausforderungen und damit auch nicht die lebenswirklichen Probleme der Verbraucher.”
- Dr. Bernd Nauen


Ein Verbot der Werbung für Produkte, die auf fossilen Brennstoffen basieren? Noch ist unklar, ob es kommt.

Wie geht's weiter?

Die Petition hat bis zum 4. Oktober 2022 Zeit, bis dahin wird es viele Aktionen von den Organisationen geben, die sie gestartet haben. Wir schauen was Greenpeace, Friends of the Earth oder Europe Beyond Coal so treiben und werden euch berichten.

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🔍 Was bedeutet…?

Fossile Energiequelle: Stoffe, die aus der Zersetzung von pflanzlicher und tierischer Masse vor mehreren Millionen Jahren entstanden sind → z. B. Kohle, Gas oder Erdöl. Durch Verbrennung dieser Stoffe entsteht nicht nur wertvolle Energie, sondern auch eine Menge Treibhausgase, weshalb sie stark zur Erderwärmung beiträgt.


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👀 Quellen

Silvia Pastorelli
Ban Fossil Fuel Ads Campaign
Carbon Disclosure Project
Global Environmental Change
Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e.V.

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Esther Meunier
À la recherche de bonnes nouvelles
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Nils Neubert
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